Umfrage zum Weltfrauentag

Von wegen Gleichberechtigung!

Wie sieht es mit der Gleichstellung zwischen Mann und Frau aus? Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt, dass generell eher Männer in der Gesellschaft Vorteile genießen. Das besagt eine aktuelle Umfrage zum Weltfrauentag.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) gibt an, dass generell eher Männer in der Gesellschaft Vorteile genießen. Männer und Frauen unterscheiden sich hier deutlich: Während zwei Drittel der Frauen (67 Prozent) finden, dass Männer mehr Vorteile genießen, sind nur vier von zehn Männern (42 Prozent) dieser Meinung. Nur eine Minderheit von zehn Prozent der Deutschen ist der Meinung, dass Frauen generell mehr Vorteile genießen.

Das sind die Kernergebnisse einer Umfrage, die das SINUS-Institut mit YouGov zum diesjährigen Weltfrauentag am 8. März erstellt hat. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Befragung der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.008 Personen zwischen dem 10. und 16. Februar 2020 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren.

Oups: Mehr Männer als Frauen nehmen die Gleichberechtigung wahr

Dennoch: Die Gleichstellung der Frau hat sich offenbar verbessert. Die Befragten sehen sie durchschnittlich zu 61 Prozent verwirklicht (Männer: 66 Prozent gegenüber Frauen: 56 Prozent).

Inwiefern unterscheidet sich aber die wahrgenommene Gleichstellung von Frau und Mann in verschiedenen Lebensbereichen? 67 Prozent der Deutschen sehen eine Gleichstellung beider Geschlechter im privaten Umfeld, ein Viertel (26 Prozent) tut dies nicht. Dabei sind 76 Prozent der Männer der Ansicht, dass Frauen und Männer im Privaten gleichgestellt sind - gegenüber 58 Prozent der Frauen.

Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass in der Politik eine Gleichstellung zwischen Frauen und Männern besteht. Ähnlich sieht es im medialen Umfeld aus: 51 Prozent finden, dass Frauen und Männer in den Medien als gleichwertig dargestellt werden.

Gleichstellung im Beruf? In weiter Ferne ...

Anders stellen sich die Umfrageergebnisse jedoch im Beruflichen dar: Zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) geben an, dass Frauen und Männer im beruflichen Umfeld nicht gleichgestellt sind. Besonders die Frauen (76 Prozent) lehnen die Aussage, dass die Geschlechter im Beruf gleichgestellt sind, deutlich stärker ab als Männer (53 Prozent). Generell zeigen die Daten, dass Männer die Gleichstellung im privaten, politischen, medialen sowie beruflichen Umfeld stets positiver bewerten als Frauen.

Die Antwort auf die Frage, ob für Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft eine Frauenquote existieren solle, fällt ambivalent aus: 44 Prozent der Deutschen befürworten diese, 43 Prozent lehnen sie ab. Beim Blick auf die Geschlechter sind die Meinungen jedoch eindeutiger: 56 Prozent der Männer sind gegen die Frauenquote, bei den Frauen sind es nur 30 Prozent.

Ist der Weltfrauentag wichtig?

70 Prozent der Befragten haben bereits vom Weltfrauentag gehört. Sechs von zehn Deutschenfinden es wichtig, dass es den Internationalen Frauentag gibt, um sich für Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter stark zu machen. Allerdings finden 34 Prozent aller Befragten den Aktionstag nicht wichtig.

„Im Hinblick auf die Geschlechter zeigen die Daten einen deutlichen Unterschied“, sagt Philipp Schneider, Head of Marketing bei YouGov. „Zwei von drei Frauen schreiben dem Weltfrauentag Wichtigkeit zu, im Gegensatz dazu nur etwas mehr als jeder zweite Mann. Hier wird deutlich, dass Unternehmen, die den Weltfrauentag in ihre Unternehmenskommunikation integrieren, ihre Zielgruppe und deren Wertmaßstäbe kennen müssen.“

Der Umfrage zufolge wird die Gleichstellung von Mann und Frau von verschiedenen sozialen Gruppen sehr unterschiedlich wahrgenommen – das zeigt die Analyse nach dem Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus®, ein Modell, das das Sinus-Institut zur Analyse von Lebenswelten entwickelt hat. Die soziokulturell modernen Milieus sehen den Ergebnissen zufolge deutlich mehr Handlungsbedarf als die traditionsorientierten Milieus.

Die größte Kritik an fehlender Gleichstellung äußert demnach das Milieu der Sozialökologischen. Diese der Sinus-Definition nach stark postmateriell-geprägte Gruppe besteht aus starken Verfechtern sozialer Gerechtigkeit und Diversität. Den kleinsten Handlungsbedarf erkennt hingegen die Gruppe der Konservativ-Etablierten. Das ist der Definition nach das klassische Establishment der Gesellschaft, wo man an einer traditionellen Rollenverteilung festhält.

In Deutschland hat 2018 einzig das Bundesland Berlin den Frauentag zum Feiertag erklärt. 43 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass dieser Tag in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag werden sollte, 48 Prozent sind nicht dieser Meinung.

SINUS-Institut und YouGov

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH hat ihren Sitz in Heidelberg und Berlin. SINUS ist spezialisiert auf sozialwissenschaftliche Forschung und strategische Marketing- und Kommunikationsberatung. Das Institut entwickelt Zielgruppen-Strategien für Unternehmen und Institutionen. Ein zentrales Tool dafür sind die vom Institut entwickelten sogenannten Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst.

YouGov ist eine internationale Data and Analytics Group mit Sitz in London. Das Unternehmen arbeitet hauptsächlich mit Online-Umfragen. Die Daten basieren auf einem Panel, bestehend aus weltweit sieben Millionen Menschen. Mit 36 Standorten in 22 Ländern und Panelmitgliedern in 44 Ländern verfügt YouGov eigenen Angaben zufolge über eines der zehn größten Marktforschungsnetzwerke weltweit.

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