Gesellschaft

Ein Zahnarzt in Indien

Ein geregelter Alltag nach Plan, Arbeit und Privatleben fließen ruhig dahin, ein Gefühl der Zufriedenheit bestimmt mein Leben. Bis eine E-Mail einer alten Bekannten eintrifft, die alles verändert, auf den Kopf stellt, hinterfragt, bewusst macht, beleuchtet.

Maßgeblicher Garant für mein stabiles Wohlbefinden ist der gut geplante und durchstrukturierte Arbeitstag zwischen Terminvereinbarung, Arbeitsanweisung, Heil- und Kostenplan und Medizinproduktegesetz. Eva Schwarz / schwarz-werk.de

"Gut, dass ich nicht in deiner Haut stecke, die Kommunikation wird bestimmt total anstrengend", war die erste Reaktion meines geschätzten Kollegen und langjährigen Freundes. Eva Schwarz / schwarz-werk.de
Die Vorstellung von Patientenbehandlungen auf unbekanntem Terrain fordern zunehmend Raum, vor allem die, eine Extraktion eines oberen zweiten Molaren, in sitzender Position des Patienten, ohne diagnostisches Röntgenbild, unzureichender Anästhesie und ohne meine Lieblingsinstrumente durchführen zu müssen. Eva Schwarz / schwarz-werk.de
So unterschiedlich die Haarfarben der Mitarbeiterinnen, so sind auch die Reaktionen auf die mir bevorstehende Reise mit Fernsehdoku. Von "Oooh, da bin ich ganz neidisch, wollte Indien schon immer bereisen, braucht ihr nicht noch eine Zahntechnikerin?", über "Aha, soso, na machen Sie mal, hoffentlich Sie kommen gesund wieder", über "Mir egal, Hauptsache ich werde nicht gefilmt", bis "Ob Du das kannst? Die ganzen armen und kranken Menschen dort...". Eva Schwarz / schwarz-werk.de
In der Reisevorbereitung wurde "Ich packe meinen Koffer" gespielt. Neben dem Pediküreset für Elefanten sollten unbedingt noch das Tagebuch für die Jackentasche, mein Füllfederhalter, der Fotoapparat meiner Tochter und Joggingschuhe eingepackt werden. Darüber hinaus gab es auch zahnmedizinisch relevante Überlegungen. Muss ich Mundschutze, Handschuhe, Schutzbrille, Händedesinfektion für mich mitnehmen? Wo ist eigentlich mein Impfpass? Eva Schwarz / schwarz-werk.de

Denn wie mir  Marika Liebsch in dieser  E-Mail schreibt, soll ich auf eine erkenntnisreiche Reise nach Indien gehen, soll mit fremden Kollegen in einem fremden Land mit fremder Kultur arbeiten, soll meine Scheuklappen öffnen. Und auch noch das Filmteam vom WDR an meinen Erlebnissen teilhaben lassen, denn es soll eine Doku entstehen, in der der Beruf der Schlüssel zum Eintritt in diese fremde Welt ist. Ich bin Zahnarzt.
 
Die besagte E-Mail erreicht mich an einem ganz normalen Tag. Seit 22 Jahren haben wir nichts mehr voneinander gehört. Marika ist mittlerweile Journalistin beim WDR und fragt, ob ich nicht Lust hätte, für ihr Projekt "Job im Gepäck" für zwei Wochen nach Nepal oder Indien zu gehen. Dabei bereist ein Protagonist ein fremdes Land, arbeitet und lebt dort zwei Wochen in seinem Beruf - mit Einheimischen und deren Familien.

Einfach so nach Indien?

Bis dahin habe ich von dieser Sendung noch nichts gehört, trotzdem kommt meine Antwort spontan: "Ja klar! Wann geht's los? Lass uns telefonieren!" Über "Was hast du denn in der Zwischenzeit gemacht?" kommen wir schnell zur eigentlichen Sache. Langsam setzt auch mein Verstand wieder ein: Einfach so nach Indien? Was muss ich dafür können? Was muss ich wissen, wie ist die Vorbereitung? Welcher Sprache muss ich Herr sein? Die Antwort lautete: Ich sollte noch nie dort gewesen sein, ich sollte neugierig und aufgeschlossen sein, und ich sollte die Bereitschaft mitbringen, meine Erlebnisse und Eindrücke mit dem Filmteam und dann mit dem Zuschauer zu teilen.

Ich war qualifiziert.
 
Fakt ist, ich habe noch nie eine Fernreise unternommen, auch noch nie das Bedürfnis verspürt. Warum eigentlich nicht?, frage ich mich heute. Die Gedanken an Filmteam und Zuschauer waren mir auch fremd, aber die konnte ich vorerst weiter nach hinten schieben.

Wann geht's los?


Alle bisher erschienenen Teile "Ein Zahnarzt in Indien"

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Wenige Tage vor meiner geplanten Abreise nach Indien erreicht mich noch eine E-Mail von Marika mit dem voraussichtlichen Reiseverlauf. Und einer Anregung: Da ich in den Familien der zahnärztlichen Kollegen leben soll, wäre es natürlich schön, ich brächte den Familienmitgliedern ein paar Dinge mit, die typisch sind für meine Wahlheimat und mich. Ach ja: Vielleicht könnte ich ja auch musizieren oder etwas kochen.

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Der erste Tag in Jaipur: Heute treffe ich meinen Kollegenzahnarzt Dr. Mathur, um einige Tage mit ihm in seiner Praxis zu behandeln. Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet.

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Ein Elefantenritt, waghalsige Autofahrten, gutes Essen und ein scheußliches Hotelzimmer - meine Zeit in Indien ist ein Abenteuer. Auch die Zahnheilkunde wird hier gänzlich anders praktiziert als bei uns in Deutschland.

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Probedreh in der Praxis

Zuerst muss der WDR noch seine Zustimmung erteilen, also verabreden wir uns in der Praxis, um ein paar kurze Sequenzen zu drehen. Schließlich will Redaktion sehen, ob der ausgewählte Zahnarzt auch das Zeug hat für diese Tour. Die Zustimmung wird erteilt, dann der Reisezeitraum abgesprochen. Nachdem  Urlaubs- und Regenzeiten bedacht sind, soll es der November werden. Ein Monat, der in meiner Wahlheimat Dortmund nicht gerade zum Verweilen einlädt. Gut.

Visaanträge werden gestellt und das Chaos nimmt seinen Lauf.  Unterlagen gehen verloren, Zeit wird knapp, ein Kreuzchen falsch gesetzt, alles nochmal hin- und herschicken. Journalistenvisum, Arbeitsvisum, Touristenvisum? Die Entscheidung, ein Journalistenvisum zu beantragen, war falsch. Also Unterlagen zurückbekommen, die Zeit wird knapper, das Touristenvisum beantragt. Die Pässe und Visa müssen, weil irgendwo verschollen, nochmal als Eilanträge beantragt und von einem Boten aus Frankfurt abgeholt werden. Alles sonst wird organisiert, mich erreichen spärlich gesäte Infos, wie: "Bald geht's los!" "Ist noch ein wenig schwierig - der Mann vor Ort meldet sich nicht!", "Wir wissen noch nicht, wer die zahnärztlichen Kollegen sein werden, mit denen du die Zeit verbringen wirst!"

Langsam setzt das Bauchkribbeln ein. mit Fragen wie: Willst du das wirklich? Kannst du das? Was erwartet dich dort, was erwarte ich überhaupt und vor allem: Was erwarte ich von mir? Zweifel, Respekt, Angst wechseln sich ab mit Vorfreude, Neugier, Abenteuerlust, Aufbruchstimmung, Prüfungsangst.

In Jaipur leben offiziell drei Millionen Einwohner - inoffiziell bis sieben Millionen

Was macht die Kamera mit mir? Ich fühle mich doch immer wie erstarrt, wenn jemand Fotos macht.
Wie stelle ich mir das Land und die Menschen vor? Wie funktioniert die Zahnmedizin? Wie ist die Ausstattung der Zahnarztpraxen? Die Behandlung der Patienten, das Gesundheitssystem?
Armut, Hungersnot, Krankheiten, viele, viele Menschen? Allein in Jaipur, das ist die Hauptstadt des Bundeslandes Rajasthan, also das Ziel meiner Reise, leben offiziell drei Millionen Einwohner - inoffiziell bis sieben Millionen.

Mir stellen sich Fragen, die die Unterbringung in den Familien betreffen, die Verständigung, die Patienten selbst, die Arbeitsbedingungen, die Kamerasituation. Das Klima, die Ernährung, nicht zuletzt auch die Religion. Mein vertrauter Hausapotheker stellt mir kurz vor der Abreise ein Notfallset gegen Durchfallerkrankungen zusammen.

Ansonsten gab es den gutgemeinten Rat, nur abgepacktes Wasser aus zuvor festverschlossenen Behältnissen zu trinken, was sich als nicht so einfach herausstellen sollte.


Hans-Joachim Dubau

Hans-Joachim Dubau ist niedergelassener Zahnarzt in Dortmund-Schüren, wo er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Dr. Robin Pützfeld eine Praxis führt. Sein Studium absolvierte er an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, sein Tätigkeitsspektrum mit Schwerpunkt Endodontologie deckt alle Bereiche der modernen Zahnmedizin ab.



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