Große Mehrheit für null Promille am Steuer
71 Prozent der befragten Deutschen befürworten ein absolutes Alkoholverbot beim Autofahren. Für Motorräder, Motorroller, Mopeds und Mofas liegt die Zustimmung sogar bei 74 Prozent und für E-Scooter bei 67 Prozent. Auch beim Fahrrad sehen 54 Prozent null Promille als angebracht. 49 Prozent unterstützen die Nullpromillegrenze für alle abgefragten Fahrzeugarten. Nur 18 Prozent lehnen die Nullpromillegrenze komplett ab. Das sind die Ergebnisse der „TÜV Mobility Studie 2026“, für die forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 2.504 Personen ab 18 Jahren befragt hat.
„Alkohol greift genau das an, was man zum sicheren Fahren braucht: klaren Blick, Konzentration und schnelle Reaktion. Deshalb muss für alle, die ein Kraftfahrzeug fahren, null Promille gelten. Alkohol muss aus dem Straßenverkehr verbannt werden“, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. Um wiederholte Alkoholfahrten zu verhindern, fordert der Verband, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) bereits ab 1,1 Promille anzuordnen statt wie bisher ab 1,6 Promille.
Frauen und Ältere häufiger für ein absolutes Alkoholverbot
Die Umfrage zeigt: Frauen sprechen sich deutlich häufiger für ein Alkoholverbot aus als Männer. Demnach sind 78 Prozent der Frauen und 63 Prozent der Männer für null Promille beim Autofahren. Ein Alkoholverbot für alle Fahrzeugarten unterstützen 57 Prozent der Frauen, aber nur 40 Prozent der Männer. Mit 24 Prozent lehnen Männer ein Alkoholverbot insgesamt doppelt so häufig ab wie Frauen mit 12 Prozent.
Noch stärker als zwischen den Geschlechtern gehen die Meinungen zwischen den Altersgruppen auseinander: Ein absolutes Alkoholverbot für alle Fahrzeugarten unterstützen 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, 47 Prozent der 30- bis 44-Jährigen, 48 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 59 Prozent der Menschen ab 60 Jahren. Die Nullpromillegrenze für Autofahrer befürworten 78 Prozent der Befragten ab 60 Jahren, aber nur 62 Prozent der 18- bis 29-Jährigen.
Trügerische Grenzwerte: TÜV-Verband fordert klare Regeln für mehr Verkehrssicherheit
Im Zuge der Umfrage macht der TÜV-Verband noch einmal deutlich, dass tatsächlich schon geringe Mengen Alkohol das Unfallrisiko deutlich erhöhen. Nach Daten des European Road Safety Observatory (ERSO) ist das Risiko, an einem tödlichen Unfall beteiligt zu sein, bei 0,3 Promille fast doppelt so hoch wie in nüchternem Zustand. Das allgemeine Unfallrisiko steigt bei 0,5 Promille auf das 1,4-Fache.
In Deutschland dürfen Kraftfahrzeugfahrende grundsätzlich mit bis zu 0,5 Promille fahren. Null Promille gilt bisher nur für Fahranfänger in der Probezeit und für unter 21-Jährige. Zeigen Fahrende alkoholbedingte Ausfallerscheinungen, kann schon ab 0,3 Promille eine Straftat vorliegen. Ab 1,1 Promille gelten sie als absolut fahruntüchtig, Radfahrende erst ab 1,6 Promille. „1,6 Promille sind ein ausgewachsener Rausch“, stellt Zaneta klar. „Wer so viel getrunken hat, kann kein Fahrzeug mehr sicher führen, auch kein Fahrrad. Dass das Recht Radfahrenden hier so viel Spielraum lässt, passt nicht zum Risiko.“
Nach Ansicht des TÜV-Verbands besteht dringender Handlungsbedarf. Er empfiehlt die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit für Radfahrende von 1,6 auf 1,1 Promille zu senken. Zudem sollte ein eigener Bußgeldtatbestand für alkoholisierte Radfahrende eingeführt werden.








