Knochenzüchtung per Tissue Engineering bewirkt Zahndurchbruch
Der jetzt 21-jährige Mann wurde mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte links geboren.
Mit sechs Lebensmonaten wurde die Lippe, mit elf Monaten der Weichgaumen und mit 29 Monaten der Hartgaumen verschlossen. Es folgte zur Sprachverbesserung eine Re-Operation des Gaumens kurz vor der Einschulung mit fünf Jahren und neun Monaten.
Da im Bereich des zahntragenden Fortsatzes gerade bei breiten Kieferspalten oft noch ein restlicher Knochendefekt beziehungsweise ein Knochendefizit besteht, ist es notwendig, dies aufzufüllen, um langfristig die richtige Einordnung beziehungsweise den Durchbruch der bleibenden Zähne zu gewährleisten. Dazu erfolgt mit etwa zehn Jahren die sogenannte Spaltosteoplastik - üblicherweise mit einer Transplantation von Knochen aus dem Becken. Nicht bei diesem jungen Mann.
Bei ihm wurde diese Operation der Kieferspaltostoeplastik zu Beginn 2007 notwendig. Seine Eltern hatten nach umfangreicher Besprechung und Aufklärung zugestimmt, das neuartige Verfahren der Translationalen Medizin mit Transplantation von mittels Tissue Engineering gezüchtetem Knochen anstelle von Knochen aus dem Becken anzuwenden.
Dazu wurde im Dezember 2006 in örtlicher Betäubung ein kleines Stück Oberkieferknochen (aus regio 16) entnommen. Die Mutter spendete zehn Röhrchen Venenblut, um daraus Serum zu gewinnen, das für die Anzüchtung der Knochenzellen in Zellkultur notwendig ist.
Aus dem Knochengewebe wurden im Kultivationsmedium mit dem Serum der Mutter die Knochenzellen (Osteoblasten) gezüchtet. Nach ausreichender Vermehrung der Zellen - dazu erfolgt ein etwa dreimaliges Umsetzen und Teilen der Zellen in den Kulturflaschen - wurden damit poröse, knochenähnliche Trägermaterialien - in diesem Fall Osteovit, eine entmineralisierte Knochenmatrix - drei Tage vor der Transplantation besiedelt.
Die Osteoblasten wuchsen auf dem Material an. Im Februar 2007 wurde dann die Kieferosteoplastik im Oberkiefer links (regio 22) mit dem autogenen Tissue Engineering-Knochen durchgeführt.
Nach der Kieferosteoplastik
Schon wenige Wochen später kam es zum Spontandurchbruch von Zahn 23 durch den neu gebildeten Kieferknochen. Bis Oktober waren dann beide Eckzähne (13 und 23) durchgebrochen und konnten kieferorthopädisch eingestellt werden.
Da trotz des erfolgreichen Verschlusses der Kieferspalte bei Nichtanlage der seitlichen Schneidezähne der Oberkiefer im Vergleich zum Unterkiefer zu schmal war und zu weit hinten lag, wurden bei dem Patienten nach Abschluss des Kieferwachstums noch zwei kieferverlagernde Operationen und eine Lippen-/Nasenkorrektur durchgeführt.
Heute hat der junge Mann keinerlei Beeinträchtigungen und niemand ahnt seinen schweren Start ins Leben.
Fazit: Dieses Beispiel zeigt, dass Translationales Vorgehen mittels Tissue Engineering-Knochen ein ebenso gutes klinisches Resultat liefert wie die herkömmliche Technik, jedoch mit dem gravierenden Vorteil der deutlich geringeren Entnahme-Morbidität.
Die Röntgenbilder (DVT) beweisen die Verknöcherung im Areal des transplantierten Tissue Engineering-Gewebes.



