Modellstudie: Medicaid-Kürzungen verlagern Kosten nur
Medicaid-Änderungen, die 2025 im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ verabschiedet wurden, könnten deutliche Folgen für die Mundgesundheit US-amerikanischer Kinder haben. Prognosen zufolge könnten zwischen 2025 und 2034 jährlich rund 480.000 Kinder ihren Medicaid-Schutz verlieren. Forschende der Harvard School of Dental Medicine untersuchten nun, welche gesundheitlichen und ökonomischen Folgen ein Versicherungsverlust in dieser Größenordnung haben könnte.
Dafür nutzte das Team Daten von 11.696 Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren aus der US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey. Mithilfe eines entscheidungsanalytischen Modells berechneten die Forschenden, wie sich der Verlust des Medicaid-Schutzes auf Mundgesundheit, Versorgung und Kosten auswirken könnte.
Der Studie zufolge sind über einen Zeitraum von zehn Jahren 95.799 zusätzliche Fälle unbehandelter Karies bei Kindern zu erwarten. Ohne die über Medicaid abgedeckte zahnärztliche Vorsorge und Früherkennung würden viele Erkrankungen später oder gar nicht behandelt. Für einkommensschwache Familien könnten bereits regelmäßige Zahnreinigungen oder Füllungstherapien finanziell kaum zu stemmen sein.
Kosten verschwinden nicht
„Wir haben festgestellt, dass selbst unter konservativen Annahmen der Verlust des Versicherungsschutzes die Kosten nicht verschwinden lässt – er verlagert sie lediglich. Kinder, die Medicaid verlieren, bekommen weiterhin Karies; sie werden nur nicht mehr frühzeitig behandelt“, sagte Dr. Sung Eun Choi, Hauptautorin der Studie. Was als vermeidbare Erkrankung beginne, könne zu Infektionen fortschreiten, Notfallbehandlungen notwendig machen und über zehn Jahre zusätzliche Systemkosten von fast 87 Millionen US-Dollar verursachen. Diese Kosten trügen Krankenhäuser, soziale Leistungssysteme und die Familien selbst.
„Keine Familie sollte gezwungen sein, sich zwischen einem notwendigen Zahnarztbesuch und der Beschaffung von Lebensmitteln entscheiden zu müssen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese unbehandelte Erkrankung zu weiteren Belastungen für die Kinder und ihre Familien führt, sowohl in Form von wirtschaftlichen Kosten als auch in Form von Schmerzen, Besuchen in der Notaufnahme sowie Fehlzeiten in Arbeit und Schule“, fügte Co-Autorin Dr. Lisa Simon hinzu.
Die Autoren stellen fest, dass eine der eher kontraintuitiven Erkenntnisse darin bestand, dass weniger Karies behandelt wird, wenn Kinder ihren Versicherungsschutz verlieren, was die Kosten kurzfristig niedriger erscheinen lassen kann. Diese scheinbaren Einsparungen gehen jedoch auf Kosten der Gesundheit der Kinder in Form von versäumten Schultagen, Produktivitätsverlusten und Folgeerkrankungen, die das Modell der Forscher nicht vollständig erfasst.
Choi SE, Simon L, Hayes C, Giannobile WV. Projected Oral Health Outcomes and Costs Associated With Pediatric Medicaid Disenrollment. JAMA Netw Open. 2026 May 1;9(5):e2611457. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2026.11457. PMID: 42118537; PMCID: PMC13169400.



