So gelingt die Anbindung

In vier Schritten zur Telematikinfrastruktur

In den kommenden Monaten sollen alle Praxen an Deutschlands größtes elektronisches Gesundheitsnetz angeschlossen werden. Die KZBV erklärt, wie Ihnen in vier Schritten die Anbindung an die Telematikinfrastruktur gelingt.

kirill makarov - Fotolia

Anfang Juni hat die Gesellschafterversammlung der gematik den Produktivbetrieb der Telematikinfrastruktur mit der ersten Anwendung "Versichertenstammdatenmanagement" (VSDM) freigegeben - jetzt sind Hersteller und Dienstleister am Zug, die nötige Technik bereitzustellen. Die gematik geht davon aus, dass die ersten Konnektoren und Kartenterminals ab Herbst 2017 auf dem Markt sein werden - dann kann die Ausstattung der Praxen beginnen.

Die KZBV rät Praxisinhabern jedoch, sich bereits jetzt mit der Umstellung auseinanderzusetzen. In einer Checkliste sind die vier wesentlichen Schritte zusammengefasst, wie die Anbindung an die Telematikinfrastruktur gelingt:


Checkliste: So machen Sie Ihre Praxis fit

Holen Sie sich ein Angebot für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb ein, dass Sie umfassend prüfen.

Beachten Sie dabei unter anderem folgende Punkte:

• Fragen Sie bei Ihrem PVS-Hersteller nach, ab wann er die Integration der Komponenten und Dienste in das Praxsisverwaltungssystem bereitstellen kann. Diese sind für den Anschluss an die TI ebenso erforderlich wie ein Internetanschluss.

• Sind die Kosten mit der Pauschale für das Standard-Erstausstattungspaket gedeckt? Bedenken Sie, dass sich die Höhe der Pauschale danach richtet, wann die Komponenten und Dienste in der Praxis in Betrieb genommen wurden und nicht danach, wann Sie die Technik bestellt haben. Lassen Sie sich deshalb schon im Vertrag zusichern, in welchem Quartal die Geräte installiert werden.

• Wird ein kostenloses Update beziehungsweise ein Austausch des Konnektors für die Funktion der qualifizierten elektronische Signatur (QES) angeboten? Darauf sollten sie achten, da die Kalkulation der Pauschalen des Standard-Erstausstattungspaketes auf der Grundlage eines QES-fähigen Konnektors erfolgt ist. Dieser Konnektor ist geeignet und entsprechend sicherheitszertifziert, um die qualifizierte elektronische Signatur zu ermöglichen, welche der handschriftlichen Unterschrift in der Papierwelt gleichgestellt ist. Frühzeitig gelieferte Produkte verfügen ggf. noch nicht über die Funktion und müssen daher ein Update erhalten, bzw. ausgetauscht werden.

• Ist bei einem Defekt ein zeitnaher Austausch der Geräte (Konnektor, Kartenterminal, Praxisausweis) vorgesehen?

• Ist auch eine Schulung des Praxispersonals vorgesehen?

• Wird in einem Paket auch ein „VPN-Zugangsdienst“ inklusive einem sicheren Zugang zum Internet („Secure Internet Service“, SIS) angeboten? Der sichere Zugang zum Internet ist optional von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt wählbar, muss vom Dienstleister aber obligatorisch angeboten werden.

Für die Anmeldung in der TI benötigen Sie einen Praxisausweis (SMC-B). Bestellen Sie den Ausweis rechtzeitig über Ihre KZV bei einem zugelassenen SMC-B Anbieter, damit er zusammen mit der PIN zur Installation des TIAnschlusses vorliegt. Es muss mit einem Zeitraum von etwa vier Wochen zwischen Beantragung und Auslieferung der SMC-B gerechnet werden.

Vereinbaren Sie einen Termin für die Installation. Halten Sie für die Installation die Administrator-Passwörter für die Praxis-IT, die Passwörter für Internet und Internet- Router sowie die PIN für den Praxisausweis bereit. Nach dem Anschluss können Sie den Versichertenstammdatenabgleich durchführen.

Hinweis: Erster Ansprechpartner für die Installation sollte Ihr IT-Dienstleister sein. Dieser kann sehr gut beurteilen, wann für Sie und Ihre Praxis ein guter Zeitpunkt für einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur ist.

Das Geld für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb erhalten Sie über Ihre KZV. Diese wird Sie auch über das konkrete Verfahren informieren.

Quelle: KZBV-Broschüre "Anbindung an die Telematikinfrastruktur"


Nach den bislang geltenden gesetzlichen Vorgaben muss ab dem 1. Juli 2018 das VSDM in allen Praxen möglich sein. Für diesen Datenabgleich ist ein Anschluss an die TI zwingend erforderlich. Im Falle der Nichtdurchführung des VSDM droht den Praxen ein Honorarabzug in Höhe von einem Prozent.


Das benötigen Praxen für den Anschluss

Funktion: Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor. Er ähnelt einem DSL-Router, arbeitet allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Er stellt ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI her, das eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet ermöglicht. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem PVS per Netzwerk verbunden. Es dürfen nur Geräte verwendet werden, die von der gematik zugelassen sind.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Pauschale für das Standard-Erstausstattungspaket enthalten. Pro Praxisstandort wird ein Konnektor finanziert, mit dem die komplette Praxis an die TI angebunden wird. Bei mehr als einem Praxisstandort können zusätzliche Konnektoren erstattet werden.

Erhältlich ab: Die Anforderungen an den Konnektor sind sehr hoch. Nach derzeitigem Stand ist davon auszugehen, dass die Industrie den ersten zertifizierten Konnektor ab Herbst 2017 auf den Markt bringen wird. Mit diesem Gerät wird es allerdings noch nicht möglich sein, eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) durchzuführen, die unter anderem für die rechtssichere, elektronische Unterschrift medizinischer Daten benötigt wird. Hier ist später ein Update oder ein Austausch der Komponenten nötig. Bei Vertragsabschluss muss darauf geachtet werden, dass dies bereits im Vertrag zugesichert ist. Konnektoren weiterer Hersteller werden nach Angaben der gematik im zweiten Quartal 2018 erwartet.

Bezug / Ansprechpartner: Zahnärztinnen und Zahnärzte wenden sich vor der Bestellung am besten zunächst an ihren PVS-Hersteller beziehungsweise ihren Systembetreuer, da für den Anschluss an die TI auch das PVS angepasst werden muss. Die gematik wird auf ihrer Website www.gematik.de veröffentlichen, welche Konnektoren zugelassen sind.

Funktion: Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um Online-Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen zu können – zunächst das VSDM. Über die Geräte erfolgt auch die Anmeldung der Praxis an der TI. Dazu wird der neue Praxisausweis (SMC-B) in das Kartenterminal gesteckt. Der elektronische Heilberufeausweis kann ebenfalls über die Terminals eingelesen werden. Die Geräte müssen von der gematik zugelassen sein. Anders als heutige Kartenterminals werden die neuen Terminals über eine Netzwerkschnittstelle mit dem Konnektor kommunizieren und nicht mehr direkt via USB an das PVS angeschlossen werden.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Pauschale für das Standard-Erstausstattungspaket enthalten. Pro Kartenterminal stehen 435 Euro zur Verfügung. Dabei können Praxen abhängig von der Praxisgröße und der dort am Praxisstandort tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte bis zu drei Geräte erhalten. Maßgebend für die Zuordnung zu einer der Stufen ist die Zahl der am Praxisstandort tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte. Zahnärzte sind in diesem Sinne sowohl Vertragszahnärzte, also auch angestellte Zahnärzte, welche vertragszahnärztliche Leistungen bei einem Beschäftigungsumfang von mindestens 20 Stunden pro Woche erbringen. 1-3 Zahnärzte erhalten ein Kartenterminal, 4-6 Zahnärzte haben Anspruch auf 2 Terminals, bei 7 und mehr Zahnärzten besteht ein Anspruch auf 3 Geräte.

Erhältlich ab: Erste zugelassene Geräte sollen im Herbst 2017 verfügbar
sein.

Bezug / Ansprechpartner: Erster Ansprechpartner für Zahnärztinnen und Zahnärzte sollte auch hier der PVS-Hersteller oder Systembetreuer sein. Die gematik wird auf ihrer Website www.gematik.de veröffentlichen, welche Kartenterminals zugelassen sind.

Funktion: Zahnärztinnen und Zahnärzte, die Haus- und Pflegeheimbesuche durchführen, erhalten auch ein mobiles Kartenterminal, wenn die Praxis gegenüber der zuständigen KZV entweder mindestens 30 Besuchsfälle im Vorjahr bzw. im aktuellen Jahr oder den Abschluss eines Kooperationsvertrages mit einer Pflegeeinrichtung gem. § 119b Abs. 1 SGB V nachweist, welcher den Anforderungen der Rahmenvereinbarung nach § 119b Abs. 2 SGB V entspricht. Diese Geräte arbeiten ausschließlich im Offline-Betrieb: Eine Prüfung und Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist damit nicht möglich. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird ein weiterer Praxisausweis oder ein elektronischer Heilberufsausweis zum Zugriff auf die Karte benötigt.

Finanzierung: Die Geräte werden mit 350 Euro finanziert, zuzüglich der Kostenerstattung für den elektronischen Praxisausweis im Rahmen der Betriebskostenpauschale.

Erhältlich ab: Da erst im Verlauf des Jahres 2018 mit neuen mobilen Kartenlesegeräten zu rechnen ist, können Bestandsgeräte vorerst weiterverwendet werden. Mobile Kartenterminals können zeitlich unabhängig von den anderen Komponenten bestellt, angebunden und abgerechnet werden.

Bezug / Ansprechpartner: Auch hier ist der erste Ansprechpartner der PVS-Hersteller oder Systembetreuer. Die gematik wird auf ihrer Website www.gematik.de veröffentlichen, welche mobilen Kartenterminals zugelassen sind.

Funktion: Den Praxisausweis benötigen Praxen zur Registrierung als medizinische Einrichtung, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Die Karte wird bei der Installation der TI-Technik in eins der Kartenterminals gesteckt und über eine PIN aktiviert. Es wird daher je Standort eine SMC-B benötigt, das heißt bei Einzelpraxen und Berufsausübungsgemeinschaften mindestens eine, bei überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften und Zweigpraxen in der Regel eine je Standort, um von jedem Standort aus einen Zugriff auf die Versichertenstammdaten zu erhalten. Weitere Informationen zum Thema Praxisausweis können sie auf der Webseite der KZBV unter www.kzbv.de/elektronische-gesundheitskarte.92.de.html einsehen.

Finanzierung: Für den Praxisausweis (SMC-B) werden 8 Euro pro Monat erstattet. Damit sind die Kosten komplett abgedeckt. Für ein mobiles Kartenterminal wird ein weiterer Praxisausweis finanziert. Die verwendeten Karten sind in der Regel fünf Jahre gültig, dann müssen sie gegen neue Karten ausgetauscht werden.

Bezug / Ansprechpartner: Damit sichergestellt ist, dass nur berechtigte Nutzer den Zugang zur TI erhalten, gelten für die Ausgabe der Praxisausweise besondere Sicherheitsanforderungen. Die SMC-B wird über die für die Praxis zuständige KZV bei einem dafür von der KZBV zugelassenen Anbieter online beantragt. Hierfür stellt die KZV in einem geschützten Bereich ihres Internetportals entsprechende Informationen und Links zur Verfügung. Die jeweilige KZV wird die Praxen informieren, wann sie die SMC-B beantragen sollten und den genauen Beantragungsweg mitteilen. Nachdem der Antrag gestellt wurde, bestätigt die KZV gegenüber dem SMCB-Anbieter, dass der jeweilige Antragsteller eine von ihr zugelassene Vertragszahnärztin oder ein von ihr zugelassener Vertragszahnarzt ist und damit das Attribut „Zahnarztpraxis“ in die SMC-B aufgenommen werden darf.

Erhältlich ab: Es ist damit zu rechnen, dass die Karten ab Herbst 2017
verfügbar sind.

Funktion: Für den Zugang zur TI benötigen Praxen einen speziellen VPN-Zugangsdienst – ähnlich einem Internetprovider, der den Zugang zum Internet bereitstellt. Auch diese Dienste müssen sich von der gematik zertifizieren lassen und werden dann in deren Zulassungsliste aufgeführt.

Finanzierung: Die monatlichen Kosten für den VPN-Zugangsdienst werden durch die ausgezahlte monatliche Pauschale des Standard-Betriebspaketes abgegolten. In dieser Pauschale sind auch die Kosten für die Wartung und nötige Updates des Konnektors enthalten.

Bezug / Ansprechpartner: Erster Ansprechpartner ist auch hier der PVS-Hersteller beziehungsweise Systembetreuer der Praxis. Die gematik wird auf ihrer Website www.gematik.de veröffentlichen, welche VPN-Zugangsdiensteanbieter zugelassen sind.

Funktion: Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss aktualisiert werden, um eine Verbindung zur TI zu ermöglichen und die Versichertendaten der eGK importieren zu können. Dieses Update ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte der TI Anbindung.

Finanzierung: Die Kosten für das Update sind in der TI-Startpauschale (900 Euro) enthalten. Diese Pauschale soll auch die Kosten für die Installation und damit zusammenhängende Ausfallzeiten der Praxis und für Schulungen der Mitarbeiter abdecken.

Bezug / Ansprechpartner: Die PVS-Hersteller sind unterschiedlich weit bei der Entwicklung des notwendigen Updates vorangeschritten. Zahnarztpraxen sollten deshalb zunächst Kontakt zu ihrem PVS-Hersteller aufnehmen und sich erkundigen, wann das Update für ihr PVS zur Verfügung stehen wird. Es kann bereits im Vorfeld der Installation des Konnektors erfolgen.

Funktion: Der eHBA ist für den Zugang zur TI keine Pflicht, wird aber für einige spätere und insbesondere medizinische Anwendungen der TI benötigt. Bereits heute bieten einige Landeszahnärztekammern den eHBA an. Der eHBA wird auch die kartenbasierte Authentisierung ermöglichen, welche einige KZVen zur Anmeldung an ihren Internet Portalen nutzen, ermöglichen.

Finanzierung: Für den eHBA erhalten Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte eine Pauschale in Höhe einer Einmalzahlung von 233 Euro für 5 Jahre.

Bezug / Ansprechpartner: Für Informationen zur Verfügbarkeit des eHBA sollten sich Zahnärzte an ihre zuständige Landeszahnärztekammer wenden.

Quelle: KZBV-Broschüre "Anbindung an die Telematikinfrastruktur"


Da dieser verbleibende Zeitraum von weniger als einem Jahr extrem eng ist, um die Praxen aller Zahnärzte, Ärzte und Psychotherapeuten mit der neuen Technik auszustatten, haben sich die KZBV und die KZVen für eine Fristverlängerung eingesetzt. Dieser Forderung will das Bundesgesundheitsministerium nachkommen und hat eine Rechtsverordnung zur Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr – also bis zum 31. Dezember 2018 – auf den Weg gebracht. Die Fristverlängerung ist allerdings noch nicht in Kraft getreten.

Die Broschüre „Anbindung an die Telematikinfrastruktur – Informationen für Ihre Praxis“ steht hier im PDF-Format zum kostenlosen Download bereit. Weitere Informationen zu verschiedenen Themen der Telematikinfrastruktur (Vergütung, laufend aktualisierte FAQ-Listen usw.) finden Sie zudem auf der Website der KZBV unter der Rubrik "elektronische Gesundheitskarte".

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