Umfrage des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb)

Viele Lebensmittelkonzerne verzichten freiwillig auf Titandioxid

von mg/pm
Gesellschaft

Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keinen Anlass für Bedenken

Die Umfrage des rbb-Verbrauchermagazins ergab aber auch, dass andere Hersteller, darunter Storck, Reinhardt und Dekoback, an dem Zusatzstoff festhalten. Sie verwiesen auf die extrem geringe Menge E 171 in einzelnen Produkten und die Datenlage. Solange der Stoff in Deutschland nicht verboten ist, sehe man keinen Grund die Rezepturen zu verändern. Man beobachte den Gesetzgeber, teilen sie mit.

Nachfragen des rbb-Verbrauchermagazins beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergaben, dass man dort keinen Anlass für ein Verbot sehe. Lebensmitteltoxikologe Dr. Rainer Gürtler erklärte: "Aus Sicht des BfR kann man sagen, dass die Datenlage zu Titandioxid nicht ganz optimal ist. Da gibt es noch gewissen Forschungsbedarf. Aber die Daten, die bisher verfügbar sind, geben auch keinen Anlass für gesundheitliche Bedenken."

BUND hält E171 für Auslöser entzündlicher Reaktionen im Darm

Rolf Buschmann, Umweltexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, hält den Farbstoff dagegen für unnötig und für bedenklich. "Titandioxid und andere Nanomaterialien, die über die Nahrung aufgenommen werden, können im Magendarmbereich, das ist in Tierversuchen so nachgewiesen worden, entzündliche Reaktionen hervorrufen. Demzufolge sind Patienten oder Personen die vielleicht schon eine entzündliche Magendarmerkrankung haben, zum Beispiel Morbus Crohn, besonders gefährdet, weil ihre entzündlichen Reaktionen im Magendarm durch diese Materialien noch zusätzlich verstärkt werden können."

Die Industrie wehrt sich jedoch gegen ein Verbot. Aktuell ist Titandioxid Bestandteil von Farben, Lacken, Kosmetika wie Sonnencreme und Zahnpasta, Lebensmitteln aber auch Kunststoffen, Gummi und Papier. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie aus dem Jahr 2018 ist Deutschland weltweit das drittgrößte Produktionsland von Titandioxid, nach den USA und China. Die Produktion hierzulande beträgt 480.000 Tonnen – pro Jahr.

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