US-Studie zu neurologischen Verhaltensproblemen der Kinder

Ist Paracetamol in der Schwangerschaft weniger sicher als gedacht?

Nehmen Schwangere Paracetamol, steigt laut einer neuen Studie das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern. Einem Experten zufolge ist die Aussagekraft der Studie jedoch begrenzt.

Aus Sicht der AutorInnen bestätigen die Studienergebnisse frühere Arbeiten, die über Assoziationen zwischen pränataler Exposition gegenüber Paracetamol und Aufmerksamkeitsproblemen bei Nachkommen berichteten. Eine erhöhte Vorsicht bei der Verwendung in der Schwangerschaft sei darum geraten. Ольга Тернавская

Ob die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft unbedenklich ist, wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Erst Ende 2021 kam eine Übersichtsarbeit zu dem Schluss, schwangere Frauen sollten angehalten werden, darauf zu verzichten – es sei denn, die Verwendung ist medizinisch indiziert. Die Konsensuserklärung spiegele nicht nur die Bedenken der Autoren wider, hieß es damals, sondern werde auch von 91 Wissenschaftlern, Klinikern und Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens aus der ganzen Welt unterstützt (Ann Z. Bauer et al., 2021).

Paracetamol ist eines der am häufigsten verwendeten Medikamente während der Schwangerschaft weltweit, schreiben die Autoren der nun jüngst erschienenen Studie. Zwar hätten Untersuchungen über Zusammenhänge zwischen pränataler Exposition gegenüber Paracetamol und neurologischen Verhaltensproblemen bei Kindern, einschließlich Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, festgestellt, es gebe jedoch wenig Forschung zu den Effekten auf Kinder im Vorschulalter.

Paracetamol ist auch assoziiert mit Schlafproblemen

Die Studie widmete sich darum den möglichen Zusammenhängen zwischen pränataler Paracetamol-Exposition und neurologischen Verhaltensproblemen der Kinder im Alter von drei Jahren. Die Forschenden verwendeten dazu Daten aus der First Baby Study, einer prospektiven Kohortenstudie, die in Pennsylvania, USA, mit 2.423 Mutter-Kind-Paaren durchgeführt wurde.

Frauen berichteten über den Gebrauch von Medikamenten und führten während ihres dritten Trimesters eine pränatale Stressinventur durch. Verhaltensprobleme von Kindern wurden im Alter von drei Jahren mithilfe der 7-Syndrom-Skala aus der Child Behavior Checklist (CBCL) für das Alter von 1,5 bis 5 Jahren gemessen.

Das Ergebnis: Insgesamt 1.011 Frauen (41,7 Prozent) gaben an, während der Schwangerschaft Paracetamol einzunehmen. Kinder, die während der Schwangerschaft Paracetamol ausgesetzt waren, erzielten auf 3 der 7 CBCL-Syndrom-Skalen signifikant höhere Punkte: Introvertiertheit, Schlaf-und Aufmerksamkeitsprobleme.

Die Ergebnisse auf allen 7 CBCL-Syndrom-Skalen waren signifikant mit pränatalem Stress assoziiert. Nach Anpassung an pränatalen Stress und andere Störfaktoren blieben die Adjusted Odds Ratios (aOR, Konfidenzintervall 95 Prozent) von zwei Syndromskalen bei Kindern, die Paracetamol ausgesetzt waren, signifikant höher:

  • Schlafprobleme: aOR = 1,23 (Spreizung 1,01 bis 1,51) und
  • Aufmerksamkeitsprobleme: aOR = 1,21 (1,01 bis 1,45).

Aus Sicht der AutorInnen bestätigen diese Ergebnisse frühere Studien, die über Assoziationen zwischen pränataler Exposition gegenüber Paracetamol und Aufmerksamkeitsproblemen bei Nachkommen berichteten, und zeigen auch einen Zusammenhang mit Schlafproblemen im Alter von drei Jahren. Da die Verwendung von Paracetamol während der Schwangerschaft üblich ist, seien diese Ergebnisse für die öffentliche Gesundheit von Belang und begründeten eine erhöhte Vorsicht bei der Verwendung von Medikamenten mit Paracetamol in der Schwangerschaft.

Grund zu erhöhter Vorsicht – oder nicht?

Dr. Wolfgang Paulus, Oberarzt und Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie an der Universitätsfrauenklinik Ulm, ist von der methodischen Qualität der Studie jedoch nicht überzeugt. Gegenüber dem Wissenschaftsportal Spektrum sagte er, „eine kausale Verknüpfung zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und neurologischen Defiziten der Kinder ist keinesfalls nachgewiesen".

Zum einen bemängelt er das Studiendesign, zum anderen die Datenerhebung, da weder nach der Dosierung noch nach der Einnahmedauer gefragt wurde. Paulus: „Angesichts der unterschiedlichen Stadien der Sensibilität in der kindlichen Entwicklung ist das aber von Bedeutung.”

Sznajder KK, Teti DM, Kjerulff KH (2022) Maternal use of acetaminophen during pregnancy and neurobehavioral problems in offspring at 3 years: A prospective cohort study. PLoS ONE 17(9): e0272593. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0272593

Bauer, A.Z., Swan, S.H., Kriebel, D. et al. Paracetamol use during pregnancy — a call for precautionary action. Nat Rev Endocrinol 17, 757–766 (2021). https://doi.org/10.1038/s41574-021-00553-7

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