Vertrauen in Wissenschaft geht eher zurück
Der „Wellcome Global Monitor 2026“ versucht die Frage zu beantworten, wie Menschen über Wissenschaft denken und welche Empfindungen sie dazu haben. Vorgestellt wurde er am 11. Oktober auf dem World Health Summit in Berlin. Das Ergebnis: In den Ländern, in denen alle drei Wellen der Studie in den Jahren 2018, 2020 und 2025 durchgeführt wurden, sank der Anteil der Menschen, die zumindest ein gewisses Vertrauen in die Wissenschaft zeigten, von 77 Prozent im Jahr 2018 auf 72 Prozent im Jahr 2025. Während der COVID-Pandemie im Jahr 2020 lag der Wert bei 80 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen dabei deutliche Unterschiede zwischen Ländern und demografischen Gruppen. Die stärksten Rückgänge treten bei Menschen auf, die das Gefühl haben, finanziell zu kämpfen. Im Jahr 2025 berichteten Menschen, die das Gefühl hatten, komfortabel zu leben, fast doppelt so häufig von „viel“ Vertrauen in die Wissenschaft (39 Prozent) gegenüber denjenigen, die das Gefühl hatten, nur schwer zurechtzukommen (20 Prozent), schreiben die Forschenden.
Der Wellcome-Trust ist eine 1936 gegründete, gemeinnützige Medizin- und Gesundheitsforschungsstiftung mit Sitz in London. Erklärtes Ziel ist die „Forschung zu fördern, um die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern“. Die Stiftung ist nach der Bill and Melinda Gates Foundation die weltweit zweitreichste Stiftung. Der „Wellcome Global Monitor“ ist nach eigenen Angaben die weltweit größte internationale Studie über die Einstellungen der Bevölkerung zu Wissenschaft und Gesundheit. 2027 soll eine neue qualitative Erhebungsphase starten, deren Ergebnisse im im darauffolgenden Herbst veröffentlicht werden. Dann wird es um die Erfahrungen hinter den Daten in ausgewählten Ländern und die Frage gehen, warum Vertrauen sich verändert und wie der lokale Kontext das Vertrauen prägt.
Zu verstehen, wo und warum Vertrauen unter Druck steht, sei wichtig, „weil es beeinflusst, wie Menschen mit Wissenschaft interagieren und davon profitieren“, schreiben die Verantwortlichen. Der auf dem Weltgesundheitsgipfel vorgestellte Monitor biete hierzu eine globale Evidenzbasis, die Forschern, Entscheidungsträgern und Kommunikatoren dabei helfen soll, „zu erkennen, wo ein tieferes lokales Verständnis benötigt wird“.
Ausgewählte Ergebnisse:
Der weltweite Vertrauensrückgang ist nicht einheitlich. In fünf Regionen ist das Vertrauen niedriger als im Jahr 2018; in sieben Regionen ist sie fast auf das Niveau von 2018 zurückgekehrt und in zwei Regionen hat es zugenommen.
In Westasien, Zentralasien und einigen Teilen Afrikas zum Beispiel sank das Vertrauen in allen drei Wellen des „Wellcome Global Monitor“, anstatt auf den Anstieg und den anschließenden Rückgang während der Pandemiezeit zu folgen, der anderswo zu beobachten war.
Länderspezifische Trends können selbst innerhalb derselben Region stark auseinandergehen. In Südamerika gaben 74 Prozent der Menschen in Brasilien im Jahr 2025 zumindest ein gewisses Vertrauen in die Wissenschaft an, gegenüber 64 Prozent im Jahr 2018. In Chile hingegen entwickelten sich die Werte umgekehrt: 2025 lag die entsprechende Zahl bei 63 Prozent, gegenüber 75 Prozent im Jahr 2018.
Immerhin: Das Vertrauen in Wissenschaftler übertrifft weiterhin das Vertrauen in Regierung und Journalisten, ist aber auch volatiler geworden. Der Anteil der Menschen, die von „viel“ Vertrauen in Wissenschaftler berichteten, stieg von 34 Prozent im Jahr 2018 auf 43 Prozent während der Pandemie 2020, bevor er 2025 auf 32 Prozent sank – ein deutlicherer Trend als bei anderen gemessenen Institutionen.
Vertrauen in die Wissenschaft ist eng mit dem Vertrauen in Gesundheitssysteme verbunden. Weltweit berichteten 26 Prozent der Menschen von „großem“ Vertrauen in die Wissenschaft – bei denjenigen, die „viel“ Vertrauen in die Krankenhäuser und Gesundheitskliniken ihres Landes haben, liegt der Wert bei 43 Prozent.
„Das öffentliche Vertrauen bestimmt, ob wissenschaftliche Fortschritte einen bedeutenden Unterschied im Leben der Menschen machen können“, sagt John-Arne Røttingen, Chef von Wellcome. „Da die Welt immer größeren Herausforderungen gegenübersteht – von Infektionskrankheiten über Klimawandel bis hin zu psychischer Gesundheit – hat die Wissenschaft das Potenzial, eine gesündere Zukunft zu gestalten – aber nur, wenn die Menschen darauf vertrauen, dass sie eine Kraft für das Gute ist. Der Wellcome Global Monitor zeigt uns, dass wir dieses Vertrauen nicht als selbstverständlich ansehen können.“
Zugang zur Gesundheitsversorgung spielt eine große Rolle
Vertrauen in die Wissenschaft ist eng mit der breiteren Erfahrung der Menschen mit den Systemen und Institutionen um sie herum verbunden. Der Bericht stellt fest, dass das Vertrauensniveau mit Faktoren wie dem Vertrauen in öffentliche Einrichtungen, dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie der finanziellen Sicherheit der Menschen korreliert.
Die Vertrauenslücke zwischen denen, die sich finanziell sicher fühlen, und denen, die es nicht tun, habe sich seit der Pandemie vergrößert. Unter den Menschen, die das Gefühl hatten, finanzielle Schwierigkeiten zu haben, sank der Anteil von „viel“ Vertrauen in die Wissenschaft zwischen 2020 und 2025 um 16 Prozentpunkte. Unter denen, die das Gefühl hatten, bequem zu leben, fiel der Wert hingegen nur um 10 Prozentpunkte.
Diese Ergebnisse zeigen laut den Forschenden aber nicht, dass ein einzelner Faktor das Vertrauen beeinflusst. Es hängt auch damit zusammen, ob Menschen das Gefühl haben, dass Wissenschaft und die umgebenden Systeme zugänglich, relevant und in ihrem Sinne arbeiten.
Wissenschaft muss der gesamten Gesellschaft Vorteile bringen
„Der Wellcome Global Monitor zeigt, dass Vertrauen in die Wissenschaft nicht isoliert existiert. Menschen vertrauen der Wissenschaft eher, wenn Institutionen für sie arbeiten, Gesundheitsversorgung zugänglich ist und Wissenschaft für ihr Leben relevant ist. Vertrauen aufzubauen bedeutet, die Erfahrungen, Werte und Anliegen der Menschen zu schätzen und sicherzustellen, dass die Vorteile der Wissenschaft in der gesamten Gesellschaft geteilt werden“, sagt Mark Henderson, Direktor für Unternehmensangelegenheiten und Engagement bei Wellcome.


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