Pilotprojekt für Menschen mit Behinderungen

Gesundheitsexperten in eigener Sache

Menschen mit Behinderungen sollen zu Gesundheitsexperten im Sinne von Multiplikatoren geschult werden. Special Olympics Deutschland (SOD) und das GKV-Bündnis für Gesundheit haben dazu ein Pilotprojekt initiiert.

Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung sollen selbst als Multiplikatoren gewonnen werden, da sie aufgrund ihrer eigenen Behinderung Experten in eigener Sache sind. Adobe Stock_M.Dörr & M.Frommherz

Ziel des Pilot-Projekts „Bewegung und Gesundheit im Alltag stärken (BeuGe)“ ist, Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung zu Bewegungs-und GesundheitsexpertInnen zu schulen, um andere Menschen mit Behinderung zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren.

Angesprochen werden sollen sie von den regionalen Projektmitarbeitenden und über die Netzwerke der jeweiligen Special Olympics Landesverbände und dann als Bewegungs- und Gesundheitsexperten auf Basis eines neu entwickelten Curriculums qualifiziert. Die Schulungen der Bewegungs- und Gesundheitsexperten werden von Referenten von SOD durchgeführt. Sobald die Multiplikatoren fit in der zielgruppenspezifischen Gesundheitsförderung sind, können sie mit Unterstützung der Projektmitarbeitenden andere Menschen mit Behinderung zu einer gesunden Lebensweise motivieren.

Eine große Herausforderung besteht den Partnern zufolge darin, die Zielgruppe zu erreichen, da diese in verschiedenen Wohnformen (Wohnheime, ambulantes Wohnen, betreutes Einzelwohnen) lebt. Kontaktmöglichkeiten seien auch Werkstätten, Schulen, Sportvereine oder andere Freizeiteinrichtungen. Deshalb bräuchten Präventions- und Bewegungsangebote für Menschen mit Behinderung kommunale Netzwerkstrukturen, die während der Projektlaufzeit von Projektmitarbeitenden in den Special Olympics Landesverbänden aufgebaut werden sollen.

Projektziele sind:

  • Weiterentwicklung der Lebenswelten „Wohnen“ und „Freizeit“ für Menschen mit Behinderung im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung
  • Kommunale Angebote mit und für die Zielgruppe entwickeln und umsetzen
  • Angebote in den Lebenswelten „Wohnen“ und „Freizeit“ für und mit Menschen mit Behinderung etablieren
  • Nachhaltige kommunale Netzwerke und Strukturen mit anderen relevanten Akteuren vor Ort auf- und ausbauen

Projektinhalte sind:

  • Erarbeitung eines Schulungscurriculums für Menschen mit Behinderung zum Thema Gesundheit und Bewegung
  • Menschen mit Behinderung als Bewegungs- und GesundheitsexpertInnen (BGE) identifizieren und schulen. Nach der Schulung stehen die BGE in der Lebenswelt als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in ihrem Freundeskreis, Kollegenkreis oder ihrer Nachbarschaft rund um das Thema Bewegung und Gesundheit zur Verfügung.
  • Regelmäßige Durchführung von Angeboten zu einer gesunden Lebensweise und Bewegung
  • Öffentlichkeitsarbeit wie etwa Netzwerkarbeit, Flyer, Presse oder Internet

Das Pilot-Projekt wird bis Ende 2021 durch das GKV-Bündnis für Gesundheit gefördert. Beteiligt sind die fünf Special Olympics Landesverbände Bremen, Berlin/Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen mit 25 Einrichtungen auf kommunaler Ebene.

Prof. Dr. Manfred Wegner, SOD-Vizepräsident Gesundheit und Bildung/Akademie, erklärt den Projektansatz so: „Mit der Projektidee werden Menschen mit Behinderung zu Experten in eigener Sache. Sie lernen, was ein gesunder Lebensstil für sie selbst bedeutet und sind gleichzeitig Multiplikatoren, wenn sie im direkten Kontakt zu anderen ihre Erfahrungen weitergeben.“

Für Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, schafft das Projekt für Menschen mit Behinderung niedrigschwellige Bewegungs-und Gesundheitsangebote. Kiefer: „Dafür sind funktionierende kommunale Strukturen notwendig, die gemeinsam mit Organisationen oder Trägern von Einrichtungen der Behindertenhilfe aufgebaut werden. Das Projekt setzt damit auf Nachhaltigkeit –ein Engagement, das die gesetzliche Krankenversicherung gerne unterstützt.“

Die ersten Bewegungs-und Gesundheitsexpertinnen und -experten wurden bereits intensiv zu den Themen Bewegung, Ernährung und Gesundheit geschult, wie die Kooperationspartner erklären. Mit Methoden und Materialien, die sich in Form und Sprache direkt an Menschen mit Behinderung richten, werden die Teilnehmenden auch mit Angeboten zur Gesundheitsförderung vertraut gemacht. Das Pilot-Projekt wird wissenschaftlich von der Hochschule Fulda evaluiert.

Chris Le, Teilnehmer der Schulung im SO Landesverband Sachsen-Anhalt, sagt: „An der Schulung gefällt mir, dass wir über Gesundheit miteinander sprechen. Mit dem Wissen über Gesundheit möchte ich anderen Menschen etwas über Gesundheit vorzeigen und sie motivieren gesund zu leben! Ich nehme an der Schulung teil, weil ich mich mehr bewegen und gesund leben will."

Die Kooperationspartner

Special Olympics Deutschland setzt sich über den Sport hinaus mit dem Programm Healthy Athletes® für die Verbesserung der Gesundheit und der Kompetenzen von Menschen mit geistiger Behinderung ein. Dazu wurden mehr als 53.000 Beratungen und Untersuchungen während nationaler und regionaler Special Olympics Veranstaltungen und -seit einigen Jahren durch die Unterstützung des BMG - auch in Wohneinrichtungen, Werkstätten und Schulen durchgeführt.

Das GKV-Bündnis für Gesundheit ist eine gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen zur Weiterentwicklung und Umsetzung von Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten. Das Bündnis fördert dabei unter anderem Strukturaufbau und Vernetzungsprozesse, die Entwicklung und Erprobung gesundheitsfördernder Konzepte, insbesondere für sozial und gesundheitlich benachteiligte Zielgruppen, sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung und wissenschaftlichen Evaluation.

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