Studien zur Immunität

Bieten Immunantworten auf andere Coronaviren aktuellen Schutz?

Die Antwort auf die Frage, warum sich manche Menschen schwer und andere nur leicht mit dem neuartigen Coronavirus infizieren, könnte in der Teilimmunität liegen. Diese bildet sich durch eine Kreuzreaktivität mit herkömmlichen Coronaviren.

Können die gebildeten Immunantworten auf andere, herkömmliche Coronaviren eine Art Teilimmunität bilden und eine SARS-CoV-2-Infektion abschwächen? Dieser Frage geht unter anderem eine große Studie am der Charité nun nach. Adobe Stock_Photocreo Bednarek

Coronaviren sind dem Immunsystem vieler Menschen bereits lange bekannt. Sie lösen zum Beispiel die saisonalen Erkältungen aus, meist mit harmlosen Verläufen und milden Symptomen. Durch einen Infekt entsteht hier eine Immunantwort. Inwieweit diese auch vor dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 schützen kann, beschäftigt auch ein Forschungsprojekt an der Charité und der Technischen Universität (TU) Berlin.

Wissenschaftler gehen aufgrund der engen Verwandtschaft der Coronaviren von einer möglichen Teilimmunität aus. Ob diese dafür verantwortlich sein kann, dass manche Infektionsverläufe schwächer sind als andere, soll nun in der Studie festgestellt werden.

Immunsystem könnte verschärft auf das neue Virus reagieren

Die zentrale Frage dabei ist, ob eine Kreuzreaktivität auf die Viren die Teilimmunität entstehen lässt. Bei dem Erreger einer Virusinfektion reagiert das Immunsystem auf dessen spezifische Strukturen oder Proteine. Das löst die Immunreaktion aus. Durch den Prozess der Abwehr der Erreger bildet sich ein "immunologisches Gedächtnis". Bei fremden Viren, die jedoch zu einer Virenfamilie gehören läuft die Immunabwehr zwar langsamer ab, doch die Beschaffenheit des fremden Erregers wird zum Teil "erinnert" und eine Immunreaktion wird schneller und effizienter gebildet.

Bisher ist nicht klar, ob eine mögliche erworbene Teil-Immunität den Verlauf der Infektion mildert oder ob das alarmierte Immunsystem seine Reaktion verschärft und es zu vergleichsweise schweren Verläufen kommt. Erste Untersuchungen konnten feststellen, dass in Blutproben von Personen, die nachweislich keine COVID-19-Erkrankung hatten, über Zellen verfügen, die spezifisch mit Proteinen des SARS-CoV-2-Virus kreuzreagieren. Hier sehen die Forscher der Charité und TU Berlin den Ansatz für die Studie.

Charité sucht Probandinnen und Probanden

In der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geförderten Studie untersuchen die Forscher-Teams der Charité und der TU Berlin mit dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik (MPIMG) und dem Robert Koch-Institut (RKI), wie der Immunstatus der Bevölkerung gegenüber der Corona-Virenfamilie ist. Dafür werden aktuell Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Berliner und Brandenburger Raum gesucht, die bereit sind, eine Blutprobe abzugeben.

Patientinnen und Patienten, die nachweislich zu den COVID-19-Genesenen gehören und Interesse haben, bei der Studie mitzuwirken, werden gebeten, per E-Mail oder telefonisch Kontakt aufzunehmen. Melden können sich auch Menschen, die in den letzten Jahren nachweislich von Infektionen mit Erkältungs-Coronaviren (zum Beispiel: 229E, OC43, NL63 oder HKU1) betroffen waren. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass ein schriftliches Ergebnis des positiven Corona-Abstrichs oder aber des positiven Antikörper-Tests vorliegt.

Die Studienärztin ist per E-Mail an studie@si-m.org oder telefonisch montags bis freitags zwischen 10 und 17 Uhr unter Tel.: 030 / 314 279 12 zu erreichen.

Auch eine US-Studie beschäftigte sich mit der Kreuzreaktivität und einem daraus resultierenden möglichen Schutzfaktor. Ziel der Studie war es, die adaptive Immunität gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 zu verstehen, denn diese Erkenntnisse sind wesentlich für eine Impfstoff-Entwicklung. Für die Analyse wendeten die Forscher bioinformatische Methoden an, um die spezifischen Peptide des neuartigen Coronavirus zu identifizieren. Diese sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Ziele für die T-Zellen der Immunabwehr. Dafür wurden Proben von 20 genesenen COVID-19-Patienten ausgewertet und mit Proben einer Kontrollgruppe aus den Jahren 2015 bis 2018 verglichen.

70 Prozent der genesenen COVID-19-Patienten wiesen die SARS-CoV-2-spezifische T-Zellen CD8+ auf, 100 Prozent CD4+ T-Zellen. Bei der Kontrollgruppe wiesen immerhin rund 50 Prozent diese Immunabwehrzellen auf. Die T-Zell-Erkennung deutet auf eine Kreuzreaktivität zwischen normalen Erkältungs-Coronaviren und dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 hin, schlussfolgerten die Autoren.

Grifoni, A. et al. “Targets of T Cell Responses to SARS-CoV-2 Coronavirus in Humans with COVID-19 Disease and Unexposed Individuals.” Cell 181, no. 7 (June 2020): 1489-1501.e15. https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.05.015

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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