Leipziger Initiative soll Zahnärztemangel im ländlichen Raum entgegenwirken
Ziel des neuen Lehrprojekts „LEIPIZ – Leipziger Praxisstart-Initiative Zahnmedizin“ ist es, Studierende frühzeitig für eine Niederlassung – insbesondere im ländlichen Raum – zu gewinnen und praxisnah auf den Schritt in die Selbstständigkeit vorzubereiten.
Beim offiziellen Kick-Off am 28. Januar 2026 auf dem Leipziger Medizincampus kamen rund 40 Zahnmedizinstudierende und etwa 50 niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte zusammen. Das neue Lehrprojekt setzt auf frühe Vernetzung, Mentoring und praktische Einblicke in den Berufsalltag – bereits ab dem ersten Semester. Entwickelt wurde LEIPIZ von der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, in Kooperation mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen.
„Der demografischen Herausforderung in der zahnärztlichen Versorgung wollen wir aktiv entgegenwirken, indem wir jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten schon im Studium das notwendige Rüstzeug für eine eigene Praxis an die Hand geben“, erklärt Prof. Dr. Dr. Till Köhne, Studiendekan für Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät Leipzig. LEIPIZ sei bewusst niedrigschwellig angelegt und studienbegleitend konzipiert.
Bereits im ersten Semester sollen die Zahnis in die Praxen schnuppern
Zum Curriculum gehören unter anderem Inhalte zu Praxisgründung und -übernahme, Praxismanagement und -führung, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Abrechnung, Patientenkommunikation sowie der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Zahnmedizin. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops zur Erstellung eines Businessplans. Ein zentraler Baustein sind Praxistage, bei denen Studierende den Arbeitsalltag in niedergelassenen Praxen kennenlernen und individuell von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet werden. Erste Praktika können bereits in den Wintersemesterferien absolviert werden.
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow betonte beim Projektauftakt die Bedeutung einer langfristig gesicherten zahnärztlichen Versorgung: Ziel des Freistaats sei es, die Versorgung flächendeckend, wohnortnah und zukunftsfest zu gestalten. LEIPIZ stehe exemplarisch für eine Universität, die ihren gesellschaftlichen Auftrag ernst nehme, sowie für starke Partner, die Verantwortung übernähmen.
Uni rechnet mit 20 potenziellen Niederlassungen pro Abschlussjahrgang
Die Ausgangslage sei laut Köhne durchaus vielversprechend: Interne Umfragen unter Absolventinnen und Absolventen der Zahnmedizin zeigen, dass sich fast jede beziehungsweise jeder Zweite vorstellen kann, nach dem Studium in Sachsen zu bleiben – auch mit einer eigenen Praxis im ländlichen Raum. Das entspricht laut Köhne mehr als 20 potenziellen Niederlassungen pro Abschlussjahrgang. Aktuell beginnen jährlich 54 Studierende das Zahnmedizinstudium in Leipzig, insgesamt sind dort 365 Studierende eingeschrieben.
Als Vorbild dient der Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin (LeiKA), der seit 2016 Studierenden praxisnahe Einblicke in die ambulante Versorgung bietet. Rund 190 Studierende werden dort derzeit von mehr als 100 Patenärztinnen und -ärzten betreut. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen maßgeblich in die Konzeption von LEIPIZ ein.
Das neue Lehrprojekt ergänzt zudem die jüngst beschlossene Landzahnarztquote in Sachsen. Ab dem Wintersemester 2026/27 werden 8,1 Prozent der Studienplätze in der Zahnmedizin außerhalb des Numerus clausus vergeben – verbunden mit der Verpflichtung zur späteren Tätigkeit im ländlichen Raum. Dies entspricht acht Studienplätzen pro Semester, vier in Leipzig und vier in Dresden. Die Auswahl erfolgt in einem zweistufigen, strukturierten Verfahren. Dabei zählt nicht nur alleine der Notendurchschnitt des Abiturs, sondern auch Eignung, Praxiserfahrung sowie soziales Engagement.



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