Operationserfolg in Wien

Erste Lungentransplantation bei COVID-Patientin in Europa geglückt

Im Allgemeinen Krankenhaus in Wien (AKH) ist am 18. Mai erstmals in Europa an einem Covid-19-Erkrankten eine Lungentransplantation durchgeführt worden. Die 45-Jährige wäre sonst nicht mehr zu retten gewesen.

Die Operation ist weltweit die dritte ihrer Art. Vor diesem Fall in Wien sind nur zwei Lungen-Transplantationen an Covid-19-Patienten in China durchgeführt worden, berichtet die Medizinische Universität Wien. Symbolbild AdobeStock_ungvar

Die Patientin ist eine Woche nach dem Eingriff auf dem Weg der Besserung, teilt das Krankenhaus mit. "Aus unserer Sicht geht es ihr jetzt hervorragend, wir haben kein gravierendes Problem bisher. Sie wacht jetzt langsam auf", sagt Walter Klepetko, der Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität Wien am AKH. "Die Organe funktionieren alle, wir sind alle zufrieden. Aber der Weg wird schon noch länger sein, bis wir sie hoffentlich endlich aus dem Krankenhaus herausbringen werden."

Die Patientin war laut AKH ohne Vorerkrankungen und vor der vor acht Wochen erfolgten Corona-Infektion bei bester Gesundheit gewesen. Das habe letztlich auch zum positiven Verlauf der Transplantation beigetragen.

"Die Lunge war wie ein Klotz, da war nichts mehr über"

Bald nach der COVID-Erkrankung habe sich der Zustand der Frau so sehr verschlechtert, dass sie beatmet werden musste, heißt es weiter. "Die Lage war aussichtslos. Die Lunge war wie ein Klotz, da war nichts mehr über", klärt Klepetko auf. Es entwickelte sich bei der 45-Jährigen ein Totalversagen der Lunge, so dass sie nicht mehr künstlich beatmet werden konnte und nur noch durch eine Kreislaufpumpe (ECMO - Extracorporale Membran Oxygenation) am Leben gehalten wurde. Vier Wochen habe sie an dieser Pumpe gehangen, berichtet Klepetko.

Die Entscheidung zur Transplantation wurde schließlich gefällt, da keine Chance auf Erholung der Lunge bestand und die anderen Organe der Kärntnerin einigermaßen einwandfrei funktionierten. Eine Woche vor dem Eingriff war die Frau aus Klagenfurt mit einem Helikopter des österreichischen Bundesheers nach Wien auf die Intensivstation gebracht worden. Zu diesem Zeitpunkt waren in ihrem PCR-Test noch Coronaviruspartikel feststellbar, die jedoch nicht mehr als infektiös eingestuft wurden, was letztlich über sieben Tage durch eine negative Viruskultur bewiesen wurde, wie Klepetko betonte.

Antikörper mussten aus dem Blut gewaschen werden

Darum wagten die Mediziner schließlich die Transplantation. Nachdem es mit dem erste Spender-Organ Probleme gab, wurde ein zweites angefordert. Klepetko: "Beim zweiten Organ-Angebot haben wir eine schöne Lunge bekommen, die wir verwenden konnten. Beide Lungen sind aus Partnerländern gekommen. Das zeigt, wie wichtig der internationale Verbund ist." Die Schwierigkeit des Eingriffs selbst sei jedoch weit höher als bei einer normalen Transplantation gewesen.

Die Blutgerinnung funktionierte nicht, es gab massive Gerinnungsprobleme. Auch musste mehrfach eine Art Blutwäsche durchgeführt werden, um Antikörper aus dem Blut herauszuwaschen. "Das ist nicht die Arbeit einer Person, nicht die meines Teams, sondern eines viel größeren Teams. Der Aufwand ist apokalyptisch hoch – aber es zahlt sich aus", so Klepetko. "Die Patientin hatte keine ausreichende Zahl an Blutplättchen, und da auch Antikörper nachweisbar waren, mussten diese mittels Immunapherese zuerst ausgewaschen werden, damit sie das Organ nicht abstößt."

Schutzmaßnahmen erschwerten OP-Vorbereitung

Auch beim Transport der Lunge und bei der Vorbereitung auf die Operation hätten insbesondere wegen der erforderlichen COVID-Logistik mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen erschwerte Bedingungen geherrscht. Wichtig für den Transplantationserfolg sei vor allem das relativ junge Alter der Patientin, die keine Vorerkrankungen hatte. Klepetko weist darauf hin, dass die Transplantation nur durch die gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin, Infektiologie und vieler anderer erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Außer diesem Fall in Wien sind nur zwei Lungen-Transplantationen an Covid-19-Patienten in China bekannt. Neben Toronto, Cleveland und Hannover gehört Wien nach Angaben der Medizinischen Universität Wien/AKH mit 100 Lungentransplantationen im Jahr weltweit zu den Einrichtungen mit den meisten Eingriffen dieser Art. Bislang wurden dort bereits mehr als 2.000 Lungen transplantiert.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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