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Aids: Globales Medienereignis

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt in einer Ausstellung, wie die Epidemie Aids in kurzer Zeit zu einem globalen Medienereignis wurde. Provokante Plakate zeigen die Krankheit als mediales Phänomen.

Plakat zur Ausstellung "AIDS nach einer wahren Begebenheit" des Deutschen Hygiene Museums in Dresden. DHMD

links: „Kann ich Dich zu sicherem Sex überreden?“, fragt ein nackter junger Mann, der 1995 großformatig auf einem niederländischen Plakat zu sehen ist. In lässiger Haltung sitzend, schaut er lächelnd in die Kamera. Sein Körper ist übersät mit dunklen Pusteln und Wunden. rechts: "AIDSGATE" 1987: Das erste Plakat von ACT UP (Projekt homosexueller Aktivisten, USA) stilisiert das lange Schweigen des damaligen US-Präsidenten Reagan zu einer politischen Affäre und erinnert an den Watergate-Skandal, der in den 1970er Jahren den früheren Präsidenten Nixon zum Rücktritt zwang. [M]zm-DHMD
Sie hießen Mondos Gold, Mondos Silber oder Mondos Luxus. Der "hygienische Gummischutz" - den Begriff Kondom gab es in der DDR nicht - wurde vom VEB Gummiwerke Werner Lamberz, Plastina Erfurt hergestellt. In Apotheken, Drogerien und Tante-Emma- Läden waren Kondome erhältlich. Wem das zu indiskret war, bestellte beim H.Kästner Versand. Das Dresdner Familienunternehmen versendete zu DDR Zeiten jährlich 2 Millionen Kondome. [M]zm-DHMD
links: Plakat "Human immunodeficiency virus (HIV-1)" Du Pont Company, Wilmington, USA, 1990 rechts: "Good boys always wear their rubbers" 1986, USA: Dieses Plakat wirbt auf humorvolle Art für Safer Sex. Die Gestalter spielen mit der Doppeldeutigkeit des Wortes „rubber“, das „Gummistiefel“ aber auch „Kondom“ bedeuten kann. Allerdings entspricht es nicht dem Anspruch der Behörden, AIDS als gesamtgesellschaftliches Problem darzustellen. Es landet in der Schublade. Jedoch findet eine andere, nicht-staatliche AIDS-Organisation Gefallen an dem Motiv und verteilt es unter ihrem Namen in Schulen, Krankenhäusern und Beratungsstellen in Oregon. Mitte der 1990er Jahre verbreitet sich das Motiv auch in anderen Teilen des Landes: Die Stadt Chicago legt es 1994 für ihre eigene Aufklärungskampagne wieder auf. [M]zm-DHMD
links: Das Plakat "Le Sida ne pardonne pas soyons tres vigilants" (AIDS ist tödlich - Seien Sie sehr wachsam) wurde vom marokkanischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben. rechts: Silence = Death. Einer der bekanntesten Slogans, der mit dem Project Act Up in Verbindung gebracht wird. Das pinkfarbene Dreieck steht für homosexuelle Aktivisten in den 1970er Jahren in den USA. Das Project Act Up riefen sechs Homosexuelle 1987 in New York ins Leben. Mit gewagten Plakataktionen sorgten sie für Aufsehen. [M]zm-DHMD
In den 1980er Jahren stellten sich viele Menschen die Frage, was Safer Sex überhaupt bedeutet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) definiert den Begriff wie folgt: "Safer Sex ist das verantwortungsvolle Verhalten und eine wirksame Methode, um beim Sex eine Infektion mit HIV zu vermeiden sowie das Risiko einer Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zu verringern." [M]zm-DHMD
links: "Rubbers are bringing men together again. Condoms. Use them." 1986, GMHC New York: Das Plakat wird 1986 von der Gay Men’s Health Crisis (GMHC), einer der weltweit ersten Betroffenen-Organisationen aus New York, herausgegeben. Die Darstellung des klassisch schönen Körpers als Torso soll Safer Sex sexy machen und die Bedeutung von Kondomen für Männer, die Sex mit Männern haben, hervorheben. Außerdem informiert das Plakat über die Telefon-Hotline, die die GMHC anfangs über einen privaten Telefonanschluss betreibt. Sie zählt über 100 Anrufer in der ersten Nacht! Die 1982 gegründete GMHC zählt heute zu den führenden AIDS-Organisationen. Sie verfügt über ein Spendenvermögen von mehreren Millionen Dollar. rechts: "Dress fort he occasion" 1988, San Francisco: Dieses Plakat wird in den Clubs und Bars der Stadt verteilt und ist auch im öffentlichen Raum an Straßenlaternen weithin sichtbar. Auch wenn das Motiv selbst im freizügigen San Francisco eher unüblich ist, stößt es hier kaum auf Empörung. In Idaho, wo es 1993 im Rahmen einer AIDS-Plakat-Ausstellung zu sehen ist, ruft es ganz andere Reaktionen hervor. Eine Regionalzeitung veröffentlicht eine Polemik gegen das Plakatmotiv: „Es nutzt nicht den Zielen der AIDS-Aufklärung, sondern verletzt religiöse Gefühle. Es ist wertloser, diskriminierender und anstößiger Abschaum, Geldverschwendung und eine Zumutung für die amerikanischen Bürger.“ [M]zm-DHMD
Im Zuge der AIDS-Aufklärung war es wichtig, der Bevölkerung die korrekte Benutzung von Kondomen zu vermitteln. Denn nur sie schützen vor HIV/Aids und verringern das Risiko einer Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen. [M]zm-DHMD
links: Mit der Sonderausstellung möchte das Deutsche Hygiene Museum dafür sensibilisieren, dass sich die Notwendigkeit einer individuellen und gesellschaftlichen Beschäftigung mit AIDS keineswegs erledigt hat. rechts: "Combat readiness / Condom readiness", 1986-1995, Uganda: Das Plakat zeigt einen Soldaten der Kampfbereitschaft symbolisiert. Das abgebildete Kondom soll gleichzeitig zur Kondombereitschaft aufrufen. [M]zm-DHMD
Verschiedene Zeitschriften-Cover thematisieren die AIDS-Erkrankung des Schauspielers Rock Hudson. Die Mitteilung über Hudsons HIV-Infektion und seine Homosexualität sorgte im Juli 1985 – vor knapp 30 Jahren - für ein bis dato ungekanntes mediales Interesse an AIDS. [M]zm-DHMD

Die Ausstellung "Aids - Nach einer wahren Begebenheit" ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der bekannten Szenarien des Aktivismus und der Krankheitsgeschichte. Ihr voran ging ein anderthalbjähriges Forschungsprojekt mit dem Titel "Aids als globales Medienereignis", welches vom Kurator der Ausstellung geleitet wurde.

Mit rund 10.000 Aids-Plakaten aus über 147 Ländern ist es erstmals möglich die Entwicklung der Krankheit hin zum medialen Ereignis auf internationaler Ebene zu betrachten. Aufgrund dieses besonderen Blickwinkels lassen sich die konkreten, politischen, wirtschaftlichen, ästhetischen und sozialen Entstehungsbedingungen der Aufklärungsplakate nachvollziehen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir eine Auswahl der Plakate, die neugierig auf einen Besuch der Ausstellung machen.

Die Ausstellung läuft vom 5. September 2015 bis 21. Februar 2016 im Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Mehr Informationen gibt es auf der Website des Museums.

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