Repräsentative Umfrage zur Gesundheitsversorgung

Mit dem Arzt zufrieden – aber nicht mit dem System

pr
Politik
Die meisten Versicherten sind mit ihrem Arzt zufrieden. Sie sehen aber Mängel in der Gesundheitsversorgung, etwa in der Pflege, im Krankenhaus oder bei der Suche nach einem Kinderarzt.

Ein geteiltes Bild zeigt sich bei der Zufriedenheit Versicherter mit der Gesundheitsversorgung. Das ergab eine repräsentative Untersuchung des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse unter 2.022 Teilnehmenden.

So bewerten 77 Prozent ihre letzten Erfahrungen mit einer Arztpraxis positiv. Doch jeder Vierte (24 Prozent) sieht die Notfallversorgung in der eigenen Region als nicht vollständig gesichert. 35 Prozent der Menschen, die schon einmal pflegebedürftig waren oder einen Menschen gepflegt haben, waren nicht zufrieden mit den Erfahrungen, die sie mit ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen gemacht hatten. Und 28 Prozent der Eltern mit Kindern bis zwölf Jahren hatten Schwierigkeiten, eine Kinderarztpraxis zu finden.

Auch beim Zugang zur ärztlichen Versorgung schwankt die Zufriedenheit der Versicherten: 80 Prozent haben eine haus- oder allgemeinärztliche Praxis in angemessener Entfernung zu ihrem Wohnort. Allerdings haben 30 Prozent trotz dringendem Bedarf keinen Facharzttermin in angemessener Zeit erhalten. 37 Prozent der Menschen mit Erfahrungen mit ambulanter oder stationärer Pflege konnten demzufolge in einer Pflegesituation nicht ausreichend schnell einen Platz im Pflegeheim oder einen Pflegedienst finden.

Auch der fehlende Informationsaustausch ist ein wichtiges Thema, so etwa bei Doppeluntersuchungen. Hier gaben 26 Prozent aller Befragten an, dass bei ihnen in kurzen Abständen die gleichen Untersuchungen durchgeführt wurden, da Ergebnisse wie ein Blutbild oder Röntgenaufnahmen nicht von einer Praxis zu anderen weitergegeben worden waren. Wer in den letzten drei Jahren eine OP oder einen Krankenhausaufenthalt in Anspruch nehmen musste, kennt das Problem häufiger (32 Prozent). Von den Pflegebedürftigen haben sogar 54 Prozent Erfahrungen mit Doppeluntersuchungen innerhalb kurzer Zeit. Dabei sei die Vernetzung im Gesundheitswesen unerlässlich, um die knappen Ressourcen des Systems im Sinne der Patientinnen und Patienten einzusetzen, heißt es in der Befragung.

Für die SBK zeigt die Umfrage die angespannte Lage in der Gesundheitsversorgung. In absehbarer Zeit werde die Überlastung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eher größer. Das heißt Arzttermine, Pflegeeinrichtungen oder Zeit für die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus würden eher knapper, bilanziert de Kasse. Auch Ärztinnen und Ärzte oder pflegendes Personal stünden dadurch zunehmend unter Druck. Notwendig seien weitreichende Reformen, die die Ressourcen des Gesundheitswesens insgesamt entlasten.

Die Umfrage wurde im Auftrag der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse vom Marktforschungsinstitut Yougov im Rahmen einer Online-Umfrage zwischen dem 19. und 21. Juli 2023 unter 2.022 Deutschen durchgeführt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland.

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