Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Analyse von Hirnbildgebungsdaten

Wieso lindern Placebos Schmerzen?

Placeboeffekte tragen besonders in der Schmerztherapie wesentlich zum Behandlungserfolg bei. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen könnte dabei helfen, gezieltere Therapie-Ansätze zu entwickeln. FocusFusion-stock.adobe.com
ck
Medizin
  •  
Es ist bekannt, dass Erwartungen Schmerzen lindern können. Unklar war bislang jedoch, ob die verschiedenen Methoden der Placeboinduktion auf denselben biologischen Mechanismen beruhen.

Forschende an der Universitätsmedizin Essen haben mit dem internationalen Placebo Imaging Consortium Bildgebungsdaten des Gehirns von 409 Probanden aus 16 Studien zur placeboinduzierten Schmerzlinderung analysiert.

Die Studie führte Daten auf Ebene einzelner Teilnehmer aus Laboren in Europa und Nordamerika zusammen. Durch diese gemeinsame Auswertung individueller Hirnbildgebungsdaten konnten die Forschenden Muster sichtbar machen, die in einzelnen Studien nicht zu erkennen sind.

So entsteht der Placeboeffekt

Placeboeffekte beruhen auf der Erwartung einer Person, dass ihre Schmerzen gelindert werden. Diese Erwartung kann auf zwei Arten ausgelöst werden: Einmal erhalten die Teilnehmenden verbale Informationen, die nahelegen, dass eine Behandlung die Schmerzen reduzieren wird. Oder es werden solche verbalen Suggestionen mit einer Konditionierung kombiniert, in der die Probanden während einer Lernphase unmittelbar eine Schmerzlinderung erfahren.

Frühere Arbeiten hatten bereits gezeigt, dass vorausgegangene Behandlungserfahrungen die Placeboanalgesie verstärken können. Offen blieb jedoch, ob dieser stärkere Effekt durch dieselben biologischen Mechanismen oder durch unterschiedliche neuronale Signalwege entsteht.

Um diese Frage zu beantworten, verglich das Team die Hirnreaktionen aus Studien, in denen entweder ausschließlich verbale Instruktionen oder verbale Instruktionen in Kombination mit einer unmittelbaren Erfahrung, also einer Konditionierung, eingesetzt worden waren.

Beide Ansätze aktivierten gemeinsame, mit Placeboeffekten verbundene Netzwerke. Beide Methoden erhöhten auch die Aktivität in Hirnregionen, die mit kognitiver Kontrolle und Aufmerksamkeit in Verbindung stehen, und verringerten gleichzeitig die Aktivität in Bereichen, die an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind.

Die Konditionierung aktivierte darüber hinaus Hirnsysteme, die mit der Repräsentation von Kontextinformationen und der Schmerzmodulation zusammenhängen. Zudem führte sie zu einer stärkeren Verringerung der Aktivität in sensorischen und insulären Regionen, die an der Verarbeitung schmerzhafter Reize beteiligt sind.

Sie ging außerdem mit einer stärkeren Veränderung etablierter Hirnmarker der nozizeptiven Schmerzverarbeitung einher.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine allein durch verbale Suggestion hervorgerufene Schmerzlinderung und eine durch Lernerfahrungen verstärkte Placeboanalgesie auf teilweise überlappenden, aber auch unterschiedlichen neuronalen Signalwegen beruhen. Placeboeffekte auf die Schmerzwahrnehmung gehen somit nicht nur auf einen einzigen neurobiologischen Mechanismus zurück.

„Unterschiedliche Methoden zur Erzeugung von Placeboeffekten hinterlassen jeweils charakteristische Spuren im Gehirn. Große kollaborative Datensätze ermöglichen es uns, diese Muster sichtbar zu machen“, sagt Prof. Tamas Spisak, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universitätsmedizin Essen.

„Dabei zeigte sich, dass Erfahrungen, die vorangegangene Suggestionen verstärken, eine entscheidende Rolle dabei spielen, Placeboeffekte besonders wirksam zu machen“, betont Prof. Tor D. Wager, Co-Leiter des Placebo Imaging Consortium in den USA.

Künftig könnte dieses Wissen dabei helfen, gezieltere Strategien zu entwickeln, um die körpereigenen schmerzlindernden Systeme von Patientinnen und Patienten zu unterstützen und Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Spisak, T., Hartmann, H., Zunhammer, M. et al. Meta-analytic evidence for distinct neural correlates of conditioned versus verbally induced placebo analgesia. Nat Commun 17, 6538 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-74743-0

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen