Eröffnung Healthy Athletes

Special Olympics-Gesundheitsprogramm in Berlin eröffnet

Susanne Theisen
Gesellschaft
Am Sonntag war der offizielle Start für das Special Olympics-Gesundheitsprogramm Healthy Athletes. Neben Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach war auch BZÄK-Präsident Christoph Benz bei der Eröffnung dabei.

„Wir freuen uns auf ein buntes, lautes, fröhliches Sportfest in Berlin“, sagte Karl Lauterbach in seinem Grußwort und adressierte dann die Sportlerinnen und Sportler. „Wir möchten, dass Sie nicht nur durch Ihren Sport aufblühen, sondern dass Sie auch gesund sind. Viele von Ihnen sind gesundheitlich nicht da, wo sie sein sollten.“ Man schulde Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen in Sachen Gesundheitsversorgung mehr, als man ihnen gebe. Healthy Athletes bezeichnete Lauterbach in diesem Zusammenhang als ein „vorbildliches Programm“.

Ein einzigartiger Datenschatz

Maria Shriver, Tochter der Special Olympics-Gründerin Eunice Kennedy Shriver, betonte, dass im Rahmen von Healthy Athletes einzigartige Daten über die Gesundheit von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen aus der ganzen Welt gesammelt würden und mahnte dann: „Lassen Sie uns nicht vergessen, dass hinter jedem dieser Datenpunkte ein Mensch steht. Ein Mensch, der nicht richtig hören oder sehen kann, ein Mensch, der vielleicht Schmerzen hat – weil er oder sie hier bei Healthy Athletes zum ersten Mal einen Arzt oder eine Ärztin gesprochen hat.“

Benz: Versorgung muss noch besser werden

Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), sagte bei einer kurzen Diskussionsrunde auf dem Podium: „Die besonderen Belange von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen finden schon an einigen zahnmedizinischen Hochschulen in Deutschland besseren Eingang in die Lehre. Aber es darf nicht bei diesen Leuchtturmprojekten bleiben. Das Thema braucht noch mehr Beachtung.“ Er fügte hinzu, dass man in der Gruppe der Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen nicht jede Erkrankung durch Prävention verhindern könne. Oft sei eine Behandlung unter Narkose notwendig. „Hier braucht es bessere Konzepte für die Finanzierung“, forderte Benz.

Schon in einem Statement der BZÄK anlässlich der Eröffnung der Special Olympics World Games hieß es: „Wir müssen politisch immer wieder offensiv auf eine angemessene zahnmedizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen. Insbesondere für Menschen mit Behinderung ist ein barrierefreier Zugang zur Gesundheitsversorgung wichtig – die UN-Behindertenrechtskonvention muss endlich auch in Deutschland umgesetzt werden!“

Den Worten müssen auch Taten folgen

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, sagte: „Wir dürfen nicht nur darüber reden, dass den Belangen von Menschen mit Lernbeeinträchtigungen nicht ausreichend Rechnung getragen wird. Der im Koalitionsvertrag angekündigte Aktionsplan für ein diverses, inklusives und barrierefreies Gesundheitswesen muss nun ohne weitere Verzögerungen nach vorne gebracht werden. Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die eine Lernbeeinträchtigung haben, zahlen in die GKV ein. Deshalb haben sie jedes Recht, dafür etwas zu bekommen.“

Healthy Athletes ist ein Tor zur Gesundheitsversorgung

Weltweit haben 200 Millionen Menschen mit Beeinträchtigung keinen Zugang zu normaler medizinischer Versorgung. Das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes, das im CityCube auf dem Berliner Messegelände untergebracht ist, bietet den teilnehmenden SportlerInnen die Möglichkeit, eine kostenlose medizinische Untersuchung und Beratung in insgesamt sieben medizinischen Bereichen zu erhalten. Auch die Zahnmedizin ist vertreten.

Ehrenamtliche medizinische Fachkräfte bieten Hör- und Sehtests an, beseitigen orthopädische Probleme, bewerten anhand spielerischer Übungen den Allgemeinzustand der Teilnehmenden und geben Tipps für Mundhygiene, Ernährung und Lebensführung. Viele erhalten zum ersten Mal im Leben passende Schuhe, die richtige Brille oder ein Hörgerät. Das Angebot wird gut angenommen: Bei den Weltspielen in Abu Dhabi im Jahr 2019 fanden laut Special Olympics mehr als 23.350 Untersuchungen statt und es wurden 7.000 Paar Schuhe ausgegeben.

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