KZV, Zahnärztekammer und Medizinischer Dienst

Westfalen-Lippe startet Kooperation für bessere Zahngesundheit im Alter

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Politik
Zum Wohle der Patientinnen und Patienten: In Westfalen-Lippe stärken KZV, Zahnärztekammer und Medizinischer Dienst (MD) die zahnärztliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen durch eine neue Kooperation.

Viele Menschen verlieren beim Übergang in die Pflegebedürftigkeit den Kontakt zur Zahnarztpraxis – häufig, weil sie keine Schmerzen haben oder der Zugang zu aufsuchender Versorgung unklar ist. Das Risiko: unbehandelte Entzündungen, schlecht sitzende Prothesen, Mangelernährung oder zahnmedizinisch bedingte Krankenhausaufenthalte.

Die Kooperation setzt beim Pflegegradverfahren an

„Wir müssen den Moment nutzen, wenn Pflege beginnt – nicht warten, bis der Schaden da ist“, sagt der KZV-Vorsitzende Dr. Holger Seib. „Unsere Kooperation mit dem Medizinischen Dienst setzt genau hier an: Beim Pflegegradverfahren, wo ein Impuls zum Zahnarztbesuch den entscheidenden Unterschied machen kann.“

Zahngesundheit wird strukturell in der Begutachtungspraxis verankert

Die neue Zusammenarbeit verankere die Zahngesundheit strukturell in der Begutachtungspraxis des MD: Pflegegutachterinnen und -gutachter sollen demzufolge gezielt Hinweise zu typischen zahnmedizinischen Problemen erhalten, um Pflegebedürftige und ihren Angehörigen bereits bei der Einstufung zur Wichtigkeit zahnärztlicher Versorgung sensibilisieren zu können. „Die neue Kooperation ergänzt bestehende Kooperationsverträge mit stationären Einrichtungen um einen wichtigen Baustein: die zahnärztliche Aktivierung bei Pflegebeginn“, heißt es in der gemeinsamen Meldung.

„Zahnmedizin ist kein nachgelagerter Service, sondern zentral für Lebensqualität und Teilhabe“, erklärt Zahnärztekammerpräsident Dr. Gordan Sistig. „Mit dieser Kooperation bringen wir unsere fachliche Expertise dorthin, wo Pflegebedürftige erreicht werden – auch in der häuslichen Versorgung.“

Pflegebedürftigkeit und zahnmedizinische Versorgung

Rund 4,9 Millionen Pflegebedürftige werden dem Statistischen Bundesamt zufolge in Deutschland zuhause versorgt – viele davon ohne geregelte zahnärztliche Betreuung. Laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) ist die Karieserfahrung bei 65- bis 74-Jährigen weiterhin hoch, schwere Parodontalerkrankungen haben rund 20 Prozent dieser Altersgruppe.

Rund 75  Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland leben demnach zuhause, viele sind noch mobil genug für einen Zahnarztbesuch, nehmen ihn jedoch nicht mehr wahr. „Genau hier wirkt das neue Modell: Ein einfacher Hinweis, verbunden mit Aufklärung und Motivation, reicht oft aus, um die zahnärztliche Versorgungskette wiederaufzunehmen“, betonen die Kooperationspartner.

„Wir schauen genau hin, welche Versorgung und Hilfe Pflegebedürftige benötigen und geben wichtige Tipps. Dabei betrachten unsere pflegefachlichen Gutachterinnen und Gutachter stets den ganzen Menschen in seiner speziellen Lebenswirklichkeit und geben Ratschläge zur Verbesserung. Die Mundgesundheit gehört für uns selbstverständlich dazu“, sagt der MD-Vorstandsvorsitzende Dr. Martin Rieger.

Die Partner sind überzeugt: „Wenn andere Regionen diesem Weg folgen, wird sich die zahnmedizinische Versorgung pflegebedürftiger Menschen bundesweit spürbar verbessern.“

Die Initiative wird unterstützt durch die gemeinsame zahnärztliche Servicestelle für Menschen mit Beeinträchtigungen der zahnärztlichen Körperschaften.

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