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American Academy of Pediatric Dentistry schlägt mit 140 US-Gesundheitsorganisationen Alarm

US-Kinderzahnärzte stellen Plan zur Fluoridbewertung infrage

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Politik
Die American Academy of Pediatric Dentistry (AAPD) schlägt zusammen mit 140 US-Gesundheitsorganisationen Alarm: Der Plan der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zur Bewertung der Trinkwasser-Fluoridierung mache die jahrzehntelangen Fortschritte bei der Mundgesundheit von Kindern zunichte.

Die AAPD, die in den USA über 11.000 Kinderzahnärztinnen und Kinderzahnärzte vertritt, hat eine offizielle Stellungnahme zum vorläufigen „Fluoride Preliminary Assessment Plan and Literature Survey“ der Environmental Protection Agency (EPA) eingereicht.

Die Toxizitätsbewertung entscheidet über Fluorid-Trinkwasserstandards

Die Toxizitätsbewertung der EPA dient als Grundlage für zukünftige Entscheidungen über mögliche Änderungen des bestehenden Fluorid-Trinkwasserstandards gemäß dem Safe Drinking Water Act (SDWA).

„Als Kinderzahnärzte liegen uns sowohl die Mundgesundheit als auch die allgemeine Gesundheit von Kindern sehr am Herzen“, schreibt die AAPD in ihrer Stellungnahme vom 20. Februar. „Wir begrüßen die Feststellung der EPA, dass Fluorid in geringeren Konzentrationen nachweislich die Prävalenz von Zahnverfall senkt, einer der häufigsten chronischen Erkrankungen bei amerikanischen Kindern. Wir erkennen auch an, dass Fluorid in hohen Dosen toxisch ist.“

Wenn fünf Bundesstaaten Fluorid im Trinkwasser verbieten ...

Wenn fünf Bundesstaaten Fluorid im Trinkwasser verbieten würden, müssten 132.572 sonst zahngesunde Kinder eine Kariesbehandlung erhalten oder einen Zahn gezogen bekommen. Die Kosten für Medicaid aufgrund eines deutlichen Anstiegs von Kariesfällen bei Kindern würden innerhalb von drei Jahren 40 Millionen Dollar übersteigen, wie eine neue Analyse zeigt.

Das CareQuest Institute for Oral Health, eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Trinkwasser-Fluoridierung einsetzt, nutzte Daten aus Medicaid-Abrechnungen und Umfrageergebnisse, um die Folgen eines Trinkwasser-Fluoridierungsverbots in den fünf US-Bundesstaaten Florida, Kentucky, Louisiana, Missouri und Oklahoma zu prognostizieren. Florida hat die Fluoridierung bereits verboten; in den anderen Bundesstaaten sind Gesetzesentwürfe zu einem Verbot oder einer optionalen Anwendung in Arbeit.

Laut der Analyse würden innerhalb von drei Jahren 132.572 Kinder, die sonst keine Zahnprobleme hätten, eine Zahnfüllung oder eine Zahnextraktion benötigen. In Florida, wo die Fluoridierung des Trinkwassers im vergangenen Jahr verboten wurde, würden 52.131 Kinder mehr als üblicherweise zu erwarten wären, eine solche zahnärztliche Versorgung brauchen.

„Die Trinkwasserfluoridierung ist das umfassendste, wissenschaftlich fundierteste und für alle zugängliche Mittel, von dem Kinder profitieren können“, sagte Melissa Burroughs von CareQuest. „Wenn man diese Möglichkeit wegnimmt, sind die Auswirkungen auf Kinder erheblich.“

CareQuest Institute for Oral Health. How Ending Water Fluoridation Would Affect Children and State Medicaid Costs. Boston, MA: January 2026.

Die AAPD fordert die EPA dennoch nachdrücklich auf, ihren Plan zu überarbeiten, „um methodische Stringenz, politische Relevanz für die Expositionen in den USA und Transparenz im Einklang mit der Executive Order 14303* zur Wiederherstellung wissenschaftlicher Goldstandards sicherzustellen“.

Konkret sollte die EPA:

  1. die Kriterien für die Einstufung von Fluorose als gesundheitsschädlich vorab festlegen und die für die Ableitung der Referenzdosis herangezogenen gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf mittelschwere bis schwere Fluorose beschränken;

  2. die Erkenntnisse zur neurologischen Entwicklung nach Expositionsniveau stratifizieren und den in den USA relevanten Expositionswerten (≤ 1,5 mg/l, insbesondere ~0,7 mg/l) Vorrang einräumen;

  3. die Literaturrecherche auf den Zeitraum von 2025 bis Anfang 2026 aktualisieren und vor der Überprüfung ein vollständiges Protokoll zur systematischen Überprüfung der öffentlichen Stellungnahme veröffentlichen;

  4. sowie klar darlegen, dass jede Referenzdosis einen Schwellenwert zur Vermeidung von schädlichen Auswirkungen darstellt und die gut dokumentierten Vorteile von Fluorid bei der Kariesprävention in den empfohlenen Konzentrationen nicht negiert.

Diese Korrekturen würden laut AAPD Fehlinterpretationen reduzieren, die wissenschaftliche Integrität wahren und die Gesundheit von Kindern schützen und gleichzeitig als Leitfaden für praktische, vertretbare politische Entscheidungen dienen.

Es gibt Zweifel an der wissenschaftlichen Integrität des EPA-Plans

In einem ausführlichen Kommentarschreiben an die EPA äußerte die AAPD „erhebliche Bedenken“ hinsichtlich der wissenschaftlichen Integrität des EPA-Plans.

So warnt die Fachgesellschaft davor, dass die aktuelle Vorgehensweise der EPA auf diskreditierten Berichten und unzutreffenden Informationen beruhe, die die sichere Fluoridierung des Trinkwassers gefährden und eine Gesundheitskrise für amerikanische Kinder auslösen könnten. Die AAPD teilt die Besorgnis über den EPA-Plan und seine Folgen mit 140 staatlichen und nationalen Organisationen.

Die wichtigsten Bedenken der AAPD sind:

  • Fehlklassifizierung von „leichter Fluorose“ als Toxizitätsindikator: Die AAPD wendet sich entschieden gegen die Einstufung leichter Zahnfluorose – eines rein kosmetischen Zustands – als „toxische“ oder „nachteilige“ Wirkung der Trinkwasserfluoridierung durch die EPA. „Leichte Fluorose hat keine schädlichen oder pathologischen Eigenschaften“, heißt es in dem Schreiben, und gehe häufig mit einer geringeren Kariesrate einher.

  • Abhängigkeit von einem fehlerhaften Bericht: Der Bewertungsplan stütze sich maßgeblich auf den Bericht des National Toxicology Program (NTP) aus dem Jahr 2024, obwohl dieser die Peer-Review-Prüfung der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) nicht bestanden habe. Die meisten der dem NTP-Bericht zugrunde liegenden Studien wurden laut AAPD nicht in den USA durchgeführt und spiegeln daher nicht die Fluoridbelastung des Trinkwassers in US-amerikanischen Gemeinden wider. Die Autoren des NTP-Berichts warnen der AAPD zufolge davor, den Bericht zur Festlegung einer empfohlenen Fluoriddosis heranzuziehen; dennoch stütze sich die EPA bei ihrer geplanten Bewertung darauf.

  • Ignorieren der gesundheitlichen Vorteile: Die EPA erklärte demnach ausdrücklich, die gesundheitlichen Vorteile von Fluorid in ihrer Bewertung nicht zu berücksichtigen. Die AAPD lehnt diesen Ansatz entschieden ab. Eine Toxizitätsbewertung, die isoliert ohne Kosten-Nutzen- oder Risiko-Nutzen-Analyse durchgeführt wird, hält sie für „unverantwortlich“. Sie verweist in dem Zusammenhang auf historische Daten aus anderen Ländern, die zeigen, dass Kinder häufiger unter Zahnschmerzen, Infektionen und Fehlzeiten in der Schule leiden, wenn Gemeinden die Trinkwasser-Fluoridierung stoppen.

  • Methodische Warnsignale: Die AAPD sieht „problematische Mängel“ in der geplanten Bewertung, darunter eine veraltete Literatursuche, die Studien aus dem Jahr 2025 ausschließt, und das Fehlen eines transparenten, vorab festgelegten systematischen Review-Protokolls. „Wird diese Bewertung nicht mit wissenschaftlicher Integrität durchgeführt, werden Kinder wegen Karies mehr Zahnschmerzen und Infektionen sowie eine geringere Lebensqualität erleiden“, kritisiert die AAPD. „Das Ergebnis dieses grob fehlerhaften Plans deutet auf eine Entfluoridierung des Trinkwassers hin, die zweifellos zu einem Anstieg von Karies und damit verbundenen Gesundheitskosten führen würde.“

Die AAPD fordert die EPA daher dringend auf, ihr derzeitiges Verfahren zu beenden und einen unabhängigen externen Gutachter – insbesondere die NASEM – hinzuzuziehen, um eine faire und wissenschaftlich fundierte Bewertung zu gewährleisten.

Fluorid im Trinkwasser gilt nach wie vor als Eckpfeiler der Kariesprävention

Die Fachgesellschaft und ihre Partner halten die Trinkwasser-Fluoridierung für „eine der erfolgreichsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Geschichte der USA“.

„Unsere Gemeinden profitieren seit über 80 Jahren von einer sicheren und wirksamen Trinkwasserfluoridierung, die nach wie vor ein Eckpfeiler der Kariesprävention ist – der häufigsten chronischen Erkrankung bei Kindern“, heißt es in ihrer Stellungnahme. „Gemeinsam warnen unsere Organisationen die EPA und das Gesundheitsministerium (U.S. Department of Health and Human Services, HHS) davor, den vorgeschlagenen Plan umzusetzen, und wir setzen uns weiterhin für den Schutz und die Förderung der Mund- und Allgemeingesundheit von Kindern ein.“

*Am 23. März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Exekutivanordnung (EO) 14303 mit dem Titel „“Restoring Gold Standard Science“. Ziel der Anordnung ist, „das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in die Wissenschaft und die Institutionen wiederherzustellen, die wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Allgemeinheit schaffen und anwenden“.

Die American Academy of Pediatric Dentistry (AAPD) mit Sitz in Chicago ist die führende US-amerikanische Fachgesellschaft für Kinderzahnheilkunde. Sie wurde 1947 gegründet und setzt evidenzbasierte Standards, Leitlinien und Empfehlungen für die Mundgesundheit von Kindern – von der Geburt bis ins Jugendalter.

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