Wie hilfreich sind Emojis in der beruflichen Kommunikation?
Bei der persönlichen Interaktion spielen Mimik, Körpersprache und Tonfall eine entscheidende Rolle. In der schriftlichen Kommunikation gibt es diese nonverbalen Hinweise aber nicht. Können Emojis diese Lücke füllen?
Die Wissenschaftler ließen die Probanden (N = 243; 134 Männer, 109 Frauen) Chatnachrichten aus dem Arbeitsumfeld lesen, die sich im Tonfall und im Emoji-Gebrauch unterschieden. Die Instant Messages hatten verschiedene Botschaften und Inhalte (positiv, negativ, neutral), Emojis (positiv, negativ, kein Emoji), und auch der Absender variierte (Mann, Frau).
So wirken Emojis im Arbeitskontext
Nachrichten ohne Emojis kommen eindeutig am besten an, da der Absender ohne Schnickschnack offenbar kompetenter und professioneller wirkt.
Positive Emojis verstärken diesen Eindruck dann, wenn sie mit einer neutralen oder positiven Nachricht kombiniert werden.
Negative Emojis werden durchweg für unpassend in der Kommunikation am Arbeitsplatz gehalten und lassen den Absender weniger kompetent erscheinen, insbesondere wenn die Nachricht selbst positiv oder neutral war.
Dabei spielen Geschlechterdynamiken eine Rolle, da Frauen negative Botschaften von anderen Frauen strenger beurteilen als negative Botschaften von Männern und sie als weniger angemessen einstufen.
Sie fanden heraus, dass die Verwendung von Emojis nicht immer von Vorteil ist: Beispielsweise steigert das Hinzufügen eines positiven Emojis zu einem positiven Satz nicht die positive Botschaft.
Positive Emojis mildern außerdem weder schlechte Nachrichten noch Kritik ab – im Gegenteil, sie können in negativen Nachrichten den Eindruck von Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit erwecken. Widersprüchliche Signale beeinträchtigen demnach die Bereitschaft des Adressaten zur Zusammenarbeit und das berufliche Vertrauen.
Mit Emojis vertuscht man keine Fehler
Negative Emojis sollte man generell vermeiden, da sie die Kompetenz immer untergraben, selbst wenn ihre Bedeutung in einer angemessen formulierten Nachricht klar und verständlich ist.
„Diese Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, sich der potenziellen Wirkung von Emojis in der beruflichen Kommunikation bewusst zu sein“, schreibt Hauptautorin Erin L. Courtice von der School of Psychology der Faculty of Social Sciences an der Universität Ottawa.
Emojis wecken echte Gefühle
Eine aktuelle Studie der Bournemouth University belegt, dass das Betrachten von Emojis neuronale Reaktionsmuster hervorruft, die denen ähneln, die bei der Verarbeitung echter menschlicher Gesichtsausdrücke beteiligt sind. „Das legt nahe, dass Emojis nicht einfach nur spaßige Ergänzungen der digitalen Kommunikation sind, sondern vom Gehirn auf eine Weise verarbeitet werden können, die mit echten Gesichtsausdrücken vergleichbar ist. In diesem Sinne können Emojis während der Online-Interaktion als bedeutungsvolle emotionale Signale fungieren“, sagt Studienleiterin Madeline Molly Ely.
Die Quintessenz der Forscher: „Wenn du das nächste Mal ein Lächeln oder eine Handfläche in eine Nachricht einstreust, denk daran, dass das Gehirn sie ernst nimmt.“
Ely, M. M., C.Kelsey, and G. G.Ambrus. 2026. “Shared Neural Codes for Emotion Recognition in Emoji and Human Faces.” Psychophysiology63, no. 3: e70268. https://doi.org/10.1111/psyp.70268.
„Emojis sind nicht einfach nur neutrale Ergänzungen von Textnachrichten: Sie können beeinflussen, wie andere uns wahrnehmen, gerade im Hinblick auf Kompetenz und Angemessenheit. Indem man die Nuancen der Emoji-Nutzung versteht, kann man diese digitalen Werkzeuge nutzen, um die Kommunikation im Job zu verbessern und Beziehungen zu stärken.“
Erin L. Courtice, Megan Lawrence, Charles A. Collin, Isabelle Boutet; Emojis at Work: The Effects of Emoji Use on Perceptions of Competence and Appropriateness. Collabra: Psychology 5 January 2026; 12 (1): 147309. doi: https://doi.org/10.1525/collabra.147309


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