KBV stellt Arztzeituhr vor

"Mit jeder Minute verlieren wir 474 Minuten Arztzeit!"

Mit einer symbolischen "Arztzeituhr" wendet sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gegen Vorgaben des geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG). Ihrer Meinung nach werden durch massive Eingriffe des Gesetzgebers in Praxisabläufe die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Ärzte immer unattraktiver.

"Mit diesem rückwärtslaufenden Countdown wollen wir ein Signal setzen. Rein rechnerisch verschwinden mit jeder Minute insgesamt 474 Arztzeitminuten", beschrieb Dr. Stephan Hofmeister (rechts), stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, den Funktionsmechanismus der Uhr. Von links: Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel und der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen. KBV/Tabea Breidenbach

 

"Ich habe eine Zahl für Sie", eröffnete KBV-Chef Dr. Andreas Gassen die Veranstaltung im Haus der KBV in Berlin, "sie lautet: 40.000! Das ist in Arztköpfen ausgedrückt - oder, wie wir es etwas technisch nennen: Vollzeitäquivalente - die Menge an Behandlungszeit, die uns auf einem Schlag verloren gehen könnte. Dann nämlich, wenn plötzlich alle selbstständigen Vertragsärzte zu Angestellten würden und in einem Normalarbeitsverhältnis von 40 Stunden pro Woche arbeiteten."

"Ich habe eine Zahl für Sie!"

Laut Gassen sei der Gesetzgeber angetreten, mit dem TSVG mehr Zeit für Patienten zu schaffen. So sollen die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten mehr und schnellere Termine zur Verfügung stellen. Doch mit dem derzeitig vorliegenden Entwurf werde genau das Gegenteil erreicht, betonte Gassen. Die drei Meter lange Arztzeituhr mache die Entwicklung bildlich deutlich: Die Arztzeit geht langsam, aber stetig zurück.

Gassen stellte auch heraus, dass der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für mehr Termine auch mehr finanzielle Mittel bereitstellen wolle - den vom BMG gewählten Weg halte die KBV allerdings für "ungeeignet".

Das KV-System hätte einen neuen Vorschlag

"Das KV-System hätte einen neuen Vorschlag", sagte Gassen: "Warum einigen wir uns nicht darauf, eine Summe X zusätzlich in die Versorgung zu geben? Wie genau sie verteilt wird, regelt jede KV selber. Im Gegenzug garantiert die KV, dass jeder Terminwunsch der Bürger in angemessener Zeit befriedigt wird. Wie genau sie das umsetzt, richtet sich nach den Eigenheiten der Regionen. Nach drei Jahren überprüfen wir dann, ob dieses System funktioniert. Vielleicht funktioniert dieser Deal."

"Digitalisierung allein kann Ärztemangel nicht auffangen"

"Die Ärzte stehen der Digitalisierung offen gegenüber. Sie muss für die Praxen aber mit einem Nutzen verbunden sein. Deshalb legen wir Wert beispielsweise auf Schnittstellen, die in allen Programmen einheitlich genutzt werden. Auch klare Aufgabenteilungen sind wichtig, wie wir sie gemeinsam mit anderen Playern in Form von Letters of Intent vereinbart haben", erklärte Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV. "Doch Digitalisierung allein kann das Problem der zurückgehenden Arztzeit nicht lösen und den Mangel an Ärzten nicht auffangen."

"Wir möchten die Arztzeituhr nicht als Kritik an unseren angestellten Kollegen verstanden wissen", stellte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Dr. Stephan Hofmeister klar. "Es ist völlig verständlich und auch richtig, dass sich Arbeits- und Privatleben möglichst ausgeglichen die Waage halten." 

Wenn die Niederlassungsbedingungen die Motivation für eine Selbstständigkeit erdrosseln

Die KBV wolle vielmehr zeigen, was passiert, wenn die Niederlassungsbedingungen die Motivation für eine Selbstständigkeit erdrosseln. Hofmeister: "Der Gesetzgeber sollte so viel wie möglich dafür tun, dass sich weiterhin Ärzte und Psychotherapeuten für eine eigene Praxis entscheiden – in welcher Form auch immer."

Der KBV zufolge zeigen Studien, dass Ärzte im Durchschnitt 7,4 Stunden pro Woche für Bürokratie aufbringen müssen. Betroffen vom TSVG-Entwurf sind Gassen zufolge vor allem die selbstständig tätigen Ärzte in eigener Praxis, die "ohnehin im Schnitt 52 Wochenstunden" arbeiten. Aber auch die angestellten Ärzte leisteten eine medizinisch hervorragende Arbeit, ihr zeitliches Wirken sei aber durch Arbeitsverträge auf maximal 40 Stunden begrenzt.

Gassen zum TSVG-Entwurf

"Der Gesetzentwurf in seiner derzeitigen Fassung macht durch massive Eingriffe in Praxisabläufe die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen immer unattraktiver“, erläuterte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.

"Betroffen davon sind vor allem die selbstständig tätigen Ärzte in eigener Praxis, die ohnehin im Schnitt 52 Wochenstunden arbeiten. Um das aber auch klarzustellen: Die angestellten Ärzte leisten eine medizinisch hervorragende Arbeit, aber ihr zeitliches Wirken ist logischerweise durch Arbeitsverträge auf maximal 40 Stunden begrenzt", führte Gassen aus.

Das TSVG verknappe noch einmal künstlich die zur Verfügung stehende Arztzeit, auch durch zusätzliche Bürokratie. "Es wird im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich insbesondere ältere Kolleginnen und Kollegen früher als geplant aus der Versorgung zurückziehen", warnte der KBV-Chef.

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