Tabakkontrollskala

Deutschland ist jetzt Raucherparadies Nummer eins!

Im europäischen Vergleich der Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums belegt Deutschland jetzt den letzten Platz. Dies zeigt die "Europäische Tabakkontrollskala 2019". Und nennt drei Gründe.

Am 20. Februar wurde der Bericht auf einer Pressekonferenz im Rahmen der "European Conference on Tobacco or Health (ECToH)" vorgestellt. Die ECToH findet in diesem Jahr parallel zum Deutschen Krebskongress in Berlin statt. "Der letzte Platz ist ein Armutszeugnis für uns", sagte Dr. Martina Pötschke-Langer, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Nichtrauchen (ABNR). "Er ist das Resultat jahrelanger politischer Untätigkeit. Damit muss jetzt endlich Schluss sein."

Die Tabakkontrollskala ist eine Rangliste von 36 europäischen Ländern – basierend auf Maßnahmen, die sie seit 2016 zur Verringerung des Rauchens in der Bevölkerung umgesetzt haben, erklärte Luk Joossens von der Association of European Cancer Leagues (ECL) und Initiator der Tabakkontrollskala. Seit mehr als 15 Jahren quantifiziert Joossens alle drei Jahre insgesamt sechs Maßnahmen, die im Kampf gegen Tabakkonsum als wirksam eingestuft werden. Dazu zählen Tabaksteuererhöhungen, Rauchverbote, Aufklärungskampagnen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot, Warnhinweise auf Tabakverpackungen und Unterstützung beim Rauchstopp.

Zigaretten sind auf Plakaten immer präsent – und zu billig

Dass Deutschland so schlecht abschneidet, liegt Joossens zufolge vor allem an drei Gründen:

  1. Der Preis für Zigaretten ist nach Ansicht der ECL viel zu niedrig. Der gemittelte Preis pro 20-Zigaretten-Schachtel betrug 2018 in Deutschland 5,64 Euro, rechnet Joossens vor. In Großbritannien waren es hingegen rund 9 Euro, und in Frankreich, das im Ranking mehrere Plätze aufstieg, steigt der Preis zum ersten März 2020 auf 10 Euro.
  2. Es gibt jahrelange Versäumnisse bei der Tabakwerbung: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, das Plakat- und Kinowerbung zulässt“, sagt Joossens. Nur zwei andere Länder lassen überhaupt noch punktuell Werbung zu: die Schweiz und Israel.
  3. Die Umsetzung öffentlicher Rauchverbote ist eine weitere Schwäche der deutschen Politik. Hohe Punktzahlen erreichen hier nur Länder, die keine Ausnahmen machen, die die Umsetzung kontrollieren und die dies anhand von Stichprobenerhebungen auch verifizieren, erklärt der Bericht.

Deutschland erreicht im Punktesystem der Tabakkontrollskala gerade einmal 40 Punkte. Das sind weniger als in Estland, Serbien, Litauen – und nur halb so viel Punkte, wie Großbritannien erhält. | tobaccocontrolscale.org

"Dieses Ergebnis ist erschreckend und tut weh", bilanziert Pötschke-Langer. "Damit wir im Europäischen Vergleich nicht den Anschluss verlieren, muss Deutschland handeln - und zwar jetzt!" Das ABNR und mit ihm die Deutsche Krebshilfe fordert unter anderem eine Vereinheitlichung des Nichtraucherschutzes in allen öffentlichen Räumen und Arbeitsstätten und kontinuierliche sowie spürbare Steuererhöhungen auf herkömmliche Tabakprodukte, aber auch auf Tabakerhitzer und E-Zigaretten. Steuererhöhungen seien eines der wirksamsten Mittel zur Tabakprävention, wenn sie mit spürbaren Preiserhöhungen einhergehen.

Eckpunktepapier zum Werbeverbot wurde nie ein Gesetz

Darüber hinaus dringt das ABNR auf ein umfassendes Werbeverbot für Tabakprodukte und E-Zigaretten. "Deutschland ist das einzige Land in der EU, das immer noch uneingeschränkt Außenwerbung für Tabakprodukte erlaubt", sagt Pötschke-Langer.

Die CDU/CSU-Fraktion hat zwar Ende 2019 nach jahrelanger Blockade endlich ein Eckpunktepapier verabschiedet, das eine Ausweitung der Werbeverbote für Tabakprodukte und E-Zigaretten vorsieht. Einen entsprechenden mit dem Koalitionspartner abgestimmten Gesetzentwurf gibt es jedoch immer noch nicht.

Jedes Jahr sterben in Deutschland 121.000 Menschen an Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden, teilt die deutsche Krebshilfe mit. Dazu zählten insbesondere Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zahlreiche Krebsarten. Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen gehen auf das Konto von Tabakrauch. Bei den Organen, die direkt mit dem Rauch in Berührung kommen, wie Mundhöhle, Kehlkopf und Lunge, sind es bis zu 90 Prozent. Rauchen ist damit der größte vermeidbare Krebsrisikofaktor.

Andere Länder machen erfolgreiche Tabakkontrolle vor

Dass es auch anders geht, zeigen unter anderem Slowenien, Griechenland und Österreich. Werbe- und Rauchverbote haben dazu geführt, dass sich diese Länder im Ranking erheblich verbessert haben: Slowenien von Platz 28 auf Platz 8; Griechenland von 31 auf 13, Österreich von 35 auf 20. Neben Großbritannien und Irland steht erstmals auch Frankreich mit an der Spitze der Tabakkontrollskala. Frankreich hat als drittes Land weltweit Einheitsverpackungen für Zigaretten eingeführt.

Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR)

Das Aktionsbündnis Nichtrauchen setzt sich seit 1992 für eine umfassende Tabakprävention in Deutschland ein. Neben der Stiftung Deutsche Krebshilfe sind 14 weitere bundesweit tätige Gesundheitsorganisationen im ABNR vertreten.

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