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Corona-News kompakt

+++ Deutlich weniger Facharztbesuche während der Corona-Epidemie +++ Ärzte weltweit verlangen Umweltschutz trotz Wirtschaftskrise +++ Drosten zum Superspreader-Event +++ Remdesivir hilft, Chloroquin nicht +++ was 20 Minuten weniger Social Media bewirken +++


Coronanews KW22

Umfrage des NDR zur Corona-Krise: In der Hochphase der Corona-Pandemie in Deutschland ist die Zahl der Facharzt-Besuche massiv zurückgegangen - bei Zahnärzte sogar um bis zu 80 Prozent. Das zeigt eine bundesweite Abfrage des NDR bei Berufsverbänden, KVen und KZVen. In der Abfrage äußerten Vertreter von Berufsverbänden, Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen gegenüber dem Sender die Sorge, der Ausfall von Terminen könne zu teils lebensbedrohlichen Verschlechterungen der Gesundheit der Patienten geführt haben.

Kardiologen und Onkologen meldeten zum Beispiel für ihre Patienten, die in der Regel zu einer Risikogruppe gehören, Rückgänge der Termine zwischen 30 und 50 Prozent. Der NDR hatte auch, wie er gegenüber den zm erläuterte, alle KZVen mit seinem Fragenkatalog angeschrieben und von fast allen Rückmeldung erhalten. Da die Abrechnung des letzten Quartals bisher teils noch aussteht, lagen zwar finale Zahlen noch nicht vor. Allerdings hatten viele KZVen ihre Mitglieder befragt oder erste vorliegende Zahlen ausgewertet.

Ergebnis der NDR-Umfrage: Zahnärzte verzeichnen teilweise sogar ein Minus von Patientenaufkommen von bis zu 80 Prozent. Bei vielen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen nahmen die Anfragen laut der NDR Umfrage um bis zu 50 Prozent ab. Besonders stark war der Rückgang Mitte März bis Anfang Mai, als viele den Gang zum Arzt aus Sorge über eine Corona-Infektion mieden. Alle Vereinigungen wiesen darauf hin, dass es sich bei den Zahlen nur um Schätzungen handele, bis das laufende Quartal abgerechnet sei.

Eine randomisierte internationale Studie mit deutscher Beteiligung belegt, dass die rechtzeitige Vergabe des Virostatikums Remdesivir die Krankheitsdauer um etwa um die Hälfte verkürzen kann. Zudem entstehen keine Nachteile für die behandelten Patienten. Diese erhielten zunächst 200 Milligramm des Wirkstoffs, in den folgenden Tagen 100 Milligramm und wurden nicht intubiert. Unklar bleibt bislang jedoch die Auswirkung auf die Sterblichkeit. In den USA und auch in Japan ist das Mittel bereits zugelassen. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat einer allgemeinen Genehmigung noch nicht zugestimmt, will aber in den kommenden Tagen eine bedingte Zulassung erteilen.

Gleichzeitig warnt die Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ) vor einer zu schnellen Zulassung des Wirkstoffs. Es liegen immer noch zu wenig Erkenntnisse aus klinischen Studien vor – besonders zu möglichen Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen nach einer Behandlung eines schweren COVID-19-Verlaufs.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will künftig auch SARS-CoV-2-Tests als Kassenleistung für Menschen erlauben, die noch keine Symptome haben. Dies soll aber nach klaren Regeln geschehen: Die Tests müssen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst angeordnet werden, getestet werden können Kontaktpersonen von Infizierten oder alle Personen in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Lebensmittelunternehmen, gastronomischen Einrichtungen und Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Schulen oder Kitas), wenn dort COVID-19-Fälle aufgetreten sind.

Die neue Regelung gilt rückwirkend zum 14. Mai. Die Laborkosten von 52,50 Euro pro Test werden unabhängig von der Versicherung übernommen. Die Leistungen werden aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds bestritten. Insgesamt erwartet das Bundesgesundheitsministerium Kosten in der Höhe von rund 52,5 Millionen Euro.

Während der Corona-Pandemie muss die Wirtschaft gerettet werden, gleichzeitig dürfen Umwelt- und Klimaschutz nicht aus dem Fokus geraten. Denn eine gesunde Umwelt als Lebensraum hängt unmittelbar an der Gesundheit der Erdbevölkerung. Das fordert ein Zusammenschluss von 350 globalen Gesundheitsorganisationen mit über 40 Millionen Beschäftigten und Ärzten in einem Brief an Regierungschefs der G20-Länder. Ihre Botschaft: Gesundheitsschutz durch Umweltschutz muss erhalten bleiben.

Damit startet die bislang größte, weltweite Initiative des Gesundheitswesens für die Umwelt. Unter anderem unterzeichneten der Weltärztebund, die Weltorganisation der Haus- und Familienärzte (WONCA), der Weltbund der Kranken­schwes­tern und Krankenpfleger (ICN), die sowie der Weltverband der Public Health Gesellschaften (WFPHA) den Brief. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und der Global Climate and Health Alliance (GCHA) fördern die Aktion für die nachhaltige Sicherung des Gesundheitsschutzes.

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Chloroquin beziehungsweise Hydroxychloroquin (Hersteller Bayer) als Arzneiwirkstoff gegen die Symptome von COVID-19 eingesetzt. In der vergangenen Woche häuften sich jedoch die Berichte, das Mittel würde mehr schaden als nutzen. Der Wirkstoff wurde gegen die Infektionskrankheit Malaria entwickelt.

Unter anderem hat ein Forschungsteam des Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston gemeinsam mit der Abteilung für Kardiologie am Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich Ergebnisse einer weltweiten Beobachtungsstudie bei 96.000 Patienten, die wegen COVID-19 hospitalisiert wurden, ausgewertet und dabei festgestellt, dass Patienten, die mit Hydroxychloroquin behandelt wurden, ein vierfach höheres Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen aufwiesen. Die Daten zeigen sogar ein größeres Sterberisiko.

Sicherheitsbedenken mehren sich

Im Gegenteil, Prof. Frank Ruschitzka, Leiter der Abteilung Kardiologie am Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich erklärt dazu: "Für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei COVID-19 gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Im Gegenteil, insbesondere bei COVID-19-Patienten mit Herzerkrankungen beobachteten wir schwere Nebenwirkungen, vor allem lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen. Hydroxychloroquin und Chloroquin sollten deshalb bei COVID-19 nicht mehr eingesetzt werden, bevor uns die Ergebnisse von weiteren, aktuell noch laufenden randomisierten klinischen Studien vorliegen".

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte aufgrund dieser Ergebnisse die klinischen Tests in mehreren Ländern vorläufig ein.

Die Ergebnisse der Studie wurden in The Lancet veröffentlicht.

Am Institut für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) wird ein bundesweites Register geschaffen, in dem alle pathologischen Proben von obduzierten COVID-19-Toten hinterlegt werden. In der Biobank „CNS-COVID-19“ sollen alle Patho­mecha­n­ismen mit molekularen, klinischen und morphologischen Charakteristika erfasst werden.

Der Institutsleiter Till Acker erklärt die Untersuchungsmotivation seiner Forschungsgruppe: „Es gibt bei COVID-19 Hinweise auf Infektionen des Herzens und der Niere, aber auch auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems." Die erfassten Proben und Daten sollen einen Überblick über die Schäden und Todesursachen durch das SARS-CoV-2-Virus ermöglichen. Die Wissenschaftler wollen anhand der Daten herausfinden, ob es auch zu Schäden an den Nervenzellen kommt.

In Italien wurde gerade eine große Antikörpertest-Studie gestartet: Geplant sind freiwillige Bluttests mit rund 150.000 Teilnehmern in 2000 Orten. Mit Hilfe der Ergebnisse soll geklärt werden, wie hoch die Dunkelziffer der COVID-19-Erkrankten ist. Die ersten Krankheitsfälle wurden in Italien im Februar in der Lombardei festgestellt. Laut Statistik sind bisher rund 230.000 Italiener positiv getestet worden, die Zahl der offiziellen COVID-19-Todesfälle liegt bei rund 33.000.

Durchgeführt wird die Studie vom Gesundheitsministerium, der Statistik-Behörde und dem nationalen Roten Kreuz Italiens. Die repräsentativ ausgewählten Studienteilnehmer wurden vorab telefonisch kontaktiert, die Teilnahme an den Bluttests ist freiwillig. Alle Daten der Teilnehmer werden für das Forschungsprojekt anonymisiert gespeichert.

Auch ohne Impfstoffen könne die Corona-Epidemie in Deutschland erfolgreich in Schach gehalten werden. Der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité rückt dafür die Übertragung durch Aerosole in den Fokus. Neben der Desinfektionshygiene ist das Bewusstsein für die Ansteckung über die feinen Schwebkörper in der Luft elementar wichtig. Das solle nach Drostens Auffassung auch in den Richtlinien stärker berücksichtigt werden.

Kontrolle durch schnelle Cluster-Quarantäne

Denn das neuartige Coronavirus kann hierüber leicht weitergetragen werden. Drosten erklärte dazu in dem Informations-Podcast auf NDR-Info, dass einige wenige Infizierte als sogenannte Superspreader viele Menschen anstecken können und somit das Pandemie-Geschehen empfindlich vorantreiben, während die meisten Infizierte keine oder nur wenige Personen anstecken würden.

Daher sei es bei der Entdeckung eines solchen „Superspreading-Ereignis“ wichtig, sehr zügig das gesamte Cluster unter Quarantäne zu stellen, auch ohne Diagnostik. Das würde wertvolle Zeit sparen und das Ansteckungsereignis schneller stoppen.

In den Wochen des Shutdowns erhöhte sich die Nutzungszeit der sozialen Medien und damit auch der Einfluss der Netzinhalte – nicht immer zum Positiven. In einer Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde die tägliche Facebook-Nutzung von 286 Menschen untersucht. Die erklärten sich dazu bereit, zwei Wochen lang 20 Minuten weniger Zeit pro Tag als bisher auf Facebook zu verbringen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer lag bei den Studienteilnehmern bei gut einer Stunde täglich.

Der auf den ersten Blick kleine Verzicht scheint große Wirkung zu haben: Das Forschungsteam um Dr. Julia Brailovskaia fand heraus, dass die Probanden sich hinterher mehr bewegten, weniger rauchten und zufriedener waren. Nicht nur für kurze Zeit, auch drei Monate nach dem Ende des Experiments blieben die Effekte erhalten.


Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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