Fast jeder zweite junge Erwachsene geht nicht zur Kontrolle zum Zahnarzt
Zahnärztliche Kontrolluntersuchungen tragen wesentlich zur Verringerung der oralen Krankheitslast bei. Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) erstmals für Deutschland die Inanspruchnahme zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen durch Erwachsene ab 20 Jahren auf der Basis von Routinedaten untersucht.
Für die Analysen verwendeten sie vertragszahnärztliche Abrechnungsdaten der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Dabei wurde im Zeitraum von 2015 bis 2024 nach Geschlecht, Alter und Region unterschieden. Weiterhin analysierten die Wissenschaftler für das Jahr 2024 die Situation in den einzelnen Bundesländern.
Die wesentlichen Ergebnisse: Die Quote der Inanspruchnahme zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen lag bis 2019 mit rund 64 Prozent relativ konstant. Lediglich im ersten COVID-19-Pandemiejahr 2020 sank die Quote um etwa zwei Prozentpunkte auf 62,1 Prozent. In den Folgejahren stieg die Inanspruchnahme allmählich wieder an und erreichte 2024 erneut 64 Prozent.
Männer sind Vorsorgemuffel
Frauen nahmen zahnärztliche Kontrolluntersuchungen im gesamten Untersuchungszeitraum deutlich häufiger wahr als Männer, ergab die Untersuchung. Demnach lag die Inanspruchnahme bei Frauen 2024 mit 68,7 Prozent etwa zehn Prozentpunkte höher als bei Männern (58,9 Prozent).
Unterschiede gab es auch in verschiedenen Altersgruppen. Demnach nahmen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren im gesamten Untersuchungszeitraum zahnärztliche Kontrolluntersuchungen am wenigsten in Anspruch; die Quote lag in dieser Gruppe bei 57 Prozent. Die höchsten Quoten wiesen Menschen zwischen 45 und 64 Jahren (67,1 Prozent) sowie zwischen 65 und 74 Jahren (70,4 Prozent) auf. Bei den Hochaltrigen ab 75 Jahren sank die Quote hingegen wieder ab – sie lag 2024 bei 63,8 Prozent.
Höchste Quote in Sachsen, niedrigste im Saarland
Auch regional zeigten sich deutliche Unterschiede: So nahmen im gesamten Untersuchungszeitraum mehr Menschen in Ostdeutschland zahnärztliche Kontrolluntersuchungen wahr als in Westdeutschland. Besonders deutlich war 2024 der Unterschied zwischen Sachsen mit der höchsten Quote (73,1 Prozent) und dem Saarland mit der niedrigsten Quote (59 Prozent).
Regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen wirken sich positiv auf die Mundgesundheit aus und verringern das Risiko, beispielsweise an Karies und Parodontitis zu erkranken, schreiben die Autoren der Analyse. Die Mundgesundheitsziele für Deutschland 2030, veröffentlicht von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), sehen vor, die Prävention zu stärken. Hierzu gehöre auch, die Quote der Inanspruchnahme zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen in der Bevölkerung zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund plädieren die Autoren für gezielte Maßnahmen, um die Inanspruchnahme von Kontrolluntersuchungen in wichtigen Risikogruppen im Erwachsenenalter zu erhöhen. Dazu gehören laut der Untersuchung Männer, Menschen im jungen und frühen mittleren Lebensalter, Hochaltrige sowie Menschen in Westdeutschland, insbesondere in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.
Krause, L., Seeling, S. & Reitzle, L. Inanspruchnahme zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen in Deutschland – Prävalenzen und Trends auf Basis von GKV-Routinedaten. Bundesgesundheitsbl (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04253-3






