Medizin

Verletzungen durch Hundebisse

Bei kleinen Kindern ist das Gesicht etwa auf gleicher Höhe eines Hundes. Deshalb werden sie besonders häufig in der Kopfgegend gebissen, während bei Erwachsenen häufiger die Hände betroffen sind. Zwei Fälle zeigen die Folgen von Bissverletzungen im Kindergesicht, die jeweils durch den eigenen Familienhund verursacht wurden.

Häufig sind es Familienhunde, die den Biss verursachen. Bei diesem achtjährigen Jungen wurde die Oberlippe mittig transmural durchtrennt und am Nasensteg und Naseneingang rechts sowie nach lateral in die Wange rechts ausgerissen. Björn Riecke

Es erfolgte eine sofortige plastische Rekonstruktion in Intubationsnarkose. Björn Riecke
Dieses 11-jährige Mädchen erlitt durch Bisse des Familienhundes multiple Wunden im gesamten Gesichtsbereich. Rein optisch hätte man auf weniger relevante Einbissstellen submandibulär schließen können. Björn Riecke
Jedoch wurden bei eingehender klinischer Untersuchung eine Diastase zwischen 42 und 43, abnorme Beweglichkeit, Okklusionsstörungen sowie traumabedingt drittgradig gelockerte Zähne 32 bis 42 auffällig. Björn Riecke
Die Röntgendiagnostik bestätigte dann auch eine rechtsparamediane und nach links verlaufende Schrägfraktur. Es erfolgten die plastische Sofortrekonstruktion sowie die osteosynthetische Versorgung der paramedianen Unterkieferfraktur mittels Miniplatten in Intubationsnarkose. Björn Riecke

Fall 1: Ausgerissene Oberlippe beim achtjährigen Jungen

Ein achtjähriger Junge wurde vom Hund in die Oberlippe gebissen und erlitt eine ausgedehnte Verletzung. Dabei wurde die Oberlippe mittig transmural durchtrennt und am Nasensteg und Naseneingang rechts sowie nach lateral in die Wange rechts ausgerissen. Insgesamt hatte der Defekt eine Größe von 4x7 cm. Es erfolgte eine sofortige plastische Rekonstruktion in Intubationsnarkose. der Junge hatte Tetanusschutz, das Tier war gegen Tollwut geimpft.


Was Sie über Hundebisse wissen sollten

  • Jedes Jahr werden bundesweit 40.000 Bissverletzungen in einem Krankenhaus behandelt, 73 Prozent der Opfer sind Kinder. In Deutschland werden zudem jedes Jahr bis zu zwölf Todesfälle durch Hundeattacken registriert.
  • In fast jedem zweiten Fall (43,8 Prozent) war ein Hund verantwortlich, 3,9 Prozent der Kinder wurden von einer Katze gebissen. Bei 43,6 Prozent stammte die Verletzung von einem anderen Kind oder von einem eigenen Biss auf die Lippe, die Zunge oder in die Wange des Kindes.
  • Fast drei Viertel aller Bissverletzungen durch Hunde betrafen Kinder im Alter bis zu fünf Jahren, in den meisten Fällen übrigens zu Hause und durch den eigenen Hund. Bekannte Hunde bissen am häufigsten in die Wange des Kindes, fremde Hunde bevorzugten den Oberschenkel. Das höchste Risiko, von Hunden gebissen zu werden, betrifft Kindergartenkinder und Kinder im jungen Schulalter.
  • Das höchste Risiko, von Hunden gebissen zu werden, besteht dementsprechend bei Kindern unter fünf Jahren, ermittelte die Wiener Unfallchirurgin Dr. Manuela Jandl. Sie analysierte dazu die Daten von 1.592 Kindern, die im Laufe von 19 Jahren im Traumazentrum der Medizinischen Universität Wien mit einer Bissverletzung verarztet werden mussten.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

Warum gerade Kinder so häufig Opfer von beißenden Hunden werden, liegt nicht nur an ihrer Körpergröße. Kinder verhalten sich nach Hundemaßstäben einfach unberechenbar: Statt ruhig zu gehen und zu sprechen, hüpfen, rennen, springen, kreischen, schreien sie. Der irritierte Vierbeiner weiß nicht, woran er ist, fühlt sich mitunter sogar bedroht. Das Verhalten von Kindern kann Mechanismen bei Hunden auslösen, die in ihr angeborenes Beuteschema passen. Ein zweiter Grund: Kinder ärgern und quälen Hunde gern und treiben sie dadurch zur Gegenwehr.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

An den schwersten Unfällen sind immer häufiger große Rassen beteiligt. Sie können ihr
Opfer auch wiederholt beißen und stark schütteln. Manchmal handeln sie wie im Rausch und lassen sich von selbst von ihrem Besitzer oder anderen Menschen nur schwer von ihrer „Beute“ trennen. Es können natürlich Hunde aller Rassen zubeißen. Aufgrund ihrer kräftigen Kiefer sind auch kleinere Hunde durchaus in der Lage, schwere Verletzungen zu verursachen.

Die beißenden Hunde sind in der Regel keineswegs verwahrloste, fremde oder streunende Köter oder überzüchtete Kampfhunde, sondern oft die Tiere der eigenen oder benachbarten Familie. Hunde müssen - gerade auch in Gegenwart von Säuglingen und kleinen Kindern - lückenlos beaufsichtigt werden. Das Kind darf nicht mit ihnen allein gelassen werden.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

Für viele Unfälle mit Kindern sind Fehler bei der Haltung der Tiere die entscheidende
Ursache. Ein großer Teil der Hunde in Deutschland wird in Wohnungen gehalten, die
dafür nicht geeignet sind.

Hunde haben ein großes Bewegungsbedürfnis. Ohne Abwechslung, Spiel und Bewegung und häufig allein gelassen werden sie leicht aggressiv. Eine weitere Mitschuld an Tierunfällen tragen die glorifizierenden Darstellungen von Hunden in Fernsehsendungen.

Auch die Werbung verharmlost oft den Umgang mit Hunden und Katzen. Die Folge: Kinder, die sich mit unbedachten, hastigen und spontanen Bewegungen einem Hund nähern oder ihn aufdringlich liebkosen wollen, werden vom Hund mit einer Angst- oder Schreckreaktion abgewehrt.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

  • Man darf auf fremde Hunde nicht allzu schnell und nahe zugehen, sondern sollte um das Tier beim Laufen oder Radfahren einen kleinen Bogen machen.
  • Einen herankommenden Hund möglichst ruhig empfangen und nicht schreiend davonlaufen oder versuchen, ihn zu vertreiben. Das könnte den Jagdinstinkt des Tieres wecken.
  • Stattdessen: stehenbleiben und den Hund in beruhigendem Ton ansprechen.
  • Angeleint wartende Hunde sollte man nicht streicheln, sondern in Ruhe lassen, wenn sie ausweichen.
  • Beim Streicheln des Kopfes sollte man den Hund weder in der Schnauzenregion berühren, noch an den Ohren zupfen, an der Nase packen, am Schwanz ziehen oder das Fell gegen den Strich streicheln.
  • Einen Hund sollte man nicht beim Fressen stören oder ihm gar den Napf wegnehmen.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

Bisswunden bei Kindern müssen immer von einem Arzt versorgt werden und zwar auch dann, wenn sie zunächst als harmlos erscheinen. Denn die Komplikationsraten sind bei kleinen Bisswunden sogar höher als bei großen (siehe Fall 2).

Oft ist eine (kinder-)chirurgische Behandlung der Wunde unumgänglich. Dabei wird
die Wunde gesäubert, mit Kochsalzlösung ausgespült, vom zerrissenen Gewebe befreit
und mit einer Naht verschlossen. Um der Entwicklung einer schweren Infektion vorzubeugen – diese Gefahr besteht bei jedem fünften Bissunfall und besonders bei
Wunden, die größer sind als drei Zentimeter – werden die meisten Kinder nach der
operativen Versorgung ihrer Wunden prophylaktisch mit Antibiotika behandelt und
wenn nötig gegen Tetanus geimpft.

Auch unkomplizierte Bisswunden sollten spätestens nach 48 Stunden ärztlich kontrolliert
werden. Eine sofortige Vorstellung beim Arzt ist notwendig, wenn Symptome auftreten
wie Rötung, Schwellung, Schmerzen, Störungen der Sensibilität oder eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit des betroffenen Körperteils.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit


Sie können die Gesundheit von Kindern durch Ihre Spende fördern, die in voller
Höhe den Projekten der Stiftung Kindergesundheit zugute kommt.

Spendenkonto: HypoVereinsbank München
IBAN: DE41 7002 0270 0052 0555 20
SWIFT (BIC): HYVEDEMMXXX


Fall 2: Multiple Bisswunden beim 11-jährigen Mädchen

Ein 11-jähriges Mädchen erlitt verursacht durch den Familienhund multiple Bisswunden im gesamten Gesichtsbereich: Es zeigten sich scheinbar geringer relevante Einbissstellen submandibulär. Bei eingehender klinischer Untersuchung wurden jedoch eine Diastase zwischen 42 und 43, abnorme Beweglichkeit, Okklusionsstörungen sowie traumabedingt drittgradig gelockerte Zähne 32 bis 42 auffällig.

Nach durchgeführter Röntgendiagnostik (konventionelle Panoramaschichtaufnahme) bestätigte sich eine rechtsparamediane und nach links verlaufenden Schrägfraktur. Es erfolgte die plastische Sofortrekonstruktion - an Stirn, linksperiorbital und lateralem Lidwinkel links, linker Wange, rechtstemporal sowie Kinnpartie beidseits - sowie die osteosynthetische Versorgung der paramedianen Unterkieferfraktur mittels Miniplatten in Intubationsnarkose. Tetanusschutz der Patientin bestand, das Tier war gegen Tollwut geimpft.

Quellenverweis für die Fälle:
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Klinikdirektor Dr. med. Dr. med. dent. Björn Riecke
Unfallkrankenhaus Berlin
Warener Str. 7, 12683 Berlin

Mehr zum Thema: Versorgung einer Hundebissverletzung

Ein Rottweiler beißt einem vierjährigen Jungen ins Gesicht. Diese Verletzung stellt die Ärzte der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie Saarbrücken vor große Herausforderungen.

Hier geht's zum Artikel



17054901690193169016716901681705491 1705492 1690169
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen