Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung

Immer mehr Studienabschlüsse ohne Abitur möglich

nb
Gesellschaft
Die Durchlässigkeit des deutschen Hochschulsystems nimmt weiter zu: Immer mehr beruflich qualifizierte Personen ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung finden den Weg an die Hochschulen – und schließen ihr Studium erfolgreich ab. Auch in der Zahnmedizin.

Eine aktuelle Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) mit den jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2024 zeigt, dass erstmals ein neuer Höchststand erreicht wurde: 10.270 Studierende ohne Abitur haben einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben. Seit der bundesweiten Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte im Jahr 2009 summiert sich die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen damit auf mehr als 100.000.

Auch die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bleibt stabil. Rund 13.000 Erstsemester – etwa 2,7 Prozent aller Studienanfänger – qualifizieren sich über berufliche Wege für ein Studium. Insgesamt sind derzeit etwa 70.000 Studierende ohne Abitur an deutschen Hochschulen eingeschrieben.

Was einst als Ausnahme galt, ist heute nahezu flächendeckend möglich: An 93 Prozent der Hochschulen in Deutschland sind Studierende ohne Abitur vertreten. Besonders häufig entscheiden sich beruflich Qualifizierte für praxisorientierte Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass sich diese Gruppe zunehmend auch an Universitäten etabliert.

Auffällig ist laut CHE das im Vergleich höhere Durchschnittsalter: Der typische Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung entscheidet sich für ein Bachelorstudium an einer anwendungsorientierten Hochschule und ist mit durchschnittlich 30 Jahren deutlich älter als seine Kommilitonen.

Bei der Wahl der Studienfächer dominieren weiterhin die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit einem Erstsemesteranteil von 50 Prozent und die Ingenieurwissenschaften mit 19,1 Prozent. Danach folgt der Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften mit 16,6 Prozent.

Steigende Nachfrage im Bereich Gesundheit und Pflege

In einzelnen Disziplinen wie Pflegewissenschaft, Pflegemanagement oder Gesundheitspädagogik hat sich der Zugang über berufliche Qualifikation besonders stark etabliert: Hier kommt inzwischen etwa jede vierte studierende Person ohne klassischen Schulabschluss an die Hochschule.

Bemerkenswert ist laut CHE zudem, dass auch in stark reglementierten Studiengängen wie Humanmedizin und Zahnmedizin zunehmend Bewerberinnen und Bewerber mit beruflichem Hintergrund vertreten sind. Derzeit studieren rund 1.100 Personen ohne Abitur in diesen Fächern – viele von ihnen mit vorheriger Ausbildung und Berufserfahrung im Gesundheitswesen.

Die Nutzung des Studiums ohne Abitur variiert regional. Die höchsten Anteile an Studienanfängern ohne Abitur verzeichnen laut CHE-Auswertung aktuell Bremen, Thüringen und Hamburg. Besonders gefragt sind demnach große Hochschulen sowie Einrichtungen mit flexiblen Studienformaten, etwa im Fernstudium.

Weitergehende Informationen bietet der Online-Studienführer www.studieren-ohne-abitur.de. Studieninteressierte ohne hochschulische Zugangsberechtigung finden hier fundierte Informationen zu den Zugangsmöglichkeiten und den Studienangeboten der Hochschulen.

Nickel, S.; Thiele, A.-L.: CHECK - Studieren ohne Abitur 2026. Daten-Analyse für Bund und Länder, CHE, Gütersloh, 2026, ISBN 978-3-911128-28-5, 76 Seiten

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.