AOK-Geschäftsführerin Sabine Richard

„Normale Sprechstunden sollten IGeL-frei sein!“

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Politik
Dr. Sabine Richard, Geschäftsführerin Versorgung im AOK-Bundesverband, sieht Selbstzahlerleistungen auch deshalb kritisch, weil sie aus ihrer Sicht auf Kosten der Sprechzeiten für die Versicherten gehen.

„Es gibt sicherlich Selbstzahlerleistungen, die sinnvoll sind und ihre Berechtigung haben, zum Beispiel Reise-Schutzimpfungen“, sagt sie im Interview auf der AOK-Website. „Aber es ist schon bedenklich, dass in den Arztpraxen so viele medizinische Leistungen verkauft werden, die aus guten Gründen nicht Bestandteil des Leistungskataloges der Gesetzlichen Krankenversicherung sind.“

„Diesem Unwesen sollte auch die Politik nicht länger tatenlos zusehen!“

Bestimmte Facharztgruppen wie Augenärzte oder Hautärzte böten immer mehr Selbstzahlerleistungen an, während es bei der Aufklärung der Patienten über den Nutzen und mögliche Schäden nach wie vor große Defizite gebe. Richard fordert daher, dass die Informationspflichten im Patientenrechtegesetz konkreter geregelt werden als bisher.

„Die normalen Sprechstunden sollten frei sein von Verkaufsgesprächen, zumal diese missbräuchliche Verwendung der ärztlichen Arbeitszeit auch direkt auf Kosten der GKV und ihrer Versicherten geht“, betont sie. „Wenn beispielsweise ein Augen- oder Hautarzt seine Sprechstunden-Zeit mit fragwürdigen Vorsorge-Untersuchungen oder Schönheitsbehandlungen verbringt, fehlt diese Zeit eben für die vertragsärztliche Versorgung kranker Menschen.“

Es dürfe auch nicht sein, dass GKV-Versicherte bei der Terminvergabe in Facharztpraxen gegenüber Selbstzahlern systematisch benachteiligt werden: „Wir können es nicht einfach hinnehmen, dass frühere Termine nur dann verfügbar sind, wenn man eine Selbstzahlerleistung kauft. Diesem Unwesen sollte auch die Politik nicht länger tatenlos zusehen.“

Sie spricht sich dafür aus, dass IGeL im Rahmen von Sondersprechstunden stattfinden, weil die Patienten dann noch einmal wiederkommen müssten, um die Leistung zu erhalten und sich in der Zwischenzeit überlegen könnten, ob sie diese Leistung wirklich in Anspruch nehmen wollen. „Die Fälle, in denen die Patientinnen und Patienten mit IGeL-Angeboten überrumpelt und unter Druck gesetzt werden, würden dann endlich der Vergangenheit angehören“, macht sie klar.

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