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Rückkehrdebatte

Syrerinnen und Syrer würden auch in den Zahnarztpraxen fehlen

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Praxis
Rund 950.000 Syrerinnen und Syrer leben in Deutschland. Was wären die Folgen einer großangelegten Rückkehraktion syrischer Staatsangehöriger für den deutschen Arbeitsmarkt – und insbesondere für Zahnarztpraxen?

80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer sollen in ihre Heimat zurückkehren – so zitierte Friedrich Merz den „Wunsch“ des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa.

Insgesamt 950.000 Syrerinnen und Syrer – ohne deutschen Pass – leben in Deutschland. Von ihnen waren im August 2025 laut Bundesagentur für Arbeit (BA) gut 260.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Tendenz steigend. Hinzu kommen die rund 250.000 Syrer, die sich seit 2016 haben einbürgern lassen und in der BA-Statistik als Deutsche geführt werden.

80.000 Syrerinnen und Syrer sind in Engpassberufen tätig

Welche Folgen mehr als ein Jahrzehnt nach der großen Fluchtwelle eine Rückkehr dieser Dimension für den deutschen Arbeitsmarkt hätte, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) analysiert: So arbeiten bei uns allein 80.000 Syrerinnen und Syrer in Engpassberufen.

Davon 2.600 im ZFA-Beruf

Das bestätigt auch die BA-Statistik: Am stärksten präsent sind sie demzufolge in der Kfz-Branche (4.200/ 3,2 Prozent), als Bus- oder Straßenbahnfahrer (3.600/ 2,8 Prozent), in Pflegeberufen, (3.200/ 2,4 Prozent), als Berufskraftfahrerinnen/-fahrer (3.100/ 2,4 Prozent) sowie als  Zahnmedizinische Fachangestellte (2.600/ 2,0 Prozent). Außerdem sind sie stark, im Gastgewerbe vertreten. 

Wie das IW weiter ausführt, sind etwa die Hälfte der syrischen Beschäftigten Fachkräfte, gut zehn Prozent sogar auf Spezialisten- oder Expertenniveau tätig. Außerdem gibt es dem IW zufolge etwa 21.000 Syrerinnen und Syrer, die hier studieren, und knapp 7.000, die eine Berufsausbildung absolvieren – „darunter ebenfalls viele in Engpassberufen wie Zahnmedizin, Sanitär- und Heizungstechnik sowie Bauelektrik“.

Über 1.000 syrische Zahnärztinnen und Zahnärzte gingen verloren

Stand Ende 2024 arbeiteten laut der Mitgliederstatistiken der Landeskammern insgesamt 1.056 tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland, die (auch) die syrische Staatsbürgerschaft haben.

Das Durchschnittsalter der syrischen Bevölkerung in Deutschland liegt laut Mediendienst Integration bei etwa 27 Jahren. Rund ein Drittel – 328.400 Personen – ist minderjährig. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines erwarteten Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials ist diese Gruppe ein erhebliches Reservoir für den Arbeitsmarkt“, betont das IW.

Über die reguläre Erwerbszuwanderung kamen 2024 nach Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge nur 54.590 Personen aus Drittstaaten außerhalb der EU nach Deutschland – aus Sicht des IW bei Weitem nicht genug, um den Renteneintritt der Babyboomer auszugleichen: „Allein in dieser Legislatur gehen 5,1 Millionen Babyboomer in Rente, aber nur zwei Millionen kommen nach.“

Gut integrierte syrische Menschen sollten hier bleiben dürfen

Das Fazit der IW-Ökonomen: „Eine pauschale Rückkehrforderung wird der Komplexität der Integration der Syrer nicht gerecht und birgt das Risiko, dass auch Qualifizierte und gut integrierte Personen freiwillig abwandern. Statt die Integration generell infrage zu stellen, sollte die Politik die Interessen Syriens beim Wiederaufbau mit den Bleibewünschen gut integrierter Menschen in Deutschland austarieren.“

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