Isotopen-Analyse

Maya-Grab: Zahnschmelz verrät das Mordmotiv

In einer mexikanischen Mayastadt fanden Forscher die Überreste von Menschen, die vor rund 1.400 Jahren getötet und zerstückelt wurden. Eine Analyse der Zähne verrät nun, warum sie sterben mussten.

Am Boden eines Wasserspeichers der früheren Maya-Stadt Uxul im heutigen Mexiko fanden Wissenschaftler der Universität Bonn vor mehreren Jahren Knochen von etwa 20 Menschen, die offenbar vor rund 1.400 Jahren getötet und zerstückelt wurden. Eine Strontium-Isotopenanalyse der Zähne von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) ergab nun, dass einige der Getöteten in mindestens 150 Kilometer Entfernung von Uxul aufgewachsen sind.

Zahnschmelz gibt Rückschlusse auf den Heimatort

Strontium wird mit der Nahrung aufgenommen und wie Kalzium in Knochen und Zähne eingelagert. Die Isotopenverhältnisse des Strontiums variieren in Gesteinen und Böden – für unterschiedliche Regionen auf der Erde gibt es deshalb charakteristische Signaturen. "Da die Entwicklung des Zahnschmelzes in früher Kindheit abgeschlossen ist, lässt sich anhand des Strontium-Isotopenverhältnisses auf die Region schließen, in der ein Mensch aufgewachsen ist", sagt Projektleiter Dr. Nicolaus Seefeld von der Universität Bonn.

Von insgesamt 13 Individuen wurden winzige Proben aus dem Zahnschmelz genommen. "Von den restlichen Individuen war es leider nicht möglich, das Strontium-Isotopenverhältnis zu untersuchen, weil die Zähne zu kariös waren und dadurch das Ergebnis verfälscht worden wäre", berichtet Seefeld.

Zahnschmuck aus Jade: Die Opfer hatten eine hohe Stellung

Die Resultate der Isotopenanalyse zeigen, dass der Großteil der Opfer in mindestens 150 Kilometer Entfernung von Uxul im südlichen Tiefland, im Bereich des heutigen Guatemala, aufgewachsen war. Mindestens ein Erwachsener und auch ein Säugling waren jedoch lokale Bewohner aus Uxul. Es handelte sich offenbar überwiegend um Menschen von hoher sozialer Stellung, da acht der Individuen aufwendigen Zahnschmuck aus Jade oder Gravuren in den Schneidezähnen aufwiesen.

Tötung und Zerstückelung als Machtdemonstration

Die neuesten Ergebnisse der Strontium-Isotopenanalyse und der anthropologischen Untersuchungen erlauben nun genauere Rückschlüsse auf die Identität der Opfer und die möglichen Gründe für ihre Tötung. Durch bildliche Darstellungen ritueller Gewalt bei den klassischen Maya ist bekannt, dass die Enthauptung und Zerstückelung von Menschen meist im Kontext von kriegerischen Auseinandersetzungen auftrat.

Diese Darstellungen zeigen häufig siegreiche Herrscher, die bevorzugt die Eliten der unterlegenen Stadt zu Kriegsgefangenen machten, um sie später öffentlich zu demütigen und zu töten. "Deshalb sind die dokumentierten Handlungen aus Uxul nicht als bloßer Ausdruck von Grausamkeit oder Brutalität zu verstehen, sondern als eine Machtdemonstration", erklärt Seefeld.

Die Opfer waren wahrscheinlich Kriegsgefangene

Die plausibelste Erklärung ist, dass es sich bei den meisten bestatteten Individuen um Kriegsgefangene aus einer Stadt im südlichen Maya-Tiefland handelt, die bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Uxul unterlagen. In Folge wurden diese ehemals einflussreichen Individuen nach Uxul gebracht und dort getötet. Seine Ergebnisse stellte Seefeld vor kurzem bei der mitteldeutschen Archäologentagung in Halle und bei der Konferenz "Investigadores de la Cultura Maya" in Campeche in Mexiko vor.

Das Massengrab in der ehemaligen Mayastadt Uxul

2013 entdeckte Dr. Nicolaus Seefeld von der Uni Bonn in der ehemaligen Mayastadt Uxul in Südmexiko bei der Untersuchung des Wasserversorgungssystems einen Brunnen, in dem während des 7. Jahrhunderts n. Chr. die Überreste von etwa 20 Menschen begraben worden waren.

Detaillierte Untersuchungen ergaben, dass neben mindestens 14 Männern und einer Frau auch einige Jugendliche und ein 18 Monate alter Säugling in dem Massengrab bestattet wurden. Beinahe alle Knochen wiesen Schnittspuren und Verletzungen von Steinklingen auf, deren regelhafte Verteilung verdeutlichen, dass man die Individuen in einem systematischen und geplanten Vorgang zerteilt hatte. Sie wurden außerhalb des Wasserspeichers getötet und enthauptet, dann zerteilt und die Körperteile am Grunde des Speichers niedergelegt.

Hitzespuren an den Knochen zeigten, dass die Körper Feuer ausgesetzt wurden – vermutlich um Haut und Muskeln besser ablösen zu können. Menschliche Bissspuren an den Knochen, die auf Kannibalismus hindeuten würden, ließen sich aber nicht nachweisen. Nach der Zerteilung wurden ursprünglich zusammenhängende Körperteile bewusst in möglichst großer Entfernung zueinander niedergelegt. "Darin wird deutlich der Wunsch erkennbar, die physische Einheit der Individuen zu zerstören", sagt Seefeld.

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