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Studie untersucht Kausalzusammenhänge

Zahnverlust korreliert bei älteren Erwachsenen signifikant mit Gewichtszunahme

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Zahnmedizin
Der Verlust posteriorer Okklusionspaare ist besonders nachteilig: Eine US-Studie belegt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Zahnfleischgesundheit, Zahnverlust und Gewichtszunahme bei älteren Erwachsenen.

Ziel war, den Zusammenhang zwischen Kaufunktion, Parodontalstatus und Gewichtsveränderungen bei älteren Erwachsenen zu untersuchen. Dabei stützt sich die Arbeit auf Daten der Health, Aging, and Body Composition Study (Health ABC) – einer interdisziplinäre Langzeitstudie, die der Frage nachging, ob Veränderungen der Körperwerte und des Gewichts sowie Verhaltensfaktoren zu funktionellen Einschränkungen und dem Verlust der Selbstständigkeit bei älteren Erwachsenen beitragen.

Zusammenhang zwischen Zähnen, Kaufähigkeit und Gewicht

Insgesamt 903 Probanden der ABC-Studie im Alter von 70 bis 79 Jahren wurden über einen Zeitraum von vier Jahren begleitet. Die Forschenden untersuchten den Zusammenhang zwischen Zahnverlust, Kaufunktion, Parodontalgesundheit und Gewichtsveränderungen. Die Mundgesundheitsuntersuchung wurde einmalig durchgeführt und umfasste eine vollständige parodontale Untersuchung sowie die Zählung der Zähne.

Voraussetzungen für die Teilnahme waren: keine Schwierigkeiten beim Zurücklegen einer Viertelmeile (etwa 400 Meter), beim Treppensteigen (zehn Stufen ohne Pause) oder bei der Ausführung alltäglicher Aktivitäten; keine lebensbedrohliche Erkrankung; keine Krebsbehandlung in den letzten drei Jahren; ein Alter zwischen 70 und 79 Jahren; und keine Absicht, innerhalb der nächsten drei Jahre aus der Studienregion (zwei Autostunden von den Studienzentren in Memphis und Pittsburgh) wegzuziehen.

Die parodontalen Messungen wurden von einem erfahrenen Parodontologen durchgeführt, während die Zählung der Zähne und die Beurteilung des Weich- und Hartgewebes von geprüften Dentalhygienikerinnen vorgenommen wurden. Die parodontale Sondierung erfolgte mit einer UNC-15-Sonde. Die Messungen wurden an sechs Stellen (mesiobukkal, bukkal, distobukkal, mesiolingual, lingual und distolingual) an allen vorhandenen Zähnen durchgeführt. Die Sondierungstiefe (PD) wurde vom Zahnfleischrand bis zum Taschenboden gemessen, und der klinische Attachmentverlust (CAL) als Abstand von der Schmelz-Zement-Grenze (CEJ) zum Zahnfleischrand berechnet, wobei subtrahiert wurde, wenn der Zahnfleischrand koronal zur CEJ lag, und addiert, wenn er apikal lag.

Während der vierjährigen Nachbeobachtung stellten die Wissenschaftler fest, dass 11,5 Prozent der Teilnehmenden mindestens um 5 Prozent ihres Körpergewichts zugelegt hatten. Diese Gewichtszunahme korrelierte signifikant mit einem geringeren Zahnbestand, einer reduzierten Kaufähigkeit und einem verstärkten Abbau von Knochen und Zahnfleisch – häufig ein Anzeichen für Parodontitis.

Das Fehlen von Backenzähnen ist besonders nachteilig

„Diese funktionellen Einschränkungen führen häufig zu Ernährungsumstellungen mit einem höheren Konsum weicherer und stärker verarbeiteter Lebensmittel, die reich an Fetten und raffinierten Kohlenhydraten, aber arm an Ballaststoffen und essenziellen Nährstoffen sind“, schreiben die Autorinnen und Autoren. „Langfristig begünstigt dieses Ernährungsmuster eine höhere Kalorienzufuhr und Gewichtszunahme, was mit dem in unserer Studie beobachteten Zusammenhang zwischen klinischem Attachmentverlust und erhöhtem Körpergewicht übereinstimmt.“

Dabei deuten die Ergebnisse den Forschenden zufolge darauf hin, dass der Verlust posteriorer Okklusionspaare, insbesondere der Molaren, eine wichtige Rolle bei Ernährungsanpassungen spielt, die zu einer erhöhten Kalorienzufuhr und damit zu einer Gewichtszunahme führen können: „Das Fehlen von Backenzähnen ist besonders nachteilig, da es zu größeren Nahrungspartikeln und mehr Kaubewegungen vor dem Schlucken führt.“

Jeder zusätzliche Zahn gehe indes mit einem geringeren Risiko für Gewichtszunahme einher. Auch jedes zusätzliche Molarenpaar auf der Okklusionsfläche reduziere das Risiko. „Darüber hinaus unterstreichen diese Befunde die zentrale Rolle der Seitenzähne und der Parodontalgesundheit für den Erhalt der Kaufunktion, die Förderung einer gesünderen Ernährung und die Prävention von übermäßiger Gewichtszunahme“, betonen die Wissenschaftler. Der Mundgesundheitsstatus stand hingegen in keinem Zusammenhang mit einer Gewichtsabnahme.

Jeder zusätzliche Zahn reduziert das Risiko für eine Zunahme

Zahnverlust kann den Autoren zufolge die Kaufähigkeit beeinträchtigen und dadurch die Lebensmittelauswahl einschränken. Betroffene greifen dann eher zu weicheren, kalorienreicheren Alternativen als zu gesunden, ballaststoffreichen Lebensmitteln. Die Studie ergab demnach, dass die Backenzähne – insbesondere die Paare, die beim Zubeißen aufeinandertreffen – eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung der für das Kauen notwendigen Kraft spielen. Backenzahnverlust aufgrund von Parodontitis könne erhebliche Auswirkungen auf Ernährung und Nährstoffversorgung haben. Ohne ausreichende Kaukraft falle es Betroffenen schwer, wichtige Lebensmittel für ein gesundes Gewicht wie Obst, Gemüse und mageres Eiweiß zu essen.

„Diese Ergebnisse tragen zu der wachsenden Erkenntnis bei, dass die Parodontalgesundheit eine wichtige Rolle für die allgemeine Gesundheit spielt, insbesondere im Alter“, sagte Dr. Ana Becil Giglio, Präsidentin der American Academy of Periodontology. „Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch fördern eine bessere Ernährung, gesunde Gewohnheiten und eine höhere Lebensqualität im Alter.“

Die Studie unterstreiche, wie wichtig es ist, Parodontitis frühzeitig vorzubeugen und zu behandeln, nicht nur um die Zähne zu erhalten, sondern auch um die Gesundheit langfristig zu fördern. Regelmäßige Zahnarztbesuche, gute Mundhygiene und rechtzeitige Parodontitisbehandlung könnten älteren Erwachsenen helfen, sowohl ihr Lächeln als auch ihr allgemeines Wohlbefinden zu bewahren.

Muñoz MS, Pola NM, Hilgert JB, et al. Functional tooth unit, periodontal status, and association with weight change in older adults. J Periodontol. 2026;1-12. https://doi.org/10.1002/jper.70100

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