Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen MIH und systemischen Entzündungen
Eine aktuelle Studie der Universität Melbourne fand keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür, dass die gemessene systemische Entzündungsaktivität das Risiko für eine Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) erhöht. Nach heutigem Forschungsstand geht man bei der Ätiologie der MIH von einer multifaktoriellen Genese aus.
Für die Studie nutzen die Forschenden Daten der Langzeitkohorte Barwon Infant Study, in der Kinder bereits ab der Schwangerschaft bis zum Alter von elf Jahren begleitet wurden. Insgesamt 1.074 Mutter-Kind-Paare nahmen an der Studie teil. Es wurden Entzündungsmarker (Glycoprotein-Acetyls (GlycA) sowie hochsensitives C-reaktives Protein (hsCRP)) im mütterlichem Serum während der Schwangerschaft bestimmt sowie zu verschiedenen Zeitpunkten (Geburt, sechs und zwölf Monate, vier Jahre) im Plasma der Kinder bestimmt. Im Alter von rund elf Jahren wurde bei 481 Teilnehmenden eine zahnärztliche Untersuchung durchgeführt. Bei rund 27 Prozent der Teilnehmenden konnte MIH festgestellt werden (n = 129).
Kein Zusammenhang messbar
Die Ergebnisse zeigen keinen Zusammenhang zwischen den gemessenen Entzündungsmarkern und dem späteren Auftreten einer MIH. Kinder mit erhöhten hsCRP- oder GlycA-Werten entwickelten nicht häufiger eine MIH als Kinder mit niedrigeren Werten. Auch nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren änderte sich dieses Ergebnis nicht. Der geringe rechnerische Rückgang des MIH-Risikos bei höheren GlycA-Werten im Alter von zwölf Monaten war statistisch nicht signifikant.
„Wir wissen jetzt, dass vermutlich eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren zu dieser Erkrankung beiträgt. Künftig könnte sich die Forschung deshalb darauf konzentrieren, ob sich die Erkrankung infolge adaptiver Immunreaktionen entwickelt, die mit Erkrankungen wie Asthma oder Ekzemen in Zusammenhang stehen“, erklärt Erstautorin Dr. Stephanie Shields, (Melbourne).
Bislang wurde vermutet, dass systemische Entzündungen infolge häufiger Kinderkrankheiten und hohen Fiebers an der Entstehung einer MIH beteiligt sein könnten. Klinische und experimentelle Studien hatten zuvor einen Zusammenhang zwischen Infektionen und Fieber in der frühen Kindheit und einem erhöhten MIH-Risiko beschrieben. In der aktuellen prospektiven Kohortenstudie fanden die Forschenden jedoch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass die anhand von hsCRP und GlycA gemessene systemische Entzündungsaktivität das spätere MIH-Risiko erhöht. Die Ursachen der Erkrankung bleiben damit weiterhin ungeklärt.
Shields S, Chen T, Crombie F, Manton DJ et al. Systemic Inflammation and Molar Incisor Hypomineralisation: A Cohort Study. J Dent Res. 2026 Jul 22:220345261462862. doi: 10.1177/00220345261462862. Epub ahead of print. PMID: 42484504.






