US-Studie an Mäusen

Süßgetränke fördern entzündliche Darmerkrankungen

Mäuse, denen sieben Tage lang 10 Prozent Glukose im Trinkwasser verabreicht wurde, entwickelten in einer Studie eine schwere Kolitis. Zum Vergleich: Softdrinks enthalten bis zu 15 Prozent Zucker.

Die aktuelle Studie weist nach Ansicht ihrer Autoren darauf hin, dass Zucker – insbesondere die Glukose in Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt, der in den 1960er Jahren von der Lebensmittelindustrie entwickelt und dann zunehmend zum Süßen von Erfrischungsgetränken und anderen Lebensmitteln verwendet wurde – ein Hauptverdächtiger für die gestiegene Prävalenz von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sein könnte. AdobeStock_ Lunatictm

Die Forschenden fütterten Mäuse sieben Tage lang mit einer Wasserlösung mit einer 10-prozentigen Konzentration verschiedener diätetischer Zucker – Glukose, Fruktose und Saccharose. Sie fanden heraus, dass Mäuse, die entweder genetisch für die Entwicklung einer Kolitis prädisponiert waren oder denen eine Chemikalie verabreicht wurde, die eine Kolitis auslöst, schwerwiegendere Symptome entwickelten, wenn ihnen zuerst Zucker verabreicht wurde.

Ergebnis: Nach sieben Tagen Zuckerbehandlung zeigten diejenigen, die mit Saccharose, Fructose und insbesondere Glucose gefüttert wurden, laut der Studie signifikante Veränderungen in der mikrobiellen Population im Darm. Bakterien, von denen bekannt ist, dass sie schleimabbauende Enzyme produzieren, wurden in größerer Anzahl gefunden, während einige andere Arten, die als gute Bakterien gelten und häufig im Darm vorkommen, wie Lactobacillus, weniger häufig vorkamen.

Prävalenz stieg in den USA seit 1999 um 50 Prozent

Obwohl Glukose die größte Wirkung hatte, „veränderten alle drei einfachen Zucker die Zusammensetzung der Darmmikrobiota grundlegend“, berichtet die Studie. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich die Darmmikrobiota von Menschen und Mäusen bei einer Ernährungsumstellung schnell ändern kann. Die Forschenden planen nun zu untersuchen, ob und wie sich eine hohe Zuckeraufnahme auf die Entwicklung anderer entzündlicher Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Fettlebererkrankungen und neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer auswirkt.

"Kolitis ist ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit in den USA und in anderen westlichen Ländern", sagt Studienleiter Dr. Hasan Zaki in einer Mitteilung des Southwestern Medical Center. "Dies ist aus Sicht der öffentlichen Gesundheit sehr wichtig." Kolitis kann anhaltenden Durchfall, Bauchschmerzen und Rektalblutungen verursachen.

Die Zahl der an einer entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidenden amerikanischen Erwachsenen steig nach Angaben von US-Behörden von 2 Millionen im Jahr 1999 auf 3 Millionen im Jahr 2015. Darüber hinaus zeigt sich nun auch Kolitis bei Kindern, die historisch nicht darunter gelitten haben, erklärt Dr. Zaki.

Fazit: Westlicher Ernährungsstil ist ein Risikofaktor

Aufgrund der viel höheren Prävalenz der Krankheit in westlichen Ländern haben Forscher die westliche Ernährung – reich an Fett, Zucker und tierischem Eiweiß – als möglichen Risikofaktor angesehen, sagt Zaki. Während festgestellt wurde, dass fettreiche Ernährungsgewohnheiten Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auslösen können, sei die Bewertung von Zucker kontroverser gewesen, sagt er.

Die aktuelle Studie weise jedoch darauf hin, so die Autoren, dass Zucker – insbesondere die Glukose in Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt, der in den 1960er Jahren von der Lebensmittelindustrie entwickelt und dann zunehmend zum Süßen von Erfrischungsgetränken und anderen Lebensmitteln verwendet wurde – ein Hauptverdächtiger ist.

Shahanshan Kahn et al., "Dietary simple sugars alter microbial ecology in the gut and promote colitis in mice", Science Translational Medicine, 28 Oct 2020, DOI: 10.1126/scitranslmed.aay6218

35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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