Famulatur in Polynesien

"Mali mali" Post aus Tonga - Teil 5

Das Famulatur-Tagebuch der Zahnmedizinstudentinnen Ly Cao und Natalia Stroyny geht zu Ende. Im letzten Kapitel ihres Berichts: Gruppenprophylaxe im Königreich Tonga, die - zumindest quantitativ - überzeugt!

Fluoride in die Flasche: Ly verteilt eine Mundspüllösung in die mitgebrachten Plastikflaschen. Einmal in der Woche kommen die Kinder zur Gruppenprophylaxe. privat

In den vergangenen vier Wochen haben wir wirklich viel behandelt, dabei haben wir uns die Gruppenprophylaxe natürlich nicht entgehen lassen: das Mali-Mali-Programm! Vor über zehn Jahren wurde sie von japanischen Ärzten hier eingeführt und wird jetzt auf allen Inseln Tongas durchgeführt.

Es ist Zahnputztag! Das Mali-Mali-Programm | Copyright privat

Natalia zeigt den Mädels wie man richtig die Zähne putzt. | Copyright privat

 

"Mali mali“ heißt übersetzt „Lachen lachen“, so ist das Ziel dieses Projektes, Kinder und Jugendlichen über die Mundgesundheit aufzuklären, sie für das Zähneputzen zu motivieren und instruieren. Außerdem wird so die wöchentliche Fluorideinnahme der Kinder gewährleistet: diese bekommen sie in Form einer Mundspülung. Dazu besucht ein Dental Therapist mit seinem Fahrer täglich acht bis zwölf Schulen, wobei jede Schule einmal wöchentlich besucht wird. Instruktionen zum richtigen Händewaschen und eine kleine Sporteinheit mit Hampelmännern gehören auch oft dazu.

Das ist der Van, mit dem wir zu den Schulen gefahren sind. | Copyright privat

Uns hat es super viel Spaß gemacht, spielerisch mit den Kindern die Zähne zu putzen. Dabei haben wir aber teilweise auch katastrophale Zustände gesehen – nicht selten schwarze Zahnstümpfe in der Front oder kariöse bleibende 6er. Scheinbar reicht es einfach nicht, dass die Kinder wissen wie man putzt. Wir glauben, das Programm wäre noch effektiver, wenn man es schafft, auch den Eltern, vor allem den Müttern die Wichtigkeit der Mundhygiene näher zu bringen.

 

Für das Mali-Mali-Programm gibt es auf der Hauptinsel Tongatapu zwei Teams, die jeweils in den Westen beziehungsweise Osten der Insel fahren. In Vavau ist Sina dafür verantwortlich - nur nicht an den elf Schulen, die sich auf den tentakelartig verstreuten Inseln befinden nicht, denn dort übernehmen die Lehrer das wöchentliche Prophylaxe-Programm. In unserer letzten Woche war Sina krank, so fiel das Programm für die Kinder einfach aus.

Sobald die Kinder das Auto hören, stürmen sie wahrlich auf den Hof. Dann sind sie sehr diszipliniert und stellen sich in Reihen, damit jeder den Erklärungen folgen kann.| Copyright privat

Neben dem ganzen Produktivsein haben wir natürlich auch versucht die Freizeit zu nutzen, um die Inseln zu erkunden, obwohl das manchmal gar nicht so einfach war, weil man nach einem Arbeitstag doch "ganz schön matschig" war. Es war aber überhaupt gar kein Problem, dass wir uns mal ein verlängertes Wochenende genommen haben, um die drittgrößte und grünste Insel Eua, zu besuchen, die nur drei Fährstunden entfernt ist. Mit der Fähre sind wir auch auf kleinere Nachbarinseln, waren an sehr schönen und vor allem leeren Stränden mit puderweichem Sand und türkisblauem Meer, und haben den Tag so ausklingen lassen. Wir waren schnorcheln, haben uns ein Auto gemietet und kleine Roadtrips unternommen, oder waren einfach nur zum Sonnenuntergang spazieren, aber eines der Highlights war das Schwimmen mit den Buckelwalen! Wir waren überwältigt, voller Freude, aber gleichzeitig respektvoll, denn die Wale sind gigantisch! Dennoch bewegen sie sich so sanft und friedlich im Ozean – ein unbeschreibliches Gefühl.

 

"Kein Foetor ex ore wird uns mehr ablenken können"

Für uns beide war es ein Sommer, den wir nicht vergessen werden. Wir haben viel erlebt und gelernt. Zurück an der Klinik werden wir viel gelassener mit den Patienten umgehen - und wenn wir anästhesieren, werden wir nicht mehr so zittrig sein, vor allem haben wir aber chirurgische Kenntnisse gewonnen, die wir so in Deutschland in dem Zeitrahmen nie hätten erlangen können. Und kein Foetor ex ore wird uns je mehr ablenken können. Bei alle dem haben wir Menschen und ihre Kultur kennengelernt, die es wahrlich verdient haben, als die freundlichsten Menschen der Welt bezeichnet zu werden zusammen mit ihren Inseln der Freundschaft. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn wir erzählen, wie überwältigt wir von den Menschen hier sind. Erlebt es einfach selbst, es sind Erfahrungen, die wir jedem empfehlen!

Wir mit Dr. Amanaki bei der Spendenübergabe. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an: Komet Dental, Dentsply Sirona, 3M ESPE, VOCO Dental, Ivoclar Vivadent, Bauschdental und den 'Verein zur Förderung der Zahnerhaltung in Greifswald e.V.'  - die Spenden kamen sehr gut an! | Copyright privat


Wer nun auch Interesse an einer Famulatur im Königreich Tonga hat, sollte unserer Meinung nach folgende Punkte beachten:

  • Es ist empfehlenswert, ein Jahr im Voraus mit der Planung zu beginnen.
  • Persönliche Voraussetzung: mindestens ein Jahr Erfahrung in der Patientenbehandlung
  • Dr. Amanaki Fakakovikaetau eine Email schreiben (Kontakt: latu.amanaki@gmail.com) und sich kurz vorstellen, Zeitraum, Lebenslauf hinzufügen – nach einem Tag hatten wir unsere Zusage
  • den ZAD - Zahnmedizinischen Austauschdienst - und DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst - für einen Reisekostenzuschuss anschreiben
  • Spenden sammeln! Das ist wirklich wichtig, denn zum Teil sind die Kliniken wirklich darauf angewiesen und nur so sind die Famulaturen überhaupt möglich
  • sonstige Reiseplanung: Flug, Unterkunft, Auslandskrankenversicherung (beruflich und privat), Visa-Karte et cetera beantragen. Da diese Famulatur quasi privat organisiert ist, müsst ihr euch selbst um alles kümmern, aber es lohnt sich so sehr!
  • Famuliert unbedingt auch auf den anderen Inseln, nicht nur auf Tongatapu. Ihr habt die freie Wahl: Vava’u, Eua, Ha’apai. Das könnt ihr aber alles entspannt und spontan vor Ort abklären.

Wir wünschen viel Erfolg, Malo!

Ly Cao und Natalia Strojny


 

 

Unser Tipp für alle, die auch hier famulieren wollen: Um euch die Frage zu beantworten, "Was für Spenden soll ich mitbringen, was wird gebraucht?", haben wir die Kliniken eine Liste erstellen lassen. Um sicherzustellen, dass die Spende tatsächlich bei den kleineren Nachbarinseln ankommt, solltet ihr die Sachen am besten selbst bringen - sonst bleiben die Pakete vermutlich nur auf der Hauptinsel. Und noch ein Tipp: Viele Fluggesellschaften geben für Spenden Freigepäck - einfach mal anfragen! Kasak, Handschuhe und Mundschutz für euch nicht vergessen! | Copyright privat

Es hat sehr viel Spaß gemacht! Danke!! | Copyright privat

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