Impfung gegen SARS-CoV-2

Kann die zweite Dosis warten?

Derzeit reichen die verfügbaren Impfdosen noch nicht, um sofort alle Risikogruppen zweimal zu impfen, sie so maximal zu schützen und schrittweise Herdenimmunität zu erreichen. Kann die zweite Impfung warten?

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie spricht sich angesichts der Pandemielage dafür aus, dass verfügbare Impfdosen nicht für eine zweite Imfung zurückgehalten, sondern für eine Erstimmunisierung der Risikogruppen verwendet werden sollten. Adobe Stock_Wolfilser

"Als Immunologen weisen wir darauf hin, dass bereits die erste Impfung ab Tag 14 einen beträchtlichen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten kann", schreibt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) in einer aktuellen Stellungnahme. Auf eine zweite Impfung dürfe nicht verzichtet werden, sie könne aber auch später als an Tag 21 (BNT162b2) beziehungsweise Tag 28 (Moderna) erfolgen. Bei anderen Impfstoffen habe sich das sogar als wirkungsvoller herausgestellt.

Möglichst viele Menschen sollten die erste Impfung erhalten

Da für mRNA-Impfstoffe aber noch keine langfristigen Studiendaten vorliegen, halten es die Experten für vertretbar, "mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen, und die zweite Impfung verzögert, aber zwingend innerhalb von 60 Tagen, nachzuholen".

Die Hälfte der Impfungen für Gesundheitspersonal

Laut dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde circa die Hälfte der etwa 420.000 Impfungen in Deutschland an Personal im Gesundheitswesen verabreicht. So sind seit dem Impfstart Ende Dezember rund 201.000 Dosen an Ärzte und Pflegepersonal, die einem besonders hohen Ansteckungspotenzial ausgesetzt sind, verimpft worden. Die Bundesländer verfolgen mit der Impfkampagne verschiedene Ansätze: Während einige zunächst auf die Impfung von über 80-jährigen setzen, sind in zehn Ländern die Impfungen aus beruflicher Indikation vorgesehen.

Eine große Herausforderung stellt zum Teil die Erreichbarkeit von Senioren und Pflegebedürftigen im häuslichen Bereich dar. Im Zusammenhang mit der begrenzten Haltbarkeit des Impfstoffs kommt die strategische Überlegung auf, den Impfstoff daher Mitarbeitern in die Impfzentren bereit zu stellen, bevor dieser seine Wirkung verliert.

 

Das Intervall orientiere sich an Erfahrungswerten mit anderen Impfstoffen. Die Zulassung des Protokolls für die Anwendung der Impfstoffee basiere auf klinischen Studien, in denen keine anderen Intervalle getestet wurden. Der Impfschutz beginnt frühestens 14 Tage nach der ersten Impfung und die hohe Effizienz von 94 beziehungsweise 95 Prozent wurde erst ab Tag 7 beziehungsweise 14 nach der zweiten Impfung dokumentiert.

21 Tage - offenbar der früheste Zeitpunkt für die zweite Impfung

Der Abstand von 21 Tagen zwischen erster und zweiter Impfung hat sich bei anderen Impfstudien als frühester Zeitpunkt für die zweite Impfung herausgestellt, weil sonst die erste Immunreaktion die zweite Immunreaktion blockiert. Erfolgt die zweite Impfung später als 21 Tage nach der ersten, kann die zweite Immunreaktion bei anderen Impfstoffen sogar fulminanter sein. Ob das bei den mRNA-basierten Impfstoffen auch so ist, könnte nur durch zusätzliche Studien gezeigt werden.

Bis diese Ergebnisse vorliegen, wäre laut DGfI angesichts der besonderen Pandemielage eine Flexibilität der zweiten Impfung für den Zeitraum von bis zu 60 Tagen nach der ersten Impfung vertretbar: "Das bedeutet, dass jetzt verfügbare Impfdosen nicht für eine zweite Impfung zurückgehalten, sondern für eine Erstimmunisierung von möglichst vielen Menschen der Risikogruppen verwendet werden sollten."

In welche Prioritätengruppe gehören Zahnärzte und ihre Teams? Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) geben Auskunft zur Impfreihenfolge.

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Die DGfI empfiehlt, umgehend begleitende wissenschaftliche Studien zur Auswirkung der Verlängerung der Impfintervalle auf bis zu 60 Tage durchzuführen, und dabei die Menge an gebildeten neutralisierenden Antikörpern, insbesondere neutralisierendes sekretorisches IgA, als relevantes Vergleichsmaß zu nehmen. Probanden könnten Freiwillige aus medizinischem und Pflegepersonal sein, die selbst nicht zu gefährdeten Risikogruppen gehören.

Übersichtsseiten vom Vaccine Centre der London School of Hygiene & Tropical Medicine, der Weltgesundheitsorganisation und des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller listen mehr als 250 Impfstoffkandidatenn. Zugelassen sind weltweit bisher sieben Präparate, mit dem Vakzin des US-Unternehmens Moderna ("mRNA-1273", seit 6. Januar) und "BNT162b2", (BioNTech/Pfizer) zwei in der EU. Bei beiden handelt es sich um mRNA-Impfstoffe.

  1. Bei diesen Impfstoffen werden keine Krankheitserreger oder deren Bestandteile (Antigene) für die Immunisierung benötigt. Durch die Impfung wird den Zellen im Muskelgewebe lediglich in Form eines Boten-Erbguts (mRNA) die Information für die Herstellung einzelner Antigene übertragen. Ähnlich wie bei der Infektion mit einem Virus beginnt die Zelle anschließend nach dem Bauplan der mRNA mit der Produktion von Proteinen, die als Antigene eine Immunantwort auslösen. Da es sich nur um einzelne Proteine handelt, die von den Zellen hergestellt werden, ist mit dieser Methode keinerlei Infektionsrisiko verbunden.

  2. Bei dem bereits in Großbritannien zugelassenen Präparat der Firma AstraZeneca ("AZD1222") handelt es sich hingegen um einen Vektorimpfstoff. Er besteht aus einem harmlosen, bei Menschen nicht vermehrungsfähigen Virus aus der Familie der Adenoviren, das so modifiziert wurde, dass es das Gen mit dem Bauplan für die Herstellung eines SARS-CoV-2-Spikeproteins enthält. Das Adenovirus selbst kann sich nicht vermehren und verursacht keine Krankheit. Nach der Impfung gelangt das Impfvirus mit dem SARS-CoV-2-Gen in einige wenige menschliche Körperzellen, die das Gen zur Herstellung des Spikeproteins verwenden. Das Immunsystem erkennt dieses Spikeprotein als fremd an und bildet als Reaktion des Immunsystems Antikörper und T-Zellen, die im Idealfall vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Bei den Produkten "Ad5-nCoV" (China, Notfallzulassung), "Gam-COVID-Vac", besser bekannt als "Spunik V" (zugelassen in Russland, Ungarn, Weißrussland, Kasachstan und Argentinien) sowie "BBV152", auch "Covaxin" (Indien) handelt es sich ebenfalls um Vektorimpfstoffe.

  3. Beim Impfstoff des chinesischen Staatsunternehmen Sinopharm handelt es sich um einen Todimpfstoff. Bei dieser veralteten Technologie wird der Originalerreger in Zellkulturen vermehrt und anschießend inaktiviert. Dadurch verliert SARS-CoV-2 die Fähigkeit, von menschlichen Zellen vermehrt zu werden. Diese Technik wird auch bei Influenza-Impfstoffen verwendet.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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