Hohe Folgekosten durch Alkohol und Zigaretten in Deutschland
Angesichts der hohen Krankheitslast durch nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Typ-2-Diabetes sei eine Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung erforderlich, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion.
Schätzungen gingen von volkswirtschaftlichen Kosten in Höhe von jährlich mehr als 150 Milliarden Euro allein durch Tabak- und Alkoholkonsum aus, schreibt die Bundesregierung. Die Antwort darauf müsse ein Ausbau an Prävention sein. Derzeit würden weitere Initiativen zur Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung geprüft. Dabei im Fokus: Kinder und Jugendliche.
Deutschland steht auf einem der letzten Plätze bei Alkohol- und Tabakpolitik
Die Grünen monieren, dass Deutschland in der Alkoholpolitik international erschreckend schlecht abschneidet. Mit nur neun von 40 möglichen Punkten teilen sich Deutschland und Österreich im Public Health Index (PHI) den vorletzten Platz. Die drei zentralen Schwachstellen seien offensichtlich: Alkohol ist hierzulande nahezu jederzeit verfügbar, häufig beworben und im internationalen Vergleich sehr günstig. Das hat messbare Folgen für alkoholbedingte Erkrankungen und Todesfälle.
Besonders gravierend seien auch die Defizite in der Tabakpolitik: Mit nur 43 von 100 Punkten auf der Tabakkontrollskala belegt Deutschland den vorletzten Platz, obwohl die Bundesrepublik das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (Framework Convention on Tobacco Control) bereits 2004 ratifiziert hat und seit 2005 völkerrechtlich an dessen Bestimmungen gebunden ist, so die Kritik der Grünen.
Tabakkonsum führt jährlich zu 87.600 Krebsneuerkrankungen
Die Ergebnisse des PHI machten deutlich, dass Deutschland über erhebliche ungenutzte Potenziale in der Präventionspolitik verfüge, argumentieren die Grünen. Der europäische Vergleich zeige, dass eine ambitionierte und evidenzbasierte Präventionspolitik möglich und wirksam sei. Die Platzierung werfe grundlegende Fragen zur Präventionsstrategie der Bundesregierung auf, so die Grünen.
Zahlen machen das konkreter: Hierzulande verursacht Tabakkonsum demnach jährlich rund 87.600 Krebsneuerkrankungen und 127.000 vorzeitige Todesfälle. Bei Alkoholkonsum sind es jährlich mehr als 20.000 Krebsneuerkrankungen sowie rund 47.500 vorzeitige Todesfälle.
Zuckerabgabe: Weniger Übergewicht und bessere Zahngesundheit
Daneben führe der Konsum von zuckergesüßten Getränken zu einer Zunahme des Körpergewichts und sei mit einem erhöhten Risiko für Typ‑2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Mortalität assoziiert, heißt es in der Antwort weiter. Eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke habe in Studien insbesondere positive gesundheitliche Effekte bei Kindern und Jugendlichen, wie weniger Übergewicht und eine bessere Zahngesundheit.
Ende 2026 würde den Angaben zufolge ein Abschlussbericht zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten erwartet.
Gesund aufwachsen, leben, arbeiten und altern
Das Präventionsgesetz von 2015 hat nach Einschätzung der Bundesregierung positive Entwicklungen bewirkt. Die auf Grundlage des Gesetzes geschaffene Nationale Präventionskonferenz (NPK) fördere die Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger und der Privaten Krankenversicherung (PKV) unter Beteiligung des Bundes, der Länder, der Bundesagentur für Arbeit, der Sozialpartner, der Patientenvertretungen sowie der für die Gesundheitsförderung und Prävention maßgeblichen Organisationen und Verbände.
In der von der NPK entwickelten nationalen Präventionsstrategie seien übergeordnete Ziele formuliert: gesund aufwachsen, gesund leben und arbeiten sowie gesund im Alter. Die Bundesregierung arbeite stetig an der Fortentwicklung von Prävention und Gesundheitsförderung.












