Psychopharmaka am Arbeitsplatz

700.000 Deutsche dopen sich jeden Tag für den Job

Ohne Pillen regiert Angst den Tag – hunderttausende Arbeitnehmer in Deutschland greifen regelmäßig zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Vor allem ältere Berufstätige ab 60 nutzen Hirndoping.

Laut Studie dopen sich 1,8 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland, um fitter im Job zu sein. 71,5 Prozent der Beschäftigten zwischen 20 und 50 Jahren wissen um die vermeintlichen Möglichkeiten des Hirndopings zur Leistungssteigerung. AdobeStock_ Peter Hermes Furian

Wie die aktuelle DAK-Studie „Update: Doping am Arbeitsplatz“ zeigt, stagnieren die Zahlen zwar seit 2014, beunruhigend sind sie dennoch: Fast zwei Prozent der Arbeitnehmer sind betroffen. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass 700.000 Menschen ihre Arbeit nur bewältigen können, wenn sie sich von Pillen unterstützt fühlen.

Für die repräsentative DAK-Studie wurde untersucht, ob und wie Erwerbstätige ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen. Experten nennen das pharmakologisches Neuro-Enhancement und rechnen dazu Substanzen wie beispielsweise Methylphenidat oder Fluoxetin. Für die Untersuchung wurden mehr als 5.500 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt.

Hirndoping soll zu Leistungssteigerungen führen

Das Ergebnis: Regelmäßig dopen sich laut Studie rund 700.000 Berufstätige (1,8 Prozent) in Deutschland, um fitter für den Job zu sein. Damit ist Doping im Job heute annähernd so verbreitet wie im ebenfalls untersuchten Jahr 2014 (1,9 Prozent). 71,5 Prozent der Beschäftigten zwischen 20 und 50 Jahren wissen um die vermeintlichen Möglichkeiten des Hirndopings zur Leistungssteigerung.

2008 war Doping im Job noch weniger als jedem zweiten Berufstätigen dieser Altersgruppe (44,9 Prozent) bekannt. „Der Medikamentenmissbrauch ist kein Massenphänomen“, sagt Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit. „Dennoch zeigt unsere Analyse, wie wichtig gesunde Rahmenbedingungen im Job sind. Arbeitsanforderungen dürfen Mitarbeiter nicht dazu verleiten, bessere Ergebnisse mithilfe von Medikamenten erzielen zu wollen.“

Angst vor dem Versagen im Job 

Die Angst, im Job zu versagen scheint die Angst vor Abhängigkeit und Langzeitfolgen zu übertreffen. Professor Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und Wissenschaftlicher Leiter des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung, warnt: „Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen sind nicht selten."

Darüber hinaus seien mögliche Langzeitfolgen völlig unklar. "Gesünder dürfte es in jedem Fall sein, für seine psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit vorzusorgen, indem man seine eigene Resilienz stärkt. Wirksam sind dafür insbesondere die Förderung von sozialen Kontakten, Achtsamkeit, Umdenken und das aktive Herangehen an herausfordernde Situationen“, sagt Professor Lieb.

Gedopt wird auch für den Feierabend

Die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sich vom Einsatz der Medikamente versprechen, berufliche Ziele besser zu erreichen. Jeder Dritte erklärte, die Arbeit ginge mit den Medikamenten leichter von der Hand. Mehr als jeder vierte dopende Arbeitnehmer (27,1 Prozent) greift zur täglichen Pille, um auch nach der Arbeit noch Energie und gute Laune für private Aktivitäten zu haben.

Beim Blick auf die Geschlechter zeigen sich zum Teil Unterschiede bei den Gründen und Anlässen des Hirndopings: Jeder vierte dopende Mann glaubt, ohne die Medikamente häufig emotional nicht in der Lage zu sein, die Arbeit zu erledigen. Bei den dopenden Frauen ist es nur jede fünfte. Jeder fünfte Mann könnte ohne Doping im Beruf nicht mithalten. Bei den Frauen betrifft dies jede achte.

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