Hersteller-Umfrage in China

Coronavirus: Experten fürchten Arzneimittelnotstand in Deutschland

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft, ob wegen des Coronavirus hierzulande ein Arzneimittelnotstand eintreten könnte. Experten befürchten lebensbedrohliche Lieferengpässe.

In der zentralchinesischen Metropole Wuhan stehen derzeit Millionen Menschen unter Quarantäne. Betroffen sind auch Mitarbeiter zahlreicher Wirkstoffhersteller der Region. Experten befürchten deshalb Arzneimittelnotstände. Adobe Stock_Nadzeya

Das BfArM hat deshalb die Herstellerverbände um Unterstützung gebeten. Sie sollen bei ihren Mitgliedsunternehmen nachfragen, ob deren chinesische Wirkstofflieferanten von möglichen Produktionsausfällen wegen des Coronavirus betroffen sein könnten.

Wie apotheke-adhoc.de berichtet, hatte sich die Geschäftsführung des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in einer internen E-Mail an das BfArM gewandt mit der Bitte, die aktuelle Gefahrenlage in China zu klären.

Chinesische Werksmitarbeiter unter Quarantäne

In der zentralchinesischen Metropole Wuhan stehen derzeit aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus Millionen Menschen unter Quarantäne. Betroffen sind auch Mitarbeiter zahlreicher Wirkstoffhersteller der Region. Längerfristig sei deshalb, antwortete das BPI, zu befürchten, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass es durch Quarantänen und Zwangsferien zu Unterbrechungen von Lieferwegen kommen könnte.

In der Folge wäre es möglich, dass in Europa ein Arzneimittelnotstand ausbricht. Ein Weg, die Gefahr abzuwenden, wäre ein Wechsel des Wirkstoffherstellers. Die Experten des BfArM ermittelten gestern, dass für 19 Arzneimittel ein Wirkstoffhersteller in der Stadt Wuhan gemeldet ist. 17 Wirkstoffe davon werden als versorgungsrelevant eingestuft. Insgesamt werden in Wuhan, dem Epizentrum des Corona-Virus, laut Recherchen des BfArM derzeit 136 Arzneimittel hergestellt.

Das Coronavirus – neueste Daten

Weltweit inzwischen sind 28.000 Menschen erkrankt, darunter 12 Deutsche. Bei 560 Menschen führte die Virusinfektion zum Tod (beides Stand Donnerstagmorgen, 6. Februar 2020). Der Höhepunkt der Neuinfektionen wird in etwa 10 Tagen erwartet. Die Übertragung gilt nach Einschätzung des SARS-Entdeckers Christian Drosten, dem Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, als leichter als beim SARS-Virus. Männer scheinen ersten Auswertungen nach anfälliger zu sein als Frauen. Menschen mit Vorerkrankungen bilden die größte Risikogruppe.

Die rasante Ausbreitung zeigt, wie gefährlich das neuartige Lungenvirus durch seine Anpassungsfähigkeit und die leichte Übertragbarkeit ist. Zum einen, weil es in einer Vielzahl von genetischen Varianten auf viele verschiedene Säugetierarten übergeht, in der Hoffnung einen neuen Wirt zu finden. Zum anderen ist das Virus durch eine Art Korrektursystem fähig, Anpassungsfehler der Virus-RNA in den neuen Wirtszellen auszubessern. Seine Gene verändern sich insgesamt nicht so schnell wie etwa Grippeviren, dafür aber nachhaltiger und überlebensfähiger, erklärt der Virologe Drosten. Das lässt eine große Zahl an stabilen Mutationsvarianten entstehen.

Die WHO stufte das Virus als Gefahr für din internationale Gesundheitslage ein und benötigt mehr Gelder als bislang kalkuliert. Die Weltgemeinschaft solle insgesamt 613 Millionen Euro zur Eindämmung aufbringen, um vor allem armen Ländern bei der Virus-Bekämpfung zu helfen, forderte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch. Diese Summe sei eine sehr wichtige Investition und weit geringer als die Kosten, die entstünden, wenn es zu einer weltweiten Pandemie käme.

Ein Sprecher des BfArM sagt gegenüber zm-online: „Wir stehen in engem Austausch mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und haben auch den Jour fixe zu Liefer- und Versorgungsengpässen aktiv eingebunden, um belastbare Informationen zu erhalten, ob es zum Beispiel aufgrund von ‚Zwangsferien‘ in der betroffenen Region, Quarantänen oder Unterbrechungen von Lieferwegen zeitverzögert zu Lieferengpässen von versorgungsrelevanten Arzneimitteln kommen könnte. Sollten sich Hinweise auf eine Nichtverfügbarkeit von Arzneimitteln durch den Ausbruch des Coronavirus ergeben, wird das BfArM diese umgehend kommunizieren. Derzeit liegen keine Hinweise vor, dass es aufgrund des Coronavirus zu kurzfristigen Liefer- und Versorgungsengpässen kommen wird.“

BfArM wartet auf Rückmeldungen von chinesischen Herstellern

Dies kann sich jedoch schnell ändern, da man im BfArM in diesen Tagen auf Rückmeldungen von chinesischen Herstellern wartet. Detailauskünfte zu den 48 versorgungsrelevanten Wirkstoffen, die laut BPI betroffen sein könnten, gibt man im BfArM nicht heraus. „Wir warten derzeit auf die Informationen aus der Industrie und hoffen, dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen“, sagte der BfArM-Sprecher.

Genauere Informationen von chinesischen Herstellern sollen in den kommenden Tagen eintreffen. „Unsere Aufgabe ist es, vom Spekulativen wegzukommen und festzustellen, wie die Situation tatsächlich ist. Wir machen uns aber Gedenken darüber, dass die Entwicklung in China möglicherweise Auswirkungen auf Engpässe haben könnte.“

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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