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Bundesinstitut für Risikobewertung zu E-Zigaretten

Warnung vor Kühlstoffen in Liquids

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Medizin
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat neun Kühlstoffe in den Liquids von E-Zigaretten auf ihre gesundheitliche Auswirkung bewertet. Die Experten warnen vor allem vor Schäden an Leber und Nieren.

Kühlstoffe werden den Liquids von E-Zigaretten beigemischt, um ein kühlendes und erfrischendes Mund- und Rachengefühl und damit ein angenehmes Dampfempfinden zu erzeugen. Viele Kühlstoffe sind geruchlos und geschmacksneutral, andere wie Menthol oder Eukalyptol werden mit einem charakteristischen Geruch und Geschmack verbunden.

Besonders Hardcore-Dampfer nehmen die Stoffe hochdosiert auf

Wie das BfR ausführt, erfolgt die Exposition gegenüber Kühlstoffen beim Dampfen primär inhalativ über die Atemwege. Zu der Übertragungseffizienz dieser Substanzen vom E-Liquid in das Aerosol stünden aber kaum Daten zur Verfügung. Allerdings sei beispielsweise für Menthon eine Übertragung von über 99 Prozent und für Menthol von über 86 Prozent berichtet worden. „Je nach Konzentration im Liquid, Nutzungsverhalten und Gerätetyp können Anwender diesen Stoffen wiederholt und teils hochdosiert ausgesetzt sein“, schreiben die Fachleute. „Besonders bei Vielnutzern mit hoher Konsumfrequenz kann eine signifikante systemische Aufnahme nicht ausgeschlossen werden.“

Was bewirken Kühlstoffe?

Kühlstoffe bilden eine heterogene Gruppe chemischer Substanzen, die in E-Zigaretten und Nachfüllflüssigkeiten eingesetzt werden, um ein kühlendes, erfrischendes Mund- und Rachengefühl zu erzeugen. Anders als Menthol, das oft mit einem charakteristischen Geruch und Geschmack verbunden ist, sind viele Kühlstoffe geruchlos und geschmacksneutral. Dadurch ermöglichen sie eine sensorische Kühlung ohne Einfluss auf das Aroma des Produkts. Chemisch handelt es sich häufig um substituierte Amid-, Ester- oder Monoterpenderivate, die synthetisch oder semisynthetisch hergestellt werden. Ein wesentliches gemeinsames Merkmal dieser Stoffe ist ihre Wirkung auf den TRPM8 (Transient Receptor Potential Melastatin 8)-Ionenkanal, einen Kälterezeptor, der in sensorischen Neuronen exprimiert wird. Durch Aktivierung dieses Rezeptors vermitteln diese Stoffe ein subjektives Kälteempfinden, unabhängig von einer tatsächlichen Temperaturveränderung.

BfR

Im Fokus seiner neuesten Stellungnahme untersuchte das BfR diese neun Kühlstoffe: Isopulegol / Coolact P, Menthylacetat, L-Menthyllactat, Menthol, Coolact 10, Menthon, Frescolat MGA, Eucalyptol und WS-12. Sie werden dem BfR zufolge bereits in verschiedenen Produkten eingesetzt.

Insgesamt identifizierten die Forschenden für die Risikobewertung in einer umfassenden bibliografischen Literaturrecherche 5.144 Veröffentlichungen, die in Bezug zur Verwendung sogenannter Cooling Agents in E-Zigaretten und Nachfüllflüssigkeiten stehen. Am Ende wurden 63 Veröffentlichungen ausgewählt, die als relevant betrachtet wurden.

Da aber kaum Daten zur gesundheitlichen Wirkungen der Substanzen bei Aufnahme über die Atmung vorliegen, nutzte das BfR Daten aus veröffentlichten Studien zur oralen Aufnahme der Stoffe an Tieren (Ratten oder Mäusen). Für einige Kühlstoffe, für die keine Daten verfügbar waren, wurden Studiendaten von strukturähnlichen Stoffen verwendet. Dabei wurden Daten ähnlicher Substanzen herangezogen.

Bei den meisten Kühlstoffen besteht ein langfristiges Gesundheitsrisiko

Im Ergebnis sei bei mittlerem und hohem E-Zigarettenkonsum bei den meisten vom BfR bewerteten Kühlstoffen ein langfristiges Gesundheitsrisiko möglich – allen gemein ist, dass sie besonders die Leber und Nieren nachhaltig schädigen können. Das BfR rät von der Verwendung dieser Kühlstoffe in E-Liquids ab, da die toxikologischen Sicherheitsabstände (Margin of Exposure, MOE) bei den meisten Stoffen bereits bei mittleren Konsum unterschritten werden: „Die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beeinträchtigungen für die Allgemeinbevölkerung ist beim Dampfen von E-Zigaretten mit kühlenden Substanzen gegeben, im Besonderen bei mittlerem und starkem Konsum“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Qualität der Daten sei allerdings niedrig. Laut BfR fehlen vor allem Daten dazu, wie die Stoffe wirken, wenn sie eingeatmet werden. Im Besonderen zur Wirkung auf die Lunge sei derzeit keine Aussage möglich. Das BfR stützt sich daher bei seiner Risikobewertung auf Daten zur oralen Aufnahme. „Inwieweit hierdurch das Risiko der Aufnahme von Kühlstoffen über E-Zigaretten möglicherweise unter- oder überschätzt wurde, ist nicht zu sagen“, bilanzieren die Wissenschaftler. Sie sehen daher dringenden Forschungsbedarf, wenn Kühlstoffe weiterhin genutzt werden.

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