Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Studie über Schmerzlinderung

Placebo beruht auf unterschiedlichen neuronalen Mechanismen

Placeboeffekte können körpereigene schmerzlindernde Mechanismen aktivieren – je nach klinischer Situation offenbar über unterschiedliche neuronale Signalwege. Maria_stock.adobe.com
nl
Medizin
  •  
Der Placeboeffekt beruht offenbar nicht auf einem einheitlichen Mechanismus im Gehirn. Ein internationales Forschungskonsortium hat unterschiedliche neuronale Signalwege identifiziert.

Placeboeffekte beruhen auf der Erwartung einer Person, dass ihre Schmerzen gelindert werden. Diese Erwartung kann auf zwei unterschiedliche Arten ausgelöst werden. Bei einem Ansatz erhalten die Teilnehmenden mündliche Informationen darüber, dass eine Behandlung die Schmerzen reduzieren wird. Beim anderen Ansatz werden solche verbalen Suggestionen mit einer Konditionierung kombiniert, in der die Teilnehmenden während einer Lernphase unmittelbar eine Schmerzlinderung erfahren (Placeboanalgesie). Die Forschenden betonen, dass Placeboeffekte nicht einfach nur eingebildete Verbesserungen sind. Vielmehr gehen sie mit messbaren Veränderungen der Hirnaktivität einher, die beeinflussen, wie Schmerzen verarbeitet und erlebt werden.

Forschende des Sonderforschungsbereichs/Transregio 289 „Treatment Expectation“ an der Universitätsmedizin Essen haben gemeinsam mit dem internationalen Placebo Imaging Consortium Bildgebungsdaten des Gehirns von 409 Teilnehmenden aus 16 Studien zur placeboinduzierten Schmerzlinderung analysiert. Ziel war es herauszufinden, ob die unterschiedlichen Arten, Placeboeffekte hervorzurufen, auf denselben biologischen Mechanismen beruhen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine allein durch verbale Suggestion hervorgerufene Schmerzlinderung und eine durch Lernerfahrungen verstärkte Placeboanalgesie auf teilweise überlappenden, aber auch unterschiedlichen neuronalen Signalwegen beruhen.

„Da sich Placebostudien in ihren experimentellen Einzelheiten stark unterscheiden können, war es bislang schwierig, die ihnen gemeinsamen Hirnprozesse zu identifizieren“, sagt Prof. Tamas Spisak (Essen), Erstautor der Studie. Durch die Zusammenführung von weltweiten Daten konnten die Forschenden zeigen, dass unterschiedliche Methoden zur Erzeugung von Placeboeffekten jeweils charakteristische Spuren im Gehirn hinterlassen. Mit Hilfe der großen, kollaborativen Datensätze konnten die Forschenden diese Muster sichtbar machen.

Die Forschenden gehen davon aus, dass die Identifizierung unterschiedlicher neuronaler Signalwege dazu beitragen kann, besser zu verstehen, welche Mechanismen in verschiedenen klinischen Situationen aktiviert werden. Langfristig könnten diese Erkenntnisse nach ihrer Einschätzung die Entwicklung gezielterer Strategien unterstützen, die körpereigenen schmerzlindernden Systeme zu fördern und Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Spisak T, Hartmann H, Zunhammer M et al. Meta-analytic evidence for distinct neural correlates of conditioned versus verbally induced placebo analgesia. Nat Commun. 2026 Jul 17;17(1):6538. doi: 10.1038/s41467-026-74743-0. PMID: 42469238; PMCID: PMC13379574. Format:

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen