Gesellschaft

Produktiv im Alter

Deutschland braucht die Älteren. Wie die Voraussetzungen für ein längeres Arbeitsleben aussehen könnten, haben Forscher vom Berlin-Institut, von der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung in der Studie „Produktiv im Alter“ recherchiert.

Birth, school, work, death? Was die Godfathers 1988 mit ihrem Song schon in den Raum stellten, ist heute offenbar gesetzt: Der heutige Arbeitnehmer stellt sich ganz in den Dienst der Gesellschaft. © VRD - Fotolia.com

In unserer alternden und schrumpfenden Gesellschaft leisten ältere Menschen über ihre Produktivität und ihr Engagement einen immer wichtigeren Beitrag für die Stabilität des Zusammenlebens. Doch was sind die richtigen Rahmenbedingungen für ein längeres Arbeitsleben? Die Wissenschaftler analysierten erfolgversprechende Reformansätze europäischer Länder und gewähren Einblicke in erfolgreiche betriebliche Praxis in Deutschland.

Heute gehen in Deutschland zwar deutlich mehr über 55-Jährige einer bezahlten oder ehrenamtlichen Tätigkeit nach als noch zur Jahrtausendwende. Nordische Länder wie Schweden oder Norwegen schaffen es jedoch, Ältere noch stärker in das Erwerbsleben einzubeziehen.

Bildung - der wesentliche Erfolgsfaktor

„In Deutschland hängt der Erfolg Älterer auf dem Arbeitsmarkt zu stark vom Bildungsstand ab“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. „Zudem ist das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe nicht gelöst.“

Aus den Erfahrungen anderer europäischer Länder zieht die Studie eine Vielzahl von Empfehlungen für die deutsche Politik. So sollte etwa die aktive Arbeitsmarktpolitik noch intensiver die Wiedereingliederung von Arbeitslosen fördern - etwa durch Lohnsubventionen oder persönliche Vermittlung. Auch die gesetzliche Rentenversicherung kann langfristig nur demografiefest gestaltet werden, wenn Gewinne bei der Lebenserwartung nach einem festen Schlüssel auf Erwerbsleben und Ruhestand verteilt werden.

Länger arbeiten - "kein Schreckgespenst"

Neben der Verlängerung des Erwerbslebens sollte ein weiteres Ziel sein, dem Wunsch vieler Menschen nach einem schrittweisen Berufsausstieg entgegenzukommen. „Teilrenten sind hierfür ein geeignetes Mittel“, erläutert Klingholz. „Allerdings sind sie in Deutschland noch wenig bekannt und die Hinzuverdienstregelungen kompliziert.“

„Ein längeres Erwerbsleben muss kein Schreckgespenst sein. Die Menschen in Deutschland werden nicht nur immer älter, sondern altern auch gesünder als früher. Viele Menschen möchten diesen Lebensabschnitt aktiv und sinnvoll gestalten“, sagt Birgit Rößle, Gruppenleiterin „Leben im Alter“ in der Robert Bosch Stiftung.

Erwerbsarbeit und soziales Engagement

„Ältere können vor allem dann einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, wenn das produktive Altern nicht auf Erwerbsarbeit begrenzt, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement unter Älteren gefördert wird“, ergänzt Karin Haist von der Körber-Stiftung.

Für die Studie wurden auch Personalverantwortliche aus verschiedenen Unternehmen in Deutschland befragt, wie ein längeres Erwerbsleben praktisch gelingen kann. Ein Ergebnis der Interviews: Größere Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder BMW verfügen bereits über vielfältige Instrumente, um die Leistungsfähigkeit im Alter zu sichern - wie betriebliche Gesundheitsprogramme oder regelmäßige Fortbildungen. Kleinere Betriebe haben diese Möglichkeiten bislang häufig nicht.

Flexibel, ergonomisch und abwechslungsreich

„Die größte Herausforderung sehen die Praktiker darin, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen und durch Prävention und Weiterbildung schon frühzeitig die Weichen für ein langes Berufsleben zu stellen“, sagt Klingholz. „Ein Arbeitsplatz ist nur dann altersgerecht, wenn es flexible Arbeitszeiten, eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und auch Tätigkeitswechsel im Alter gibt.“

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