Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Deutsche Multicenterstudie

Parodontaltherapie-App verfehlt Erwartungen

Mit der Einführung digitaler Gesundheits-Apps entsteht die Frage nach der Evaluation des damit erzielbaren Nutzens. Die Initiatoren des Projektes „Paro-ComPas“ haben die Wirksamkeit der App vor einer möglichen Veröffentlichung zunächst einmal in einer Multicenterstudie überprüft. www.parocompass.de
br
Zahnmedizin
  •  
Können Informationen aus einer speziell für die Parodontaltherapie entwickelten App den Therapieerfolg erhöhen? Eine deutsche Multicenterstudie kam zu einem ernüchternden Ergebnis.

Die moderne Parodontitistherapie betont die Mitwirkung des Patienten als Faktor für den Therapieerfolg. Deshalb konzentriert sich die erste Stufe des Behandlungskonzepts auf die Kontrolle der Risikofaktoren im häuslichen Umfeld. Dass Mundhygieneunterweisungen Prävention und Therapien wirksam unterstützen können, ist vielfach belegt, dennoch haben Studien auch gezeigt, dass mündlich vermittelte medizinische Informationen vom Patienten oft nur unzureichend rezipiert werden.

Die vorliegende Multicenterstudie ging nun der Frage nach, ob eine speziell entwickelte App gegebenenfalls helfen könnte, Patientenaufklärung und Therapieerfolg zu verbessern.

Innovationsfonds förderte die Erstellung der App

Die Studie war Teil des Forschungsprojekts „Paro-ComPas“ (Digitaler Patienten-Kompass für Parodontitis-Versorgung), gefördert vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. In diesem Projekt ging es um die Entwicklung und wissenschaftliche Erprobung einer mobilen Gesundheits-App für Patienten mit chronischer Parodontitis. Das Projekt stand unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Heidelberg und wurde mit rund 891.000 Euro gefördert. Ziel war es, eine App als „digitaler Begleiter“ von Parodontitispatienten zu entwickeln, deren Mitarbeit an der Therapie zu fördern und so die Versorgungsqualität zu verbessern.

Die im Vorfeld zur Studie entwickelte App bot kurze Wissenssequenzen und verständliche Erklärvideos zur Aufklärung über die Krankheitsursachen und den Behandlungsablauf, eine Erinnerungsfunktion für Behandlungsschritte und Kontrolltermine und Tipps für eine bessere Mundhygiene und Ernährung. Sie sollte den Patienten bei der Therapiemitwirkung unterstützen.

Primärer Endpunkt war der Gingivablutungsindex (GBI)

Die multizentrische RCT-Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit der App wurde von sieben deutschen Universitätszahnkliniken durchgeführt. Erwachsene mit Parodontitis (n=194) wurden der Standard-Parodontalbehandlung entweder mit oder ohne die Paro-ComPas-App zugeteilt, 180 Teilnehmer begannen die Studie, 148 schlossen sie vollständig ab.

Primärer Endpunkt war der Gingivablutungsindex (GBI) zu Studienbeginn, bei der Nachuntersuchung und während der unterstützenden Parodontalbehandlung. Zu den sekundären Endpunkten zählten Plaque und Blutung auf Sondierung.

Keine signifikanten Unterschiede von Test- und Kontrollgruppe

Beide Gruppen zeigten in Folge der Parodontaltherapie deutliche klinische Verbesserungen – sowohl im Hinblick auf den primären Endpunkt (GBI) als auch die sekundären Endpunkte Plaqueindex und Bluten auf Sondierung. Unadjustiert zeigte sich sogar ein Vorteil für die Kontrollgruppe (Differenz 7,70 Prozentpunkte). Nach Adjustierung fand sich kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den Gruppen. Ein Effekt durch den Einsatz der App war nicht festzustellen.

Auffällig war, dass die Nutzung der App hinter den Erwartungen zurückblieb: „Von den 59 Artikeln in der Wissensbibliothek griffen die Patienten im Median auf fünf (IQR 2–10) Artikel zu, was 8,5 Prozent der verfügbaren Inhalte entspricht. Nur acht Patienten (9,4 Prozent) griffen auf mindestens 25 Prozent der Bibliothek zu, und keiner auf mindestens 75 Prozent. Die Artikelaufrufe konzentrierten sich auf einführende Inhalte, die die Diagnose und die Grundlagen der Parodontitis erklärten (61,6 Prozent; von 89,4 Prozent der Nutzer aufgerufen).

Hinweise zur Mundhygiene wurden nur von 43,5 Prozent der Nutzer abgerufen. Inhalte zu systemischen Zusammenhängen bei Parodontitis wurden von 7,1 Prozent der Nutzer aufgerufen. Darüber hinaus erreichten risikofaktorspezifische Inhalte selten die Zielgruppe: Nur 3 von 12 Diabetikern und 2 von 17 Rauchern lasen die entsprechenden Artikel. Diese Beobachtungen legen nahe, dass die phasenspezifische und risikoadaptierte Bereitstellung von Inhalten nicht wie gewünscht funktionierte“, schreiben die Studienautoren.

Fazit

Das Fehlen eines messbaren Interventionseffekts führen die Studienautoren auf mehrere Faktoren zurück: Einmal verweisen sie auf Probleme mit dem Handling der App, das in den einzelnen Zentren unterschiedlich gehandhabt wurde. Darüber hinaus könnten „niedrige Entzündungswerte zu Studienbeginn“, eine „unvollständige Durchführung der Intervention und Unterschiede zwischen den Untersuchern“ die Ausbildung kleiner Effekte zugunsten der Wirksamkeit der App eingeschränkt haben.

Einzelne explorative Analysen deuten zwar auf potenzielle Vorteile bei moderat engagierten App-Nutzern hin. Dennoch betonen die Autoren, „dass die Gesamtnutzung [der App] kein verlässlicher Indikator für effektives Engagement [des Patienten] ist“. Eine eindeutige Interpretation sei jedoch nicht möglich gewesen.

Keine Empfehlung für die Übernahme in GKV-Versorgung

Das Projekt „Paro-ComPas“ wurde inzwischen beendet. Der Innovationsausschuss des G-BA hat im Juli 2026 den Abschlussbericht geprüft und formal beschlossen, für diese spezifische App-Intervention keine Empfehlung für eine Überführung in die reguläre Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen auszusprechen. Dennoch dürfte die Studie wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse für die künftige Entwicklung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGAs) im Bereich der Zahnmedizin beigetragen haben – insbesondere was die Erwartungshaltung an die Nutzung spezifischer Inhalte angeht.

Dannewitz, B., J. Deschner, C. Dörfer, et al. 2026. „Clinical Outcomes of a Digital Companion in Periodontal Care: A Randomised Controlled Trial.“ Journal of Clinical Periodontology 1–14. https://doi.org/10.1111/jcpe.70181

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen