Wissenswertes zum Virus

Corona-News kompakt

+++ Gerüchte um alternative Gegenmittel kosten Leben +++ New Yorks U-Bahn bittet Apple um Alternative zu Face ID +++ Nasenspray soll vor COVID-19 schützen +++ So schnell sitzt die OP-Maske besser +++ Studentin entwickelt Röntgensoftware für Früherkennung +++


Corona-News kompakt KW 33

US-Wissenschaftler haben Falschinformationen bezüglich der Heilung oder Prophylaxe von COVID-19 überprüft, die in den vergangenen Monaten im Internet kursierten und weltweit einige hundert Menschen das Leben gekostet haben.

So wurde zum Beispiel in Bolivien die Einnahme von Bleichmittel als vermeintliches Heilmittel gegen eine Corona-Erkrankung angepriesen. Einige Menschen in Indien glaubten, dass der Verzehr von Kuhurin oder Kuh-Dung ihnen prophylaktisch gegen eine Infektion helfen würde. Auch der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol wurde in sozialen Medien häufig empfohlen – die Einnahme sollte den Körper „desinfizieren.“ Allein die Befolgung dieses Online-Ratschlages kostete weltweit rund 800 Menschen das Leben, weitere 60 erblindeten. 5.900 kamen nach dem Trinken von Methanol ins Krankenhaus. In Arabien wurde Kamelurin mit Limone als „Zaubermittel“ gegen COVID-19 empfohlen.

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie, die im „American Journal of Tropical Medicine and Hygiene“ erschien, mehr als 2.300 Berichte aus 87 Ländern untersucht. Die Empfehlungen erschienen online zwischen dem 31. Dezember 2019 und 5. April 2020. Das Spektrum der untersuchten Quellen umfasst die Webseiten von Faktenprüfungsagenturen, Facebook, Twitter sowie Websites von Zeitungen und TV-Sendern.

Es gibt nicht nur eine Pandemie, sondern auch eine „Infodemie“

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Es gibt nicht nur eine Pandemie, sondern auch eine „Infodemie“. Ihr Fazit: „Fehlinformationen, die durch Gerüchte, Stigmatisierung und Verschwörungstheorien angeheizt werden, können potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gemeinschaft haben, wenn ihnen gegenüber evidenzbasierten Richtlinien Vorrang eingeräumt wird.“

Die Forscher haben auch untersucht, welche Folgen von Stigmatisierung es im Rahmen der Corona-Pandemie gibt. Ein Mann beging beispielsweise in Indien Selbstmord, weil er davon überzeugt war, sich infiziert zu haben. Da er die Erkrankung als Schande empfand, sah er für sich nur den Ausweg des Freitods. Auch die Stigmatisierung von Menschen asiatischer Herkunft wird in der Studie behandelt. Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten Fälle, in denen Personen mit verbaler oder körperlicher Gewalt bedroht wurden, weil andere sie für die Ausbreitung des Virus verantwortlich machten.

Md Saiful Islam et al., COVID-19–Related Infodemic and Its Impact on Public Health: A Global Social Media Analysis, The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene, Published: August 10 2020, DOI: https://doi.org/10.4269/ajtmh.20-0812

Das US-Pharma-Unternehmen Eli Lilly will mit künstlich hergestellten Antikörpern für Immunität sorgen, bis Impfstoffe auf den Markt kommen. Dazu hat das Unternehmen eine Phase-III-Studie in den USA angemeldet, an der 2.400 Krankenschwestern und ältere Bewohner in Einrichtungen für betreutes Wohnen teilnehmen sollen.

Die Studie soll sowohl die Wirksamkeit und Sicherheit des Antikörpers an einer größeren Probandengruppe testen, als auch prüfen, ob eine einzelne Dosis die Infektionsrate über vier Wochen hinweg sowie bei erfolgten Infektionen Komplikationen über acht Wochen hinweg senkt.

Die Idee: die künstlichen Antikörper sollen genauso wie natürliche Antikörper das Sars-CoV-2-Virus binden und so blockieren. Vergleichbare Antikörperbehandlungen erwiesen sich in der Vergangenheit etwa bei Ebola als wirksam, berichtet das Unternehmen.

Herkömmliche OP-Masken sitzen nicht in jedem Gesicht gut und können gerade bei zierlichen Köpfen einen großen Freiraum an den Wangen entstehen lassen. Das mindert die Schutzfunktion der Maske erheblich. Die kanadische Zahnärztin Dr. Olivia aus Montreal hat sich daher etwas überlegt und zeigt in einem einminütigen Kurzvideo auf der Social-Media-Plattform TikTok, wie sich die Maske mit wenigen Handgriffen anpassen lässt und so besser schützen kann.

Dafür faltet Olivia die Maske zunächst der Länge nach in der Mitte und verkürzt dann durch zwei eng am Maskenrand platzierten Knoten an den Gummibändern links und rechts das seitliche Volumen. So liegt diese im Anschluss wesentlich enger an den Wangen an. Der nützliche Trick ohne weitere Hilfsmittel wurde im Netz mit mehr als 466.000 Likes honoriert und 4,2 Millionen mal angesehen. Nur bitte dran denken: Vor dem Basteln Hände waschen!

Mund-Nasenschutz als Statussymbol? Der israelische Schmuckunternehmer Yvel, bekannt für Kreationen im Luxussegment, arbeitet derzeit an der wohl teuersten Corona-Maske der Welt. Presseberichten zufolge hat sie einen auswechselbaren Filter, besteht aus 18 Karat Gold und 3.600 Diamanten. Die Maske soll einen Wert von 1,5 Millionen Dollar haben, schreibt etwa die Jerusalem Post (JP) dazu (10.8.2020). Der Kunde ist ein chinesischer Geschäftsmann aus Shanghai, der anonym bleiben will. Sein Wunsch: Die Arbeit soll bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein.

Die Maske entspricht dem höchsten Standard und besitzt einen Filter des Typs N99. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie mussten das Besucherzentrum und die Schmuckfabrik von Yvel in Jerusalem schließen. Nun wurden 25 Juweliere und Diamantensetzer aus dem Team des Unternehmens beauftragt, den Sonderauftrag auszuführen. Dazu sind sie in Schichtarbeiten eingesetzt. Der Kunde habe den Auftrag davon abhängig gemacht, dass die Maske die teuerste der Welt sein würde, zitiert die JP den Inhaber von Yvel, Isaac Levy, dazu. Das sei für Yvel kein Problem, so Levy.

Die New Yorker Verkehrsgesellschaft Metropolitan Transportation Authority (MTA) fordert Apple auf, seinen iPhone-Nutzern eine bessere Möglichkeit zu bieten, ihre Telefone zu entsperren. Da die Smartphone-Entsperrung via Gesichtserkennung mit Maske nicht funktioniert, käme es immer wieder dazu, dass Fahrgäste in Bussen und U-Bahnen ihre Masken kurz herunterzögen, um auf ihr Gerät zugreifen zu können.

Eine erste Veränderung Apples zur beschleunigten Entsperrung über einen PIN-Code habe an diese Situation kaum etwas geändert, heißt es. „Wir fordern Apple dringend auf, die Bereitstellung neuer Technologien und Lösungen zu beschleunigen, die die Kunden im Zeitalter von COVID-19 weiter schützen“, schrieb der MTA-Vorsitzende Patrick Foye in einem offenen Brief an das Unternehmen.

Wie kann die Corona-Diagnostik in ärmeren Ländern mit wenigen Testkapazitäten verbessert werden? Diese Frage beschäftigte Lena Kopp, Studierende der Elektrotechnik am Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn.

Im Rahmen ihrer Studienarbeit entwickelte sie eine Röntgen-Software, mit der eine Früherkennung von COVID-19 möglich ist. Die Software kann automatisch und mit großer Wahrscheinlichkeit anhand von Flächen- und Symmetriebetrachtung zwischen einer bakteriellen und einer viralen Lungenerkrankung unterscheiden. Die Auswertung der Aufnahmen als Falschfarbbild und Binärbild erfolgt über einen Standard-Computer und durch einen mathematischen Algorithmus. Dieser ermittelt die Merkmale und Grenzen der Lungenauffälligkeiten. Bei einer COVID-19-Erkrankung breiten sich die milchglasartigen Veränderungen gleichmäßig aus.

Die Software könnte vor allem in Entwicklungsländern während der Coronavirus-Pandemie zum Einsatz kommen, so die Hoffnung der jungen Frau. Hier fehlen oft Test-Kits für Rachen- oder Nasenabstriche und auch Computertomographen. Konventionelles Röntgen ist jedoch inzwischen weit verbreitet.

Prof. Alexander Jesser betreute die Arbeit der Studentin und erklärt, worauf die Software ausgerichtet ist: „Bei einer Erkrankung der Lunge ist das betroffene Gewebe meist weniger transparent für die Röntgenstrahlung und kann durch seine Form und Abgrenzung Aufschluss geben, um welche Art der Krankheit es sich handelt. Eine Covid-19-Erkrankung zeigt meist milchglasartige Veränderungen in beiden Lungenflügeln. Ist eine Erkrankung der Lunge durch eine Infektion mit Bakterien erfolgt, ist mehrheitlich nur ein Flügel der Lunge verändert. Eine gleichmäßige Ausbreitung über alle Bereiche der Lunge ist dabei also ein Hinweis auf eine Covid-19 Infektion.“

Die Deutsche Herzstiftung initiiert gemeinsam mit der Kardiopathologie des Instituts für Pathologie und Neuropathologie am Universitätsklinikum Tübingen ein Forschungsprojekt, in dem das Herzgewebe von verstorbenen COVID-19-Patienten genauer untersucht wird. Die zentrale Frage dabei ist die, ob der Virus eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) verursachen kann.

Bisherige Forschungen haben ergeben, dass der Erreger nahezu alle Organe im menschlichen Körper befallen kann. Zudem werden immer wieder Herz- und Gefäßkomplikationen als Symptome genannt sowie EKG-Veränderungen und erhöhte Troponin-Werte im Blut festgestellt. Auch Herzmuskelschädigungen sind protokolliert. All das deutet auf Schädigungen der Herzmuskelzellen sowie Funktionsstörungen der Gefäßinnenwände hin. „Allerdings kennen wir noch nicht die genauen Mechanismen, mit denen das neuartige Coronavirus das Herz schädigt, wenn es den Herzmuskel befällt“, erklärt der Kardiologe und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Thomas Voigtländer.

Erkenntnisse aus der Studie seien dringen notwendig für frühzeitige und gezielte Therapien bei Erkrankten mit entsprechender Symptomatik und um einen lebensbedrohlichen Schaden am Herzen durch das Virus abzuwenden. Und auch für Risikopatienten mit Herz-Kreislauf-Problemen ist die Forschung wichtig, um die Therapie in einem Krankheitsfall zeitig anzupassen. In einem Video werden die Forschungsentwicklungen zum Thema „Wie schädigt das Coronavirus den Herzmuskel?“ festgehalten.

Während die Welt auf Impfstoffe wartet, um die COVID-19-Pandemie unter Kontrolle zu bringen, haben US-Wissenschaftler einen neuartigen Ansatz entwickelt, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu stoppen. Wie sie in einem Artikel auf dem Preprint-Server bioRxiv berichten, zeigen Experimente, dass ein vollständig synthetisches, produktionsfähiges Molekül zu den wirksamsten bisher entdeckten SARS-CoV-2-Virostatika gehört.

In einer von ihnen getesteten Aerosolformulierung, die von den Forschern als "AeroNabs" bezeichnet wurde, konnten diese Moleküle mit einem Nasenspray oder Inhalator verabreicht werden. Einmal täglich angewendet, könnte AeroNabs einen leistungsstarken und zuverlässigen Schutz gegen SARS-CoV-2 bieten, bis ein Impfstoff verfügbar wird, schreiben die Autoren.

Dieses Video erklärt die Funktionsweise von AeroNabs

Das Forschungsteam befindet sich aktuell in aktiven Gesprächen mit kommerziellen Partnern, heißt es, um die Herstellung und die klinischen Tests von AeroNabs voranzutreiben. Wenn diese Tests erfolgreich sind, wollen die Wissenschaftler AeroNabs als kostengünstiges rezeptfreies Medikament zur Vorbeugung und Behandlung von COVID-19 allgemein verfügbar machen.

Michael Schoof et al. "An ultra-high affinity synthetic nanobody blocks SARS-CoV-2 infection by locking Spike into an inactive conformation", bioRxiv 2020.08.08.238469, Posted August 10, 2020.; doi: https://doi.org/10.1101/2020.08.08.238469

Eine vietnamesische Studie, die vor der aktuellen Coronavirus-Pandemie durchgeführt und jetzt veröffentlicht wurde, hat gezeigt: Coronaviren – darunter auch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 – sind als zoonotische Bedrohung für die Öffentliche Gesundheit nicht zu unterschätzen. Die Bedrohung geht zum Beispiel von kulinarischen Gewohnheiten in Südostasien aus, nach denen viele Wildtiere auf Märkten zum Verzehr angeboten werden. Die Wissenschaftler haben Untersuchungen in drei vietnamesischen Provinzen durchgeführt.

Sie haben zum Beispiel positive Coronafälle bei wilden Fledermäusen gefunden. Fledermäuse werden in Vietnam gezüchtet, um aus deren Kot Guano-Dünger herzustellen. Viele Tiere sind mit den Viren infiziert, die aber bei ihnen keine Krankheitssymptome hervorrufen. Menschen können sich jedoch leicht infizieren, da sich die Farmen in der Nähe menschlicher Siedlungen befinden.

Ebenso haben die Wissenschaftler Feldratten untersucht, die in Vietnam lebend auf Wochenmärkten zum Verzehr verkauft werden und die auch in Restaurants angeboten werden. Coronaviren wurden bei den Ratten und auch bei weiteren Tieren wie dem Malaiischen Stachelschwein oder Bambusratten entdeckt.

Fazit: Menschliches Verhalten trägt dazu bei, die Viren zu verbreiten

Zwar gehe in den meisten Fällen kein Risiko von den Tieren aus. Dennoch, so betonen die Wissenschaftler, stelle die Mischung der verschiedenen Coronaviren bei den Tieren sowie die immer beliebter werdende Verbreitung des Angebots auf Märkten und in Restaurants eine Gefahr für den Endverbraucher dar. Zoonosen könnten so auf Menschen übertragen werden.

Das Fazit der Wissenschaftler: Menschliches Verhalten trägt dazu bei, die Viren zu verbreiten. Der Handel mit Wildtieren sollte eingedämmt und betroffene Märkte geschlossen werden, um zu helfen, künftige Ausbrüche von Epidemien zu unterbinden.

Huong NQ, Nga NTT, Long NV, Luu BD, Latinne A, Pruvot M, et al. (2020) "Coronavirus testing indicates transmission risk increases along wildlife supply chains for human consumption in Viet Nam, 2013-2014". PLoS ONE 15(8): e0237129. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0237129


Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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