Spanische Fliegen gegen Zahnschmerzen
September 1806: Preußen muss sich gegen Napoleon wehren. Königin Luise (1776–1810) schreibt in dieser schwierigen Zeit an ihre Schwester Friederike: „Nun fühle ich mich hundeelend, ich habe schreckliche Kopfschmerzen, Reißen im Kopf, vermischt mit Zahnschmerzen."
Die durch ihren frühen Tod und den Kampf gegen Napoleon später zur „preußischen Madonna“ verklärte Luise und ihr Gemahl Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) hatten immer wieder mit Zahnproblemen zu tun. Bereits vor der Hochzeit schrieb Luise im November 1793 an den damaligen Kronprinzen: „Da ich Ihre häßliche Gewohnheit kenne, immerfort Zahnschmerzen zu haben, infolge von Nässe oder Kälte, fürchte ich jeden Tag zu hören, daß mein Prinz Zahnschmerzen oder gar eine geschwollene Backe mit Flußfieber hätte."
Vitrinenaussstellung zum 250. Geburtstag
Zum 250. Geburtstag von Luise zeigt die Regionalbibliothek Neubrandenburg eine Vitrinenaussstellung mit Werken zum Leben der Königin aus dem Sammlungsbestand. Die Bücher kann man bis zum 27. März zu den Öffnungszeiten (Mo + Mi von 13 bis 18 Uhr, Di, Do + Fr von 10 bis 18 Uhr und Sa von 10 bis 14 Uhr) einsehen.
Die Regionalbibliothek Neubrandenburg liegt am Marktplatz 1 in 17033 Neubrandenburg.
Wie es damals Mode war, ließ sie sich ein Cantharidenpflaster hinter das Ohr legen, das gegen Schmerzen und Entzündungen helfen sollte: die sogenannte Spanische Fliege.
Eine Fliege, die eigentlich ein Käfer und hochgiftig ist
Die Spanische Fliege (Lytta vesicatoria), die eigentlich ein Käfer ist, wurde im 18. Jahrhundert aufgrund ihres Giftstoffs Cantharidin auch bei Zahnschmerzen als Heilmittel eingesetzt. Cantharidin wirkt stark hautreizend und blasenziehend. Cantharides – der pulverisierte Käfer – wurde äußerlich angewendet, um Entzündungen „herauszuziehen“. Dies geschah meist durch das Auftragen von Mitteln auf die Haut im Bereich des Kiefers oder hinter dem Ohr, um eine Blasenbildung zu erzeugen, die als entlastend für den entzündeten Zahn wahrgenommen wurde.
Doch die Anwendung war riskant: Cantharidin ist hochgiftig. Es löst schwere Blasenbildungen auf Schleimhäuten und Haut aus. Eine zu hohe Dosierung führte oft zu Vergiftungen, mit Erbrechen von Blut, Nierenschäden und Schmerzen im Mund- und Rachenraum.
Friedrich Wilhelm wurde ebenfalls von Zahnbeschwerden geplagt, die ihn an der Erfüllung seiner monarchischen Pflichten hinderten: Nach dem Sieg über Napoleon gab sich der König, so steht es in den Aufzeichnungen, „reserviert und wenig mitteilsam, wirkte kalt und gehemmt, und außerdem plagten ihn Zahnschmerzen“.
Zum Zähnemachen nach Paris?
In der Folge wurde der König mehrfach von Louis XVIII. nach Paris eingeladen. Dabei hat er sich nachweislich auch Zahnbehandlungen unterzogen, wie es uns der Schriftsteller Max von Boehm (1860–1932) in „Deutschland von 1815 bis 1847“ überliefert hat: „Friedrich Wilhelm III. reiste nach Paris, um sich die Zähne in Ordnung bringen zu lassen.“
Ob ihn der Zahnarzt von Louis XVIII., Jean-Joseph Dubois-Foucou (1747–1830) versorgt hat? Wir wissen es nicht. Fest steht: Dubois-Foucou hatte bereits die Bourbonenkönige vor der Revolution behandelt und auch Kaiser Napoleon I.
Über die Zahnbehandlungen des Königs im heimischen Preußen schreibt der zweite Leibarzt der königlichen Familie, Johann Wilhelm von Wiebel, in seinem Tagebuch 1818, dass bei Friedrich Wilhelm eine zahnerhaltende Behandlung durchgeführt wurde, „die mit einer Plombierung ganz mit Gold belegt endet".
Mundwasser zur Prophylaxe
Sowohl Luise als auch ihr Gemahl betrieben nachweislich Prophylaxe. Einige Utensilien sind bis heute erhalten. So werden im Köpenicker Schloss Zahnbürsten und Dosen mit Zahnpulver der Königin aufbewahrt. Ein Mahagonikasten enthält daneben auch eine Bartbürste und drei Rasiermesser. Neben dem Gebrauch verschieden geformter Zahnbürsten soll Luise nach dem Aufwachen stets Mundwasser zur Reinigung benutzt haben.
Bei ihrem Bittgang am 6. Juli 1807 zum siegreichen Napoleon kann sie zwar keine milderen Friedensbedingungen für Preußen aushandeln. Trotzdem geht sie als mutige Frau in die Geschichte ein, die dem Korsen mit Charme begegnet. Am 23. Dezember 1809 wird die Königsfamilie in Berlin mit Jubel begrüßt Ein Jahr später ist Luise tot.
Königin Luise von Preußen, 1776 in Hannover geboren, starb am 19. Juli 1810 in den Armen ihres Mannes im Schloss Hohenzieritz, der Sommerresidenz ihres Vaters. Ihr Leben endete durch eine Lungenentzündung.





