Nachricht

Gröhe: Pharmaindustrie muss Verantwortung übernehmen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat an die Arzneimittelindustrie appelliert, mehr gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen.

"Der Missbrauch von Marktmacht einzelner Unternehmen zulasten der Versichertengemeinschaft ist nicht akzeptabel", schrieb Gröhe im "Handelsblatt". Hintergrund ist der starke Anstieg der Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im ersten Halbjahr, der zu einem großen Teil auf ein sehr teures, aber anerkannt wirksames Medikament gegen Hepatitis C zurückgeht.

Die Zeitung zitierte Krankenkassenkreise, die davon ausgehen, dass allein dieses Medikament zu Mehrausgaben für Arzneimittel bei den Krankenkassen von einer Milliarde Euro führen werde. Gröhe schrieb, er wolle dafür sorgen, dass auch in Zukunft Innovationen allen Bürgern schnell zur Verfügung stehen. "Es ist ein großer Erfolg, dass medizinische Innovationen in Deutschland zumeist schnell Teil der Regelversorgung werden. Das muss auch in Zukunft so bleiben."

Forschungsbedarf zu Antibiotikaresistenz

Indirekt kritisierte Gröhe die Industrie dafür, dass ihre Innovationen "keineswegs automatisch neuen medizinischen Herausforderungen und Patientenbedürfnissen" gerecht würden. "In Europa sterben jedes Jahr 25.000 Menschen infolge einer Antibiotika-Resistenz. Doch nur noch wenige Hersteller investieren in die Entwicklung neuer Antibiotika." 

Gröhe, Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer, haben heute den Startschuss für den Pharma-Dialog mit Vertretern der Arzneimittelhersteller und der Wissenschaft gegeben. Ziel des Pharma-Dialogs ist es, den Pharma-Standort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion zu stärken, um auch weiterhin eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittel-Versorgung in Deutschland sicherzustellen.

Austauschplattform für drängende Fragen der Branche
 
„Unsere steigende Lebenserwartung beruht zu einem erheblichen Teil auf der Entwicklung neuer Medikamente. Damit sich die Patientinnen und Patienten auch in Zukunft auf hochwertige Medizin verlassen können, brauchen wir weiterhin einen starken Pharma-Standort Deutschland", so Gröhe. "Wir brauchen gute Bedingungen für Forschung und Entwicklung genauso wie einen Austausch über drängende Fragen, wie den Umgang mit Lieferengpässen und den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Der Pharma-Dialog bietet uns dafür eine Plattform.“