FVDZ dringt auf Stärkung der ambulanten Versorgung und Freiberuflichkeit
Der FVDZ dankte der bisherigen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Chefin des Bundeskanzleramts werden soll, für den „konstruktiven Austausch“. „Gleichzeitig bleibt die Wiedereinführung der Budgetierung das falsche Signal für Zahnärzteschaft und Patienten. Wer Prävention stärken will, darf die ambulante Versorgung nicht erneut unter Sparzwänge stellen“, erklärte der Bundesvorsitzende des FVDZ Dr. Christian Öttl.
Mit dem Amtsantritt von Linnemann biete sich nun die Chance, die Weichen für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung neu zu stellen. Aus Sicht des FVDZ gehören dazu der konsequente Abbau überbordender Bürokratie, ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit, eine verlässliche und leistungsgerechte Vergütung zahnärztlicher Leistungen sowie eine Gesundheitspolitik, die Prävention stärkt, anstatt bewährte Versorgungsstrukturen durch Budgetierung und kurzfristige Sparmaßnahmen zu schwächen.
„Zahnärztliche Prävention ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Gesundheit der Menschen und der wirksamste Schutz vor hohen Folgekosten. Wer die Versorgung langfristig sichern will, muss den freiberuflich geführten Praxen wieder mehr Vertrauen entgegenbringen und ihnen verlässliche Rahmenbedingungen bieten“, forderte Öttl. Der FVDZ hoffe auf einen „konstruktiven Dialog“ mit dem neuen Bundesgesundheitsminister. „Für Gespräche über nachhaltige Strukturreformen und eine verlässliche, leistungsgerechte Vergütung stehen wir jederzeit bereit“, betonte Öttl.
KBV sieht Wirtschaftlichkeit der Praxen „massiv gefährdet“
Dialogbereitschaft signalisierte auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dem designierten Bundesgesundheitsminister. Allerdings warnten die Vorstände Dr. Andreas Gassen, Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Sibylle Steiner, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Praxen „massiv gefährdet“ sei.
Die Praxen der niedergelassenen Ärzte stehen laut KBV für rund 780.000 Arbeitsplätze. 97 Prozent der Patientenversorgung erfolge in den Praxen. „Doch anstatt diese zu fördern, verschlechtert die Politik signifikant die Rahmenbedingungen durch eine Sparpolitik, die den Mittelstandstreiber Praxen erheblich schwächt. Als studierter Betriebswirt und promovierter Volkswirt weiß Herr Linnemann genau, dass Betriebe nur bestehen können, wenn sie auch Planungssicherheit und betriebswirtschaftlichen Erfolg haben“, betonten die KBV-Vorstände.
BÄK fordert „mutige Strukturreformen“
Die Bundesärztekammer (BÄK) forderte „mutige Strukturreformen“ im Gesundheitswesen. „Mit Carsten Linnemann übernimmt ein Politiker die Verantwortung für das Gesundheitswesen, der in der politischen Debatte für die Modernisierung bestehender Strukturen und praxisnahe Reformen stehe. Dieser Gestaltungswille ist auch im Gesundheitswesen gefragt“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.
Die anstehenden Strukturreformen müssten die Gesundheitsversorgung langfristig zukunftsfest machen. „Wir brauchen wirtschaftliche Tragfähigkeit, Innovationskraft, positive Arbeitsbedingungen und eine stimmige Balance zwischen guter Versorgung und Selbstverantwortung bei Patientinnen und Patienten sowie Versicherten. Die Bundesärztekammer freut sich auf die Zusammenarbeit und wird diesen Reformprozess mit ihrer Expertise konstruktiv begleiten“, sagte Reinhardt.
GKV-Spitzenverband: Auf neuen Minister wartet „Mammutaufgabe“
Laut Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands, kommt auf den neuen Bundesgesundheitsminister viel Arbeit zu. „Die nun anstehende Mammutaufgabe für den neuen Bundesgesundheitsminister wird es sein, mittel- und langfristig durchgreifende Strukturreformen in unserem Gesundheitswesen umzusetzen“, sagte Blatt.
Wichtig sei, dass sich „das medizinische und pflegerische Versorgungsangebot stärker am Bedarf“ ausrichte und man die begrenzten Ressourcen besser als heute einsetze. Als vordringlich nannte Blatt die Reform der Primärversorgung und der Pflegeversicherung.
„Nina Warken hat in kurzer Zeit viele Reformen angestoßen und für die Beitragszahlenden und die gesetzliche Krankenversicherung einiges bewirkt“, unterstrich Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Viele zentrale Reformprojekte seien noch im Entstehen, unter anderem Notfallreform, Pflegereform, Digitalgesetz, vor allem auch eine Strukturreform zur Primärversorgung. „Die AOK-Gemeinschaft steht für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung und bietet jederzeit ihre Unterstützung an.“
DKG: Bürokratieabbau ist „Schlüsselaufgabe“
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) betonte, Linnemann übernehme „Verantwortung für eines der zentralen Politikfelder unseres Landes“. Die Sicherung einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Krankenhausversorgung müsse oberste Priorität haben, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß.
Er erläuterte, die Krankenhäuser stünden nach dem Beschluss des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. „Hier braucht es jetzt entschlossenes politisches Handeln, um drohende Versorgungslücken durch den kalten Strukturwandel abzuwenden“, so Gaß.
Aus Sicht der DKG werde der konsequente Abbau bürokratischer Belastungen eine Schlüsselaufgabe der kommenden Jahre sein. „Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte müssen sich um Patientinnen und Patienten kümmern können – nicht um immer neue Dokumentationspflichten. Der eingeschlagene Weg der Entbürokratisierung und Deregulierung muss deshalb konsequent fortgesetzt werden", forderte Gaß.



