Klinikpersonal hat niedrigere Prävalenz für Depressionen als die Bevölkerung
Prof. Dr. Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, befragte zwischen April und Juni 2020 gemeinsam mit den Psychosomatischen Abteilungen der Universitätsklinika Bonn, Dresden, Köln und Ulm 8.071 Teilnehmende aus dem deutschen Gesundheitsbereich, darunter 3.060 Beschäftigte der fünf Universitätsklinika.
Gesundheitspersonal - gute Fähigkeit zur Stressbewältigung
„Eine besonders interessante Erkenntnis ist, dass die psychische Belastung des medizinischen Fachpersonals im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung zwar vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 signifikant höher war. Jedoch fielen die Belastungswerte der Beschäftigten im Gesundheitswesen während der Pandemie signifikant geringer aus als die in der Bevölkerung. Das spricht für eine gute Fähigkeit zur Bewältigung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, erläutert Erim die Ergebnisse der interdisziplinären Studie.
Die Prävalenz für Depressionen und Angstzustände bei Ärztinnen und Ärzten lag bei 17,4 Prozent beziehungsweise 17,8 Prozent, während Pflegefachkräfte mit 21,6 beziehungsweise 19,0 Prozent etwas höhere Belastungswerte aufwiesen. Bei medizinisch-technischen Fachkräfte betrug der Wert 23,0 beziehungsweise 20,1 Prozent.
Höhere Werte wegen mangelnder Erholung und zuviel Alkohol
Die höheren Werte sind vor allem mit unzureichender Erholung in der Freizeit, vermehrtem Alkoholkonsum sowie geringem Vertrauen in die Unterstützung durch die unmittelbaren Kollegen bei Schwierigkeiten während der Arbeit verbunden. Darüber hinaus standen erhöhte Angstwerte im Zusammenhang mit der Befürchtung, sich zu infizieren.
Seit dem 16. November 2020 läuft eine zweite Befragungswelle mit erneut hoher Beteiligung der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die komplette Studie befindet sich im Gutachterverfahren der internationalen Fachzeitschrift „Journal of Psychosomatic Research“.