Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Modellrechnung zur Kunststoffproduktion

Plastik kostet immer mehr gesunde Lebensjahre

LL
Gesellschaft
Die Emissionen aus dem Plastiklebenszyklus schaden der Gesundheit. Wissenschaftler haben nun mithilfe einer Modellrechnung gezeigt, was das bedeutet: fünf Stunden verlorener Lebenszeit bei voller Gesundheit für jeden Menschen im Jahr 2040.

Die gesundheitsschädigenden Effekte durch Emissionen aus dem Plastiklebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung, Transporte, Recycling und die Entsorgung – werden sich im Zeitraum von 2016 bis 2040 verdoppeln. Das ist das Ergebnis einer in The Lancet Planetary Health veröffentlichten Studie. Zur Eindämmung der Risiken müsste es umfangreiche Einschnitte in der Primärproduktion geben, stellen die Wissenschaftler um Megan Deeney von der London School of Hygiene & Tropical Medicine fest.

Zunächst sei es notwendig, die vielfältigen Funktionen von Kunststoffen über alle Sektoren hinweg zu bewerten, unter gleichzeitiger Berücksichtigung der gesundheitlichen Folgen ihrer Nutzung – etwa von chemischen Zusatzstoffen bis hin zu Mikro- und Nanoplastik. Eine verbindliche Transparenz- und Berichtspflicht zu den Produkten und Produktionsschritten sei dafür die Voraussetzung.

Nicht zuletzt brauche es eine global abgestimmte Politik. In einer globalisierten Welt ohne ausreichende, analoge Kooperation zwischen den Staaten müsse man jedoch leider davon ausgehen, dass nicht alle Länder die gleichen strengen Regeln vorgeben, diese kontrollieren und bei Regelverletzungen sanktionieren.

Bereits 2016: 2,1 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre

Der Plastiklebenszyklus verursacht Emissionen, darunter Treibhausgase, Feinstaub und krebserregende Chemikalien, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Mit der Erhebung von „Disability-Adjusted Life Years“ (DALY) – das sind die verlorenen gesunden Lebensjahre auf der Erde – quantifizierten die Forschenden diese Effekte. Dafür berechneten sie zuerst, wie viel Plastik pro Jahr in Zukunft anfallen wird. Grundlage dafür war das Plastic-to-Ocean-Modell. Das sind die globalen Ströme von Kunststoffen, die im kommunalen Siedlungsabfall anfallen. Sie beschrieben sechs unterschiedliche Szenarien: vom Business-as-usual-Szenario (BAU), bei dem nichts verändert wird, bis hin zum optimistischsten Szenario mit umfassendem Abfall-Management, mehr Recycling und reduzierter Plastiknutzung.

Im Anschluss modellierten die Wissenschaftler, wie viele DALY jedes Jahr über die verschiedenen Endpunkte der Emissionen anfallen. Für das Jahr 2016 war die globale Plastikmasse mit 2,1 Millionen DALY assoziiert, vorrangig verursacht durch die globale Erwärmung sowie Luftverschmutzung.

Im Ergebnis führt das BAU-Szenario in den Jahren 2016 und 2040 weltweit in einer kumulierten Krankheitslast von rund 83 Millionen DALY. Sie nimmt jährlich zu und erreicht im 2040 allein 4,5 Millionen DALY, die mit der Produktion und Entsorgung von Plastik assoziiert sind.

Würde der Plastiklebenszyklus nicht optimiert, könnten der Analyse zufolge im Jahr 2040 geschätzt rund 4,5 Millionen gesunde Lebensjahre weltweit verloren gehen. Das ergibt rechnerisch etwa fünf Stunden verlorener Lebenszeit bei voller Gesundheit für jeden Menschen auf der Erde, sagte Walter Leal von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), der selbst nicht an der Berechnung beteiligt war.

Im Vergleich zu anderen globalen Gesundheitsbelastungen sei die durch Plastik verursachte Krankheitslast erheblich, aber weit geringer als die Krankheitslast durch die allgemeine Luftverschmutzung (jährlich über 100 Millionen Lebensjahre) oder Malaria (jährlich über 40 Millionen Lebensjahre). „Sie ist jedoch vergleichbar mit der von Hepatitis B und unterstreicht die Notwendigkeit, diesem Thema Aufmerksamkeit zu schenken“, so Leal.

„Die Studie konzentriert sich auf die negativen Gesundheitsbelastungen des Plastiklebenszyklus. Positive Auswirkungen, beispielsweise durch medizinische Anwendungen oder die Lebensmittelhygiene, werden in der Modellierung und der Berechnung der DALY nicht berücksichtigt", berchtet Leal. Die Analyse bewerte die reinen Gesundheitskosten, sei aber keine Nutzen-Kosten-Abwägung.

Deeney, M. et al: “Global health burdens of plastics: a lifecycle assessment model from 2016 to 2040” published on January 26, 2026 in The Lancet Planetary Health. DOI: 10.1016/j.lanplh.2025.101406.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.