Werbung für Nahrungsergänzungsmittel auf Social Media kaum kontrolliert
Für die Untersuchung befragte foodwatch rund 400 Lebensmittelüberwachungsämter in Deutschland zu ihren Kontrollen in den Jahren 2024 und 2025. Von 309 antwortenden Behörden erklärten 284, Social-Media-Werbung nicht regelmäßig zu prüfen. 80 Ämter gaben an, lediglich anlassbezogen tätig zu werden, etwa nach Hinweisen oder Beschwerden. Eine systematische Überwachung findet nach Angaben der Organisation damit kaum statt. Als Gründe nannten Behörden unter anderem Personalmangel oder fehlende technische Ressourcen.
Parallel analysierte foodwatch Instagram-Beiträge von 189 Fitness- und Gesundheitsinfluencerinnen und -influencern über einen Zeitraum von 23 Tagen im Januar 2026. Insgesamt wurden dabei 560 Werbeaussagen zu Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln mit Gesundheitsversprechen identifiziert. Nach Einschätzung der Organisation waren 550 davon – also rund 98 Prozent – unzulässig, etwa weil sie gegen die europäische Health-Claims-Verordnung verstoßen.
Influencer bewerben Produkte, die Depressionen heilen und Krebs besiegen
Teilweise machten Influencerinnen und Influencer weitreichende Aussagen über angebliche Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln. So wurden Produkte unter anderem mit Versprechen beworben, sie könnten Krebs oder Depressionen heilen, Stress reduzieren oder sogar Folgen einer Corona-Impfung „entfernen“. Solche Heilungs- oder Krankheitsversprechen sind für Lebensmittel grundsätzlich verboten.
Die Verbraucherorganisation warnt, dass irreführende Gesundheitswerbung nicht nur ein finanzielles Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher darstelle, sondern auch gesundheitliche Gefahren bergen könne – etwa durch Überdosierungen, mögliche Nebenwirkungen von Inhaltsstoffen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten.
„Bei der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel herrscht in den sozialen Medien Wildwest-Atmosphäre – doch der Sheriff schaut weg. Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie auch im digitalen Raum wirksam kontrollieren kann.“
Dr. Rebekka Siegmann von foodwatch
Als Hauptproblem sieht foodwatch die kommunal organisierte Lebensmittelüberwachung in Deutschland. Viele Behörden seien bereits durch andere Aufgaben stark ausgelastet. foodwatch fordert deshalb, die Kontrolle des Online-Markts stärker auf Bundesebene zu bündeln und die zuständigen Stellen personell sowie technisch besser auszustatten.
Der foodwatch-Report 2025 „Zu #gesund um wahr zu sein“ zur irreführenden Werbung für Nahrungsergänzungsmittel ist auf der Webseite der Organisation verfügbar.






