Umfrage des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb)

Viele Lebensmittelkonzerne verzichten freiwillig auf Titandioxid

Nachdem Frankreich die Verwendung von Titandioxid in Lebensmitteln seit Januar verboten hat, wollen in Deutschland viele Hersteller den umstrittenen Weißmacher aus ihren Produkten verbannen. Aber nicht alle.

Bei strahlend weißen Lebensmitteln mussten Verbraucher bisher die Zutatenliste auf das umstrittene Titandioxid prüfen . Jetzt wollen viele Hersteller freiwillig auf den Farbstoff E 171 verzichten. AdobeStock_numeristes

Der Weißmacher – auch bekannt als Zusatzstoff E 171 – verbessert aus Herstellersicht Optik und Eigenschaften von Tabletten, Kaugummis, Süßigkeiten, Mozzarella, Marshmallows und diversen Backzutaten. Doch Titandioxid steht im Verdacht, potenziell krebserregend zu sein. Als erstes Land der EU hat Frankreich den Verkauf von Lebensmittel mit Titandioxid für ein Jahr untersagt.

Im Tierversuch führte die Aufnahme von Titandioxid bei Mäusen mit Darmerkrankung zu mehr Entzündungen. Forscher raten Patienten mit Darmentzündungen auf Nahrungsmittel mit dem Farbstoff zu verzichten.

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Eine Umfrage des rbb-Verbrauchermagazins "SUPER.MARKT" unter 17 großen Herstellern ergab jetzt, dass die Produzenten Günthart, Haribo, Lambertz, Mars, Mondelez und Dr. Oetker gerade ihre Rezepturen für den deutschen Markt überarbeiten.

Dr. Oetker versicherte dem rbb-Verbrauchermagazin, dass Titandioxid ab dem Ende des ersten Quartals 2020 nicht mehr verwendet werde. Der Hersteller Mars äußerte, dass alle in Europa hergestellten Süßwaren bis Juni 2020 frei von Titandioxid sein würden. Diese Unternehmen folgen damit der Konkurrenz, berichtet der rbb, denn Bahlsen, Unilever, Nestlé, Ferrero, Ritter Sport, Kellogg´s und Danone verzichten bereits freiwillig auf den Einsatz von Titandioxid.

Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keinen Anlass für Bedenken

Die Umfrage des rbb-Verbrauchermagazins ergab aber auch, dass andere Hersteller, darunter Storck, Reinhardt und Dekoback, an dem Zusatzstoff festhalten. Sie verwiesen auf die extrem geringe Menge E 171 in einzelnen Produkten und die Datenlage. Solange der Stoff in Deutschland nicht verboten ist, sehe man keinen Grund die Rezepturen zu verändern. Man beobachte den Gesetzgeber, teilen sie mit.

Nachfragen des rbb-Verbrauchermagazins beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergaben, dass man dort keinen Anlass für ein Verbot sehe. Lebensmitteltoxikologe Dr. Rainer Gürtler erklärte: "Aus Sicht des BfR kann man sagen, dass die Datenlage zu Titandioxid nicht ganz optimal ist. Da gibt es noch gewissen Forschungsbedarf. Aber die Daten, die bisher verfügbar sind, geben auch keinen Anlass für gesundheitliche Bedenken."

BUND hält E171 für Auslöser entzündlicher Reaktionen im Darm

Rolf Buschmann, Umweltexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, hält den Farbstoff dagegen für unnötig und für bedenklich. "Titandioxid und andere Nanomaterialien, die über die Nahrung aufgenommen werden, können im Magendarmbereich, das ist in Tierversuchen so nachgewiesen worden, entzündliche Reaktionen hervorrufen. Demzufolge sind Patienten oder Personen die vielleicht schon eine entzündliche Magendarmerkrankung haben, zum Beispiel Morbus Crohn, besonders gefährdet, weil ihre entzündlichen Reaktionen im Magendarm durch diese Materialien noch zusätzlich verstärkt werden können."

Die Industrie wehrt sich jedoch gegen ein Verbot. Aktuell ist Titandioxid Bestandteil von Farben, Lacken, Kosmetika wie Sonnencreme und Zahnpasta, Lebensmitteln aber auch Kunststoffen, Gummi und Papier. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie aus dem Jahr 2018 ist Deutschland weltweit das drittgrößte Produktionsland von Titandioxid, nach den USA und China. Die Produktion hierzulande beträgt 480.000 Tonnen – pro Jahr.

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