iPhone kommuniziert mit Krankenhaussoftware

Erster Großauftrag für Apples Patientenakte: das US-Kriegsveteranenministerium

Apples Patientenakte hat auf einen Schlag 9 Millionen Nutzer: Dank einer Kooperation sollen Veteranen der US-Streitkräfte per iPhone mit mehr als 100 US-Gesundheitseinrichtungen Daten zu Allergien, Laborergebnissen oder Medikation austauschen können.

In den USA können Gesundheitsdaten aus einer Praxis- oder Krankenhaussoftware direkt in die App "Health Records" aufs iPhone übertragen werden. In Europa ist mit einer vergleichbaren Funktion aufgrund inkompatibler Systeme vorerst nicht zu rechnen. Apple

Für die Kooperation mit dem US-Kriegsveteranenministerium (United States Department of Veterans Affairs, kurz VA) nutzt Apple die Funktion "Health Records", die seit iOS 11.3 verfügbar ist, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Funktion nutzt den Datenaustauschstandard FHIR. Dieser wurde in den USA seit 2018 durch ein Subventionsprogramm etabliert, das ganz konkrete und verpflichtende Vorgaben dazu macht, welche Daten Krankeninformations- und PVS-Systeme über eine offene Schnittstelle (API) verfügbar machen müssen.

Darum gibt es heute landesweit mehr als 100 Gesundheitsinstitutionen, darunter Krankenhäuser aber auch Versicherer und Gesundheitskonzerne, die über den Standard FHIR den Datenaustausch grundsätzlich ermöglichen.

Hier setzt Apple an, informiert das VA: Veteranen können ihre verfügbaren medizinischen Daten (...) einsehen, wann immer sie es wünschen. Weiter heißt es: "Unsere Gesundheits-API ist die nächste Stufe in der Entwicklung der Patientendaten-Zugriffsmöglichkeiten." Durch die Weiterentwicklung einer eigenen Schnittstelle ("Veterans Health API") setze man "neue Maßstäbe in der Zusammenarbeit mit Organisationen des Privatsektors, um innovative digitale Produkte für Veteranen zu entwickeln und einzusetzen".

Die digitale Patientenakte auf dem iPhone

In Kürze liefert Apple das nächste Update seines mobilen Betriebssystems aus, das iPhones automatisch zur digitalen Patientenakte macht – zumindest in den USA. In Deutschland fehlen bislang kompatible Systeme.

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Ob die Partnerschaft im ersten Schritt für Apple lukrativ ist, kommentiert das Unternehmen nicht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es ein vielversprechendes Modellprojekt mit einem großen Nutzerkreis in einem Markt der Zukunft ist. Apple-Chef Tim Cook macht seit Llangem kein Geheimnis mehr aus den Ambitionen seines Unternehmens, im US-Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. Kein Wunder, hier werden jährlich Umsätze von mehr als 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr generiert.

Apple hat auf einen Schlag die größte Mobilplattform mit Gesundheitsdaten in den USA unter Kontrolle

Das Wall Street Journal mutmaßte etwa, dass Apple eine Umsatzbeteiligung in Höhe von 15 bis 30 Prozent herausschlagen könnte, wenn die Gesundheitsversorgung stärker automatisiert würde - und aus der elektronischen Krankenakte Rezepte für Medikamente an anderen Apps übergeben werden könnten.

Der Deal mit dem VA hat aber noch einen weiteren, unschätzbaren Vorteil für den Tech-Riesen: Mit den neun Millionen Veteranen hat Apple auf einen Schlag die größte Mobilplattform mit Gesundheitsdaten in den USA unter seiner Kontrolle.

IT-Spezialisten konnten Daten im Test aus der Cloud auslesen

Stichwort Sicherheit: Die Daten sind laut Apple verschlüsselt und mit dem Pin-Code des iPhone abgesichert beziehungsweise mit dem Fingerabdrucksensor Touch ID oder der Gesichtserkennung Face ID.

Dem Nachrichtenportal Heise zufolge ist es jedoch dem Forensik-Unternehmen Elcomsoft bereits Anfang 2019 gelungen, verschlüsselte Health-Infos aus der iCloud zu entnehmen – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und Elcomsoft schränkte selbst ein, möglicherweise habe es sich um Daten gehandelt, die über eine veraltete Version des Apple-Betriebssystems hochgeladen und darum nichtzugriffssicher abgespeichert worden seien.

Cook ist indes optimistisch, dass die Strategie seines Unternehmens aufgeht. Man wolle Vertrauen schaffen, indem man eben nicht Nutzerdaten sammele und verwende, um Anzeigen zu verkaufen, sagte er in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR und am Rande einer Gala des Time-Magazins, auf der er als eine der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres geehrt wurde. Dieser Ansatz sei kein einfacher Marketingtrick, sondern eine langangelegte vertrauensbildende Maßnahme, so Cook. Er wisse von sich selbst, dass er nur solchen Firmen seine Gesundheitsdaten zur Verfügung stellen will, denen er auch tief vertraue.

Auch Zivilisten nutzen Apples Patientenakte

Informationen, wie viele der 9 Millionen Veteranen die Technik schon nutzen, gibt es nicht. Theoretisch haben aber auch Zivilisten die Möglichkeit, Daten in der System-App "Health Records" ihres iPhones abzulegen. Und einer Umfrage unter knapp 400 Patienten (132 nahmen teil) der US-Klinik UC San Diego Health zufolge sind acht von zehn Patienten auch zufrieden mit der Technik. Das Krankenhaus ist eine der medizinischen Einrichtungen in den USA, die den Download von Patientendaten auf das iPhone anbieten.

Weitere Ergebnisse der Befragung: 96 Prozent der Patienten fanden die Bedienung der vorinstallierten App "einfach", schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association. Neun von zehn stimmten außerdem der Behauptung zu, dass eine solche digitale Patientenakte "einen besseren Einblick in die eigene Gesundheit verschafft, Gespräche mit Ärzten erleichtert oder das Teilen von Gesundheitsdaten mit Familie und Freunden erleichtert". Die Autoren schränken jedoch ein, dass es durchaus üblich sei, dass frühe Anwender sich über neue Technik begeistert zeigten. 

Cook gibt sich freilich bei jeder Gelegenheit überzeugt vom Engagement seines Unternehmens im Gesundheitssektor. In einem Interview sagte er, dass Apples zentraler Beitrag zum menschlichen Vorwärtskommen in diesem Sektor liege. Die künftigen digitalen Health-Produkte seines Unternehmens hält er für bedeutsamer als die revolutionären Geräte iPhone und Mac, mit denen Apple vor allem assoziiert werde.

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